Im Rahmen der Ausstellungsreihe "Fotografie neu ordnen" lädt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) Hans Hansen ein, mit der Sammlung Fotografie des Hauses zu arbeiten und sein eigenes Werk mit historischen Arbeiten in Beziehung zu setzen. Die Ausstellung Hans Hansen. Fotografie neu ordnen: Dinge zeigt insgesamt rund 80 Exponate aus dem Werk des Fotografen und aus der Sammlung Fotografie des MKG. Bildern von Hans Hansen begegnet man im Editorial eines Magazins, aber ebenso im Museum. Die Unterscheidung zwischen angewandter Fotografie und freier künstlerischer Arbeit, die dem Betrachter vermeintlich Orientierung verschafft, hat für Hans Hansen keine Bedeutung. Für ihn zählt das gute Bild. Aber was macht ein solches Bild aus? Wie fotografiert Hansen Lebensmittel, wie ein Automobil von Daimler-Benz und wie die Möbel von Vitra? Die Ausstellung verdeutlicht seine Vorgehensweise: Hansen reduziert den Gegenstand auf das Wesentliche, strukturiert Formen, Farben, das Material. Der Minimalismus und die Perfektion, mit der er die Objekte ordnet, heben seine Fotografien aus der Masse der üblichen Produktfotografie heraus. Hansens reduzierter Blick hat das Auftreten von Firmen wie Dibbern oder Erco geprägt. Die Betrachter lässt er mit neuer Klarheit auf die alltägliche Dingwelt schauen.

In der Ausstellung zeigt Hans Hansen Werke aus den Jahren 1978-2016. Seinen Arbeiten hat er jeweils eine Fotografie aus der Sammlung gegenübergestellt. Der Bikini, den Hansen 2011 für ein Editorial von Geo fotografiert hat, trifft auf einen Kragen, den Hein Gorny Ende der 1920er Jahre in der Bildsprache der Neuen Sachlichkeit fotografisch in Szene gesetzt hat. Gorny fokussiert die spitz zulaufenden Enden des Kragens und betont die geometrische Form, während Hansen das Kleidungsstück flach ausbreitet, um die drei Dreiecke des Bikinis zum grafischen Zeichen werden zu lassen. Beide holen die dreidimensionalen Objekte in die Fläche und verwenden die Zweidimensionalität des Blatts wie ein Typograph, indem sie mit Zeichen und Leerraum arbeiten.

1983 entstand eine Aufnahme für Erco Leuchten, in der Hansen mit dem Licht als Gestaltungselement arbeitet und eine Reihe von geometrischen, weißen Körpern durch die Lichtsetzung in ein Formenspiel von Schwarz und Weiß verwandelt. Ganz ähnlich verhält es sich bei Willi Moegles Aufnahme eines Stuhls der Firma Schnaidt. Der aus geometrischen Grundformen von Rechteck und Kreis zusammengesetzte Stuhl erscheint in einem kreisrunden Lichtkegel, die Schatten wiederum verdoppeln die räumlichen Grundformen der Sitzflächen.

In der Gegenüberstellung mit historischen Vorläufern wird die Arbeitsweise Hansens deutlich. Es ist kein Zufall, dass die Wahl der Pendants auf die Sachfotografie der 1920er und 1960er Jahre fällt, in der Hansen Parallelen erkennt: Er schält die Form aus dem Gegenstand heraus und abstrahiert diesen. Die Gegenstände treten vor einem nüchternen, häufig monochromen Hintergrund in ihrer Gestalt hervor. Licht und Schatten werden als der Fotografie immanente Mittel dabei zu Werkzeugen seiner Bildsprache.

Die Ausstellung macht auch den Medienwechsel der Fotografien zum Thema. Die ursprünglich für die gedruckte Seite entstandenen Bilder werden in einer Ausstellung stets aus ihrem Verwendungskontext gelöst und an der Wand anders angeschaut als in einer Zeitschrift. Dies gibt ihnen einen neuen Freiraum und die Möglichkeit, sie ohne die Eile des Alltags zu betrachten. Dennoch ist es ein Anliegen der Schau, gerade die Beschaffenheit solch "alltäglicher" Bilder zu zeigen, die uns täglich umgeben und die von ganz unterschiedlicher Gestaltungsqualität sein können. Der ursprüngliche Verwendungszusammenhang der Aufnahmen ist deshalb ebenfalls Teil der Ausstellung: Anhand einer Auswahl von Druckbelegen aus dem Archiv von Hans Hansen wird dieser präsentiert und die jahrelange Zusammenarbeit mit Agenturen wie etwa DDB (Doyle Dane und Bernbach) für Lufthansa und Volkswagen, GGK (Gerstner, Gredinger und Kutter) für Vereinigte Zucker, Hildmann, Simon, Rempen & Schmitz für Erco Leuchten und die Werbung für Rewe sowie Editorials für den Stern, SZ Magazin, Mare und Greenpeace Magazin, oder die Zusammenarbeit mit Grafikdesignern wie Haase & Knels, Peter Schmidt Studios für Dibbern oder Pierre Mendell für Vitra, deutlich gemacht und gleichsam der Blick des Besuchers für die Qualität eines Bildes geschult, gleich wo wir auf dieses treffen.

Hans Hansen wird 1940 in Bielefeld geboren. Er absolviert eine Ausbildung zum Lithografen bei der Druckerei Thomas & Kurzberg und studiert anschließend Angewandte Grafik bei Professor Walter Breker an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Seine Tätigkeit als Fotograf beginnt Hansen 1962 als Autodidakt. Im Auftrag von Tapio Wirkkala entstehen erste Studien von Glasobjekten. Zwischen 1963 und 1967 fotografiert Hansen weltweit Werbekampagnen und Promotionmaterial für Lufthansa. Ab 1968 folgen Aufträge von VW, später auch von anderen Automobilherstellern in Deutschland, Frankreich, Italien und den USA. Nach der Gründung seines ersten Ateliers 1970 in Hamburg konzentriert sich Hansen verstärkt auf die Sachfotografie. Parallel realisiert er redaktionelle Beiträge und ab 1980 zunehmend auch freie, künstlerische Projekte.

In der Ausstellung finden sich neben Werken von Hans Hansen auch Aufnahmen aus der Sammlung Fotografie und neue Medien des MKG, u.a. von Carl Andreas Abel, Arthur Benda, W. Champés, Lotte Genzsch, Hein Gorny, Taikichi Irie, Peter Keetmann, Jean Laurent, Loni Liebermann, Willi Moegle, Hansi Müller-Schorp, Irving Penn, Tom Sandberg, Wilhelm Weimar, Yva, Piet Zwart.