Die Retrospektive "Max Ackermann: Der Motivsucher" im Zeppelin Museum reflektiert zum 130. Geburtstag des Künstlers mit 130 Werken das Ringen des deutschen Malers und Grafikers um eine neue Kunst im 20. Jahrhundert. Die Ausstellung zeigt die große Vielfalt von Ackermanns Arbeitsstilen und stellt die verschiedenen Werkphasen des Künstlers über fünf Jahrzehnte vor.

"Das Werk des Künstlers ist überraschend divers und spannt sich vom Jugendstil über die Neue Sachlichkeit bis hin zur abstrakten Malerei. Es zeigt einen Künstler, der stets auf der Suche war: nach Motiven und vor allem nach möglichen Stilen. Dieser Stilpluralismus zieht sich durch sein ganzes Werk, so arbeitete Ackermann gleichzeitig abstrakt und gegenständlich." (Ina Neddermeyer, Kuratorin und Leiterin der Abteilung Kunst)

Max Ackermann (1887-1975) gilt heute als einer der bedeutenden Wegbereiter der abstrakten Kunst in Deutschland. Er hat seinen festen Platz neben Willi Baumeister, Fritz Winter und Adolf Fleischmann, für die ähnlich wie für Max Ackermann das Jahr 1945 nicht die Stunde Null der Abstraktion war, sondern vielmehr die große Befreiung aus der politischen Isolation und eine Wiederbelebung moderner Kunst in Deutschland.

Der Weg dorthin war in der jungen Bundesrepublik begleitet von heftigen kontroversen künstlerischen Diskursen über den Stellenwert der figürlichen Malerei und die Bedeutung der Abstraktion. Max Ackermann hatte die Frage schon 1944, als noch der Zweite Weltkrieg tobte und der Künstler mit Lehr- und Ausstellungsverbot bedacht war, für sich in seinem Tagebuch beantwortet: "Das gegenstandslose Bild ist die Keimzelle für die Zukunft".

Den 130. Geburtstag Max Ackermanns hat sich das Zeppelin Museum Friedrichshafen zum Anlass genommen, die eigenen umfangreichen Sammelbestände des Künstlers zu sichten und Ackermann eine große Übersichtsausstellung auszurichten. Die Ausstellung "Max Ackermann: Der Motivsucher" thematisiert erstmalig die große Bandbreite des komplexen, vielschichtigen Werks des Malers und Grafikers.

"Die Ausstellung zeigt einen Künstler, der wie Otto Dix seine Karriere am Beginn des 20. Jahrhunderts begann, der 1915 zum Kriegsdienst eingezogen und 1917 nach einem Lazarettaufenthalt als dienstuntauglich entlassen wurde, der nach dem Krieg die wilden 20er Jahre durchlebte und 1933 an den Bodensee zog, als die Nationalsozialisten seine Malkurse verboten und seine Werke aus der Staatsgalerie Stuttgart entfernten. Doch anders als Dix, der seine besten Jahre in der Zwischenkriegszeit erlebte, stellt sich der Erfolg bei Ackermann erst spät ein, als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Niedergang des Dritten Reichs die abstrakten Künstler des Informel den Weg in die Zukunft wiesen." (Dr. Claudia Emmert, Museumsdirektorin)

Heute ist vor allem Ackermanns Nachkriegsoeuvre präsent. Das Spätwerk ist vorwiegend durch abstrakt-geometrische Kompositionen geprägt, die z. B. auch die Bildzyklen "Überbrückte Kontinente" und "Hymnen" auszeichnen. Dabei findet eine Reduktion auf die drei Grundformen statt - Kreis, Quadrat und Dreieck - die Ackermann selbst als "königliche Geometrie" bezeichnet. Ackermann charakterisierte die Bilder dieser Werkphase auch als "malerische Kraftfelder". Diese Bilder sind es vor allem, die bis heute Max Ackermanns Renommee als abstrakten Maler begründet haben. In seinen Arbeiten lassen sich zahlreiche Entwicklungsprozesse ablesen, die von einer Auseinandersetzung mit Stilrichtungen vom Jugendstil über die Neue Sachlichkeit bis hin zur abstrakten Malerei zeugen.

Zahlreiche Ausstellungen haben bis heute immer wieder den Fokus auf sein Werk nach 1945 gelegt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die Kunstwissenschaft vorsichtig an Ackermann als einen der vielschichtigsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit herangetastet. Die aktuelle Ausstellung des Zeppelin Museums untersucht allerdings nicht nur, wie sich diverse künstlerische Strömungen des 20. Jahrhunderts im Werk von Max Ackermann niedergeschlagen haben. Die Ausstellung widmet sich darüber hinaus tiefergehend den Spuren gesellschaftlicher und politischer Umbrüche, die das Werk Künstlers in sich trägt und setzt sich kritisch mit der gesellschaftspolitischen Motivation des Künstlers auseinander.

Mit der Ausstellung "Max Ackermann: Der Motivsucher" knüpft das Museum an die mit über 30.000 Besuchern sehr erfolgreiche Ausstellung "Otto Dix - Alles muss ich sehen!" an. Beide Ausstellungen basieren auf der Kunstsammlung des Zeppelin Museums, das mit fast 4.000 Werken die größten Meister aus Süddeutschland vom Mittelalter bis zur Neuzeit versammelt und dabei einen Schwerpunkt auf Werke der Künstler legt, die sich während des Dritten Reichs an den Bodensee in die "Innere Emigration" zurückzogen, wie Otto Dix, Max Ackermann oder Erich Heckel. Die Sammlung wird kontinuierlich mit Erwerbungen aus dem Bereich der zeitgenössischen Kunst in die Gegenwart fortgeführt.