Mitte der 1980er Jahre kommt Karsten Konrad nach Westberlin und erlebt dort noch während seiner Studienjahre den Fall der Berliner Mauer – ein Ereignis, das ihn nachhaltig prägen sollte. Als sich die wiedervereinigte Stadt zu häuten beginnt, starten Konrads "Goldene Neunziger". Überall wird modernisiert, abgerissen und ausgemistet. Ein gewaltiger Fundus an Baustoffen und alter Einrichtung eröffnet sich dem Künstler und begünstigt seine bis heute charakteristische Praxis: Von Beginn an stellt die Materialsuche auf Schrottplätzen, Flohmärkten und der Straße einen wesentlichen Bestandteil seines Schaffensprozesses dar.

Während sich Fokus des Künstlers zeitweise auf den Stadtraum richtete, konzentriert er sich in jüngster Zeit vor allem auf das Interieur. Auch die Ausstellung nimmt auf das Innenleben des IG-Metall-Hauses Bezug: Vom Glaserker aus, der die Hauptfront des Gebäudes zur Linken flankiert, rankt eine Skulptur in den Ausstellungsraum und deutet wie eine Galionsfigur bereits von weitem auf ein Merkmal der von Mendelsohn entworfenen Architektur hin: Sowohl das Material, als auch die in sich gewundene Form verweisen auf die Messingverkleidungen, die nicht nur die Fassade und den Eingangsbereich veredeln, sondern auch das Geländer der zentralen und alle Stockwerke durchziehenden Wendeltreppe.

Die einzelnen Elemente in Konrads Skulpturen und Bildwerken deuten schließlich auf die leidenschaftliche Auseinandersetzung des Künstlers mit Architektur hin. Der Bildhauer untersucht Außen- und Innenräume auf ihre skulpturalen Qualitäten, wobei er in beinahe archäologischer Manier Relikte vergangener Baustile und Einrichtungsmoden birgt. Jedes Fragment zeugt von einem anderen Jahrzehnt, erzählt eine andere Geschichte. Die Narrative, die seine Arbeiten beinhalten, zeugen vom intuitiven Gebrauch der Cut-Up-Technik und des Samplings: Aus Bruchstücken fügt Konrad, ungeachtet ihrer ursprünglichen Hintergründe, Ensembles zusammen, wobei die Einzelteile auch in den neuen, dynamisierten und belebten Zusammenschlüssen einen kaleidoskopischen Blick auf die Vergangenheit geben. (Text: Lydia Korndörfer)


Öffnungszeiten:
Montag - Donnerstag: 9:00 - 18:00 Uhr
Freitag: 9:00 - 14:30 Uhr

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