Was ist Liebe? Diese Frage werden wir mit unserer neuen Ausstellung natürlich auch nicht abschließend beantworten können. Aber ab dem 10. Februar beleuchten im Kallmann-Museum 13 Künstler*innen aus sehr unterschiedlicher Perspektive, was Liebe sein könnte. Und wo sie womöglich zu finden ist. Und wie sie aussehen könnte.

Kaum ein Begriff ist emotional so aufgeladen wie die Liebe. Dabei ist die romantische, die wahre Liebe zwischen zwei Partnern*innen, wie wir sie heute im allgemeinen Sprachgebrauch immer noch vielfach verstehen und wie sie uns im Kino und in Romanen als erlösendes Prinzip vorgelebt wird, ein vergleichsweise modernes Konzept. Über Jahrhunderte hinweg und in verschiedenen Kulturen wurde und wird die Liebe ganz unterschiedlich verstanden und gelebt, so wie es auch heute noch viele verschiedene Konzepte und Vorstellungen von Liebe gibt.

Künstlerisch wird die Liebe seit jeher thematisiert, in der Musik, in Romanen und Gedichten, in Filmen, und nicht zuletzt in der bildenden Kunst. Doch hat es den Anschein, dass die Liebe nicht unbedingt zu den bevorzugten Themen der zeitgenössischen Kunst gehört. Weil sie einen sehr privaten Bereich betrifft? Weil sie als Sujet schnell dem Verdacht anheimfällt, zum Kitsch zu verkommen? Womöglich aber ist der Begriff auch einfach zu wenig greifbar, trotz oder gerade wegen der großen Bedeutung, die die Liebe in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen im Leben jedes Menschen einnimmt. Denn wie überhaupt ließe sich Liebe künstlerisch darstellen, da sich dieses Gefühl doch nicht materialisieren lässt?

Die Ausstellung "What is Love?" im Kallmann-Museum möchte dem Umgang zeitgenössischer Künstler*innen mit diesem Themenfeld nachgehen. Es werden Werke vorgestellt, die sich mit Erscheinungsformen auseinandersetzen, in denen sich Liebe bevorzugt zeigt. So basieren etwa Familie und Partnerschaft nach gängiger Vorstellung idealerweise auf diesem Gefühl. Eric Fischl beleuchtet in seinen großformatigen Gemälden den Alltag einer, so scheint es, eingespielten Beziehung eines Paares. Woran aber erkennen wir, dass das Paar sich liebt? Und ob es sich überhaupt liebt? Womöglich ist alles nur eine Illusion, die mit unseren gängigen Vorstellungen von Partnerschaft spielt. Der Ehe nähern sich auch die Arbeiten von Daniela Comani, die den Rollenbildern in einer glücklichen Ehe nachspürt, in die eine perfekte Liebe in den Augen vieler immer noch führt, sowie Verena Jaekel, die aktuelle Familienkonstellationen untersucht, in denen die späte oder die gleichgeschlechtliche Elternschaft eine Rolle spielen. Anja Ciupka geht in ihrer in Strophen aufgebauten Textarbeit Beziehungsgeflechten nach, die weit über die klassische Familie hinausreichen und zusehends unübersichtlicher werden. Das Künstlerkollektiv NEOZOON hingegen zeigt auf, wie medial erlernte Liebesgesten gegenüber Haustieren geäußert werden, die womöglich als Familienersatz dienen und das für jeden Menschen existentielle Bedürfnis nach Liebe erfüllen, in einer Welt, in der Paar-Beziehungen zunehmend komplizierter zu werden scheinen.

Der wahrscheinlich am weitesten verbreitete Ausdruck von Liebe ist der Kuss. Zumindest in unserer Kultur. Den millionenfach im Film vorgeführten Kuss hat Klaus vom Bruch zum Ausgangspunkt seines Videos genommen, das mit Found-Footage-Material die stereotypen Liebesszenen von Hollywood- Filmen demaskiert, während Julie Nymann in ihrem Video das Begehren nach sich selbst und den zum Scheitern verurteilten Versuch, sich selbst zu küssen, zum Thema macht. Der Nähe und Intimität, die entsteht, wenn Menschen, die sich nicht kennen, zu Liebesliedern miteinander tanzen, spürt Christodoulos Panayiotou nach.

Cornelia Schleime wiederum arbeitet in ihren großformatigen Gemälden mit bekannten Bildern, Assoziationen und klischeebehafteten Vorstellungen von intimer Nähe, Weiblichkeit, Laszivität und Verführung. Doch bricht sie jede Form von Lieblichkeit und verhindert die Anmutung von Kitsch durch ihre Malweise, die Zerstörung und Zersetzung ins Bild bringt und zur für Schleime kennzeichnenden Ambivalenz der Werke beiträgt. Erzählerisch arbeitet auch Sonja Alhäuser mit ihren Zeichnungen, die Sexualität und Liebe, die Vereinigung von Körpern, Genuss und Sünde als prozesshafte Vorgänge vorstellen, wobei die bisweilen drastischen Inhalte durch die comic-artige Lockerheit der Zeichnungen eine humorvolle Leichtigkeit erlangen. Nur einem einzigen Motiv nähert sich Cornelius Völker in seiner Serie der Lippen, die zunächst nichts anderes zeigen als ein Körperteil, das aber durch die vielfachen Assoziationen, die damit verbunden sind, für Verführung und Sinnlichkeit, Begehren und Liebe steht. Lässt sich Liebe überhaupt malen? Oder nicht vielmehr nur assoziieren, durch die Bilder und Vorstellungen, die wir davon im Kopf haben? Und was bleibt übrig, wenn eine Liebe vergangen ist? Jenny Rova folgt mit ihrer Arbeit den öffentlichen Auftritten ihres Ex-Freundes bei Facebook und setzt sich an die Stelle seiner aktuellen Freundin, um virtuell immer noch in seinem Leben und an seiner Seite zu stehen. Und Pietro Sanguineti spannt in seinen Schrift-Bildern den Bogen von der Asche, die entsteht, wenn die Glut der Liebe erloschen ist, hin zum Porno, der Lustbefriedigung verspricht und am Ende zu einer Leere führen kann, aus der dann womöglich die wahre Liebe wieder hinausführt. Von sehr unterschiedlichen Seiten also nähert sich die internationale Gruppenausstellung "What is Love?" der Liebe, diesem für jeden Menschen zentralen Thema.

Mit Arbeiten von Sonja Alhäuser, Klaus vom Bruch, Anja Ciupka, Daniela Comani, Eric Fischl, Verena Jaekel, Neozoon, Julie Nymann, Christodoulos Panayiotou, Jenny Rova, Pietro Sanguineti, Cornelia Schleime und Cornelius Völker.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 14:30 - 17:00 Uhr 
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kallmann-museum.de

Cornelia Schleime, Herzfieber, 2007, Acryl, Asphaltlack, Schellack auf Leinen, 140 x 160 cm, courtesy Galerie Michael Schultz
10.02. - 13.05.2018

What is Love? – Nähe, Begehren und Beziehungen

Kallmann-Museum

Schloßstraße 3b
85737 Ismaning