Ein langes Leben, Gesundheit oder Gelassenheit – in vielerlei Symbolen und Anspielungen verweist chinesisches Blau-Weiß-Porzellan aus der Regierungszeit des Ming-Kaisers Wanli (1572-1620) auf Glück- und Segenswünsche. Vom 29. Juni bis 6. Mai 2018 zeigt das Museum Angewandte Kunst eine Auswahl von 24 Porzellanen aus der Wanli-Ära in seinem Ausstellungs- und Veranstaltungsforum meet asian art, das sich in wechselnden Schwerpunkten der Kunst Asiens widmet.

Im Jahr 1572, als der erst neunjährige Zhu Yijun zum Kaiser des Ming-Reiches erklärt wurde, verkündete man Wanli („Zehntausend Jahre“) zur Regierungsdevise. Kaiser Wanli herrschte 48 Jahre lang und damit länger als jeder andere Ming-Kaiser. Unter seiner Herrschaft prosperierten zunächst Wirtschaft, Kunst und Kultur. In den späten Wanli-Jahren jedoch erlebte China einen Niedergang, der bald danach zum Zusammenbruch der Ming-Dynastie führte.

Zugleich war die Regierungszeit des Kaisers Wanli für China ein Zeitalter der frühen Globalisierung. Erstmals gelangten große Mengen chinesischen Porzellans und anderer Handelsgüter bis nach Europa und wurden dort zu begehrten Luxusartikeln. In jenen Jahren konnten die kaiserlichen Porzellanöfen in Jingdezhen die rapide steigende Nachfrage kaum decken. Der Umfang der offiziellen Ware wuchs durch große Bestellungen des Hofes gewaltig. Noch stärker nahm die Produktion für den gehobenen innerchinesischen und den Exportmarkt zu. Der Preis hierfür war ein spürbarer Rückgang in der Qualität des Porzellans. An die Meisterwerke der frühen und mittleren Ming-Zeit reichten selbst die für das Kaiserhaus bestimmten Wanli-Porzellane nicht mehr heran. Andererseits übt gerade die freie, lockere Gestaltung dieser Stücke eine eigene Faszination aus.

Die große Mehrheit von Wanli-Porzellanen zeigt einen blauen, unter der transparenten Glasur direkt auf den weißen Scherben aufgebrachten Dekor. Das Pigment hierfür, Kobalt, wurde ursprünglich aus Persien importiert und war daher extrem teuer. Nachdem in der Ming-Zeit im Westen Chinas eigene Vorkommen entdeckt wurden, nahm das Blau-Weiß- Porzellan einen beispiellosen Aufschwung. Waren die Farben ursprünglich eher grau-blau, konnten dank Verbesserungen bei der Zusammensetzung des Pigments und bei der Brenntechnik zunehmend leuchtend blaue Glasurfarben hergestellt werden.

Die ausgestellten 24 Stücke aus der asiatischen Sammlung des Museums wurden in der kaiserlichen Manufaktur Jingdezhen oder von deren Zulieferern produziert. Sie reichen von Palastware bis zum massenweise produzierten, gleichwohl in Europa teuer bezahlten Exportporzellan, das nicht zuletzt von der frühbarocken Frankfurter Fayence kopiert wurde. Deutlich vermittelt sich anhand der Exponate der Unterschied zwischen „kaiserlichem“ Porzellan und der rasch und relativ sorglos produzierten Exportware für den Mittleren Osten und Europa. Diese wird auch als „Kraak-Porzellan“ bezeichnet, da sie zunächst auf portugiesischen Karacken nach Europa gelangte, die wiederholt von Niederländern aufgebracht und ihrer kostbaren Fracht beraubt wurden.

Die Präsentation Wanli Blau-Weiß bietet Einblicke in die herausragende Sammlung chinesischer Keramik im Museum Angewandte Kunst. Einige der hier ausgestellten Porzellane gehören bereits seit über hundert Jahren zur Museumssammlung. Der größte Teil jedoch geht auf Carl Cords zurück, dessen umfangreiche Schenkung von 1943 das Rückgrat der ostasiatischen Sammlung des Museums bildet.

In verschiedenen öffentlichen Führungen und einem hochkarätig besetzten Studientag am 2. September 2017 wird das Thema Wanli Blau-Weiß parallel zur Präsentation im Museum Angewandte Kunst vertieft.