Das Praktische und das Ideale miteinander in Einklang bringen – so formulierte es Peter Behrens programma­tisch in einem Brief an den Gründungsdirektor des Kaiser Wilhelm Museums Friedrich Deneken. Die Kunst­museen Krefeld zeigen erstmals in einer monographischen Ausstellung ihre Sammlungsbestände des wegweisenden Künstlers, Gestalters und Architekten Peter Behrens (1868­1940). Anlässlich seines 150. Geburtstags wurde der komplette Bestand restauriert sowie die umfangreiche Korrespondenz aufgearbeitet, die sich zwischen Peter Behrens und Friedrich Deneken erhalten hat.

Werbegrafik und Typographie, Gläser, Tapetenentwürfe, Plakate, Holzschnitte, Bücher, Kataloge und Foto­grafien – die Kunstmuseen Krefeld besitzen ein Konvolut von rund 250 Arbeiten von Peter Behrens vorwiegend aus den Jahren zwischen 1900 und 1912. Eindrucksvoll lässt sich anhand dieses Sammlungsbestandes die rasante Entwicklung des jungen Behrens vom Jugendstil­Künstler zum Vorreiter der modernen Werbe­ und Industriegestaltung nachzeichnen. Die Ausstellung geht dieser Entwicklung nach und setzt unter anderem Akzente in der Schrift­ und Buchgestaltung sowie beim Corporate Design, das er für die Delmenhorster Anker Werke und als Gestalter sämtlicher Produkte der AEG in Berlin entwickelte. Ein großer Teil der Arbeiten gehörte ursprünglich zur Sammlung des 1909 gegründeten "Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe", dessen Bestände 1923 an das Kaiser Wilhelm Museum gelangten.

"Peter Behrens ist einer der prägenden Künstler für die frühe Geschichte der Institution. Als Universalkünstler und Wegbereiter modernen Designs hat er Vorbildfunktion für die Neupositionierung der Kunstmuseen Krefeld", so Direktorin Katia Baudin. "Mit der parallel statt ndenden Ausstellung der Schenkung zeit­genössischen Designs von Domeau & Pérès wird dieser Impuls in die Gegenwart fortgeführt." 1897 gegründet, war das Kaiser Wilhelm Museum ursprünglich als ein Haus für Kunst und Kunstgewerbe konzipiert, in dem freie Kunst und Alltagsgestaltung eng verbunden waren. Der Gründungsdirektor Friedrich Deneken gehörte zu den progressivsten Vertretern der Reformbewegungen in Deutschland. Die erste Kontaktaufnahme mit Peter Behrens geht auf das Jahr 1898 zurück. Im Museum hat sich ein rund 150 Seiten langer Schrift­ wechsel erhalten, der in der Forschung bislang kaum bekannt ist. Kuratorin Dr. Magdalena Holzhey: "Der Briefwechsel zwischen Deneken und Behrens erzählt vom Dialog zwischen einem ambitionierten Museums­ direktor und einem aufstrebenden Künstler, die gemeinsam versuchen, in der Umbruchzeit um 1900 Kunst und Lebensgestaltung miteinander zu verbinden."

Ausstellungsarchitektur und Graphikdesign entstehen in Zusammenarbeit mit einem Team von Studierenden der Peter Behrens School of Arts, Düsseldorf, unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Thorsten Scheer, unterstützt von Friederike Peters.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit dem MAK Köln und dem LVR Industriemuseum Oberhausen, die im März und April eigene Ausstellungen mit ergänzenden Schwerpunkten eröffnen. Sie ist Teil des Prologs zum NRW­Verbundprojekt "100 jahre bauhaus im westen".

Zur Ausstellung entsteht eine Publikation in Kooperation mit dem MAK Köln und dem LVR Industriemuseum Oberhausen (Deutsch/Englisch) im Kettler Verlag, Dortmund. In 12 Themenheften, die in einem Schuber zusammengeführt werden, beleuchtet jedes Haus jeweils neue Aspekte in Behrens" Schaffen.