Im späten 4. Jahrhundert nach Christus entwickelte sich um das Grab des Heiligen Menas eine der größten christlichen Wallfahrtstätten der Spätantike – Abu Mina in der Nähe von Alexandria. Bis zur Zerstörung während der persischen Besatzungszeit im frühen 7. Jahrhundert pilgerten unzählige Gläubige aus dem gesamten Römischen Reich dorthin. Danach entstand über den Trümmern der Stadt eine neue Siedlung. Studierende des Ägyptologischen Seminars der Freien Universität Berlin beleuchten in der Sonderpräsentation die abenteuerliche Wiederentdeckung der Pilgerstadt im frühen 20. Jahrhundert – anhand von bedeutenden Bauten und ausgewählten Bauskulpturen, Pilgerandenken und Alltagsobjekten aus dem Bestand des Museums für Byzantinische Kunst.

Abu Mina, etwa 45 km südwestlich von Alexandria gelegen, zählt zu den bedeutendsten christlichen Wallfahrtsorten der Spätantike. Seinen Namen verdankt er dem Heiligen Menas. Eine Version der teilweise widersprüchlichen Legenden, die sich um seine Person ranken, beschreibt Menas als einen in Phrygien (in der heutigen Türkei) stationierten ägyptischen Soldaten, der während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod erlitt. Sein Leichnam wurde per Schiff nach Ägypten überführt und dort auf ein Kamel geladen, das sich nach einer Rast der Karawane weigerte weiterzuziehen. Dies wurde als Zeichen verstanden, den Märtyrer an Ort und Stelle zu bestatten. Dort, wo man das legendäre Grab vermutete, entstand eine Kultstätte. Sie entwickelte sich nach zu nach zu einer Stadt mit einem religiösem Zentrum, weiteren Kirchen, Herbergen, Wohnungen, Geschäften, Bädern, Werkstätten und Wirtschaftsanlagen.

Bis zur Zerstörung während der persischen Besatzungszeit (619-629 n.Chr.) pilgerten unzählige Gläubige aus dem gesamten Römischen Reich an diesen Ort. Danach wurde er nur notdürftig in Stand gesetzt. Nach der Eroberung des Landes durch die Araber um das Jahr 640 fiel die Pilgerstätte unter die Obhut der koptischen Kirche. Erneute Bautätigkeiten in größerem Stile lassen sich in der Zeit des Patriarchen Michael I. (744-768) feststellen, der den Wiederaufbau der Gruftkirche veranlasste.

Im Sommer 1905, während der letzten Tage einer bis dahin erfolglosen Expedition in der libyschen Ostwüste, der antiken Cyrenaica, entdeckten der christliche Archäologe und Theologe Carl Maria Kaufmann und sein Cousin I. C. Ewald Falls die Ruinenstätte eher zufällig. Ein Beduinenjunge brachte ihnen eine Ampulle mit der Darstellung des Heiligen Menas zwischen zwei Kamelen, deren Spur zu einem Töpferofen mit mehreren solcher Fläschchen führte. Man war sich nun sicher, das Menas-Heiligtum gefunden zu haben.

Dank finanzieller Unterstützung durch seine Heimatstadt Frankfurt am Main und Wilhelm von Bode, den damaligen Direktor des heute nach ihm benannten Museums in Berlin, konnte Kaufmann noch im Herbst desselben Jahres mit den Ausgrabungen beginnen. Nach dem damals geltenden Gesetz der Fundteilung gelangten zahlreiche Objekte aus den bis 1907 andauernden Kampagnen nach Frankfurt, ein geringerer Anteil kam nach Berlin. Weitere kleinere Missionen verschiedener Forscher und Institutionen folgten, bis 1961 das Deutsche Archäologische Institut in Kairo die Grabungsleitung übernahm. Bis 2013 fanden regelmäßig Kampagnen statt, die viele neue Erkenntnisse zur Archäologie, Chronologie und Geschichte der Pilgerstadt erbrachten. Wegen des ansteigenden Grundwasserspiegels steht Abu Mina seit 2001 auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes.

Die Sonderpräsentation in Raum 113 des Bode-Museums ist das Ergebnis einer gemeinsam veranstalteten „Lernwerkstatt“ des Ägyptologischen Seminars der Freien Universität Berlin und der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin. 


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 20:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum.html

Kanne in Form eines Tieres Ton, spätes 5.-7. Jh. © Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturen- sammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt
13.02. - 31.12.2018

Zwei Kamele und ein Heiliger. Das antike Pilgerzentrum Abu Mina in Ägypten

Bode-Museum

Am Kupfergraben
10117 Berlin