Der Comic ist längst zu einer eigenen Kunstform geworden, zur sogenannten neunten Kunst. Aus diesem Grund widmen ihm jetzt drei Oldenburger Museen ein gemeinsames Ausstellungsprojekt. Unter dem Titel „Die Neunte Kunst“ haben sich das Stadtmuseum Oldenburg, das Horst-Janssen-Museum und das Edith-Russ-Haus für Medienkunst zusammengeschlossen. Jedes Museum hat für die Kooperation einen eigenen Schwerpunkt gewählt: Im Stadtmuseum geht es vom 3. Februar bis zum 2. April um „Die Geschichte des Comics“.

„Comics sprechen nicht nur Kinder und Jugendliche an, sondern sind mittlerweile weltweit ein in allen Generationen verbreitetes Medium der Pop-Kultur, das sich in jüngster Zeit durch den Erfolg der Graphic Novel künstlerisch noch bemerkenswert weiterentwickelt hat“, berichtet Museumsleiter und Kurator Dr. Andreas von Seggern. „Im Stadtmuseum nehmen wir deshalb die Kultur und Wirkungsgeschichte des Comics vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart in den Blick.“ Dabei konzentriert sich die Ausstellung überwiegend auf Beispiele aus dem deutschen, franko-belgischen und US-amerikanischen Raum. Von den Grafiken des Schweizer Illustrators Rodolphe Toepffer über Walt Disney bis zu Art Spiegelman oder Will Eisner können Besucherinnen und Besucher den Weg des Comics zur Massenpopularität von der Zeichnung bis zum gedruckten Heft nachvollziehen.

Das wichtigste zeichnerische Gestaltungsmittel des Comics ist die Linie. Sie reicht aus, um Geschichten zu erzählen. „Ein herausragendes Beispiel für die technischen Möglichkeiten der Linie sind die animierten Zeichnungen des italienischen Cartoonisten Osvaldo Cavandoli, dessen Serie ‚La Linea‘ als Meisterwerk der grafischen Reduktion gilt“, erläutert Andreas von Seggern. Zur Formensprache des Comics gehören bildhafte Symbole, die Gemütszustände betonen oder Bewegung darstellen sollen. Schweißtropfen, Tränen für Panik, Angst, Wut oder Trauer, Sterne für ohnmächtige oder im Kampf niedergestreckte Figuren oder „Speedlines“ zur Nachzeichnung von Weg und Tempo des Bewegten gehören zu den am häufigsten verwendeten Symbolen.

Bild und Text bilden im Comic eine Einheit. Während das gesprochene Wort klar verständlich ist, hat sich im Comic eine besondere Form der Lautmalerei (Onomatopoesie) für die Darstellung von Geräuschen durchgesetzt. „Lange Zeit wurden Wortfetzen wie ‚Zisch‘, ‚Boom‘ oder ‚Grumpf‘ kaum ernst genommen oder gar als sprachzerstörend bezeichnet“, weiß der Kurator von Seggern. „Die bekannteste deutsche Disney- Übersetzerin Erika Fuchs verwendete vor allem für die Donald-Duck-Geschichten von Carl Barks häufig Begriffe wie ‚seufz‘ statt seufzen oder ‚keuch‘ statt keuchen, um Gemütszustände oder Handlungen der Figuren zu verdeutlichen. Diese grammatikalische Form wird daher scherzhaft als ‚Erikativ‘ bezeichnet.“

Ergänzend zu den überwiegend zweidimensionalen Objekten in Form von Zeichnungen, Drucken oder Heften zeigen Merchandising-Artikel in der Ausstellung die zielgerichtete Vermarktung und Popularisierung von Comics und ihren Hauptfiguren. Schon seit dem frühen 20. Jahrhundert bedienten sich Unternehmen häufig der Popularität von Comicfiguren, um den Marktwert und die Bekanntheit der eigenen Produkte zu steigern. Heute findet man im milliardenschweren Geschäft mit dem Comic von der Lego-Version eines Superhelden, Computerspielen mit Asterix, der Werbeanzeige mit Donald Duck oder dem Porzellan mit Mickey Mouse jedes nur denkbare Produkt, das ein Sammlerherz höher schlagen lässt und den Comic-Fan noch enger mit der Lieblingsfigur verbindet.

Das Stadtmuseum eröffnet seine Ausstellung „Die Geschichte des Comics“ am Freitag, 2. Februar, um 19 Uhr gemeinsam mit dem Horst-Janssen-Museum.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr 
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: stadtmuseum-oldenburg.de

Krazy Kat © dpa picture alliance
03.02. - 02.04.2018

Die Neunte Kunst: Die Geschichte des Comics

Stadtmuseum Oldenburg

Am Stadtmuseum 4-8
26121 Oldenburg