Rebecca Horn, eine der herausragenden Künstlerinnen Deutschlands, erhält am 24. November den Wilhelm-Lehmbruck-Preis für ihr Lebenswerk. Sie empfängt damit die Auszeichnung für Skulptur, die 1966 zu Ehren des expressionistischen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck ins Leben gerufen wurde – eine Auszeichnung für Skulptur für eine Künstlerin, die die Skulptur weit über ihre Grenzen hinaus geführt hat. 

Kompromisslos, eigenwillig und unverwechselbar prägt Rebecca Horn seit mehr als 50 Jahren so unterschiedliche Disziplinen wie Performance, Bildhauerei, Poesie, Malerei und zuletzt auch große Opernproduktionen. In wichtigen Bereichen hat sie den Weg bereitet für eine zeitgenössische Künstlergeneration: Sie war die erste Professorin an der Berliner Hochschule der Künste und hatte 1993 als erste Künstlerin eine Einzelausstellung im New Yorker Solomon R. Guggenheim Museum. Allein in diesem Jahr erhielt Rebecca Horn zwei weitere hochrangige Ehrungen: das große Verdienstkreuz und den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste.

Zum ersten Mal zeigt Rebecca Horn in der Duisburger Ausstellung ihre neuste Werkgruppe, die „Hauchkörper“, die in diesem Frühjahr entstanden sind: elegante, goldene Speere bewegen sich langsam wiegend, meditativ und lassen uns zur Ruhe kommen. 

Für Rebecca Horn beginnt nach ihrem Schlaganfall vor zwei Jahren eine neue Schaffensphase: „Es ist ein Neuanfang, ein ganz neuer Prozess. Es ist für mich beglückend, Skulpturen geschaffen zu haben, die nicht Abkömmlinge oder Verlängerungen früherer Arbeiten sind. Sie stehen ganz für sich, und es gibt mir das Gefühl, dass ich an der Schwelle einer neuen Werkphase stehe.“ 

„Die Kunst Rebecca Horns ist empathisch; sie ist auf uns – die Betrachter, die Zuhörer, die Mitfühlenden – ausgerichtet“, so Museumsdirektorin Söke Dinkla. Im Ausstellungskatalog schreibt Horst Bredekamp: „Ihre Werke vermitteln die Anmutung einer inneren Lebendigkeit, aber sie bleiben fremd; sie kommen entgegen und springen doch zurück; sie sind bedrohlich und wenden sich doch ab. Hieraus entsteht eine unvergleichliche Spannung, die dem Prozess des Sich-Näherns eine Mischung aus Zuwendung und Abwehr verleiht.“

Das perfekte Austarieren von Antipoden wie Nähe und Ferne, Schönheit und Bedrohung, männlich oder weiblich, Stillstand oder Bewegung, Natur oder Technik und die daraus entstehende Spannung prägen die jungen wie frühen Arbeiten der Künstlerin. Die Ausstellung präsentiert neben den neuen Arbeiten über fünfzig weitere Werke aus unterschiedlichen Schaffensperioden und Medien. Dokumentationen ihrer Performances, Filme, Aquarelle, Malereien und Installationen umfasst die breit angelegte Ausstellung. 

Der erstmals an eine Künstlerin verliehene Wilhelm-Lehmbruck-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird seit 1966 an international bedeutende Künstler wie Richard Serra, Claes Oldenburg oder Joseph Beuys vergeben. 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Prof. Dr. Horst Bredekamp, Peter Stephan Jungk und Dr. Söke Dinkla.