Parallel zur Ausstellung Max Beckmann. Welttheater zeigt das Museum Barberini eine Präsentation mit 39 Gemälden von Klaus Fußmann. Es ist die erste Ausstellung, die sich dem in seinem Werk zentralen Thema von Menschen in Landschaften widmet. Seit den Anfängen seiner Sammeltätigkeit begleiten den Museumsstifter Hasso Plattner die Werke Klaus Fußmanns, aus Anlass dessen 80. Geburtstags die Schau nun gezeigt wird.

Menschen und Räume beschäftigen Klaus Fußmann in seiner Malerei seit den siebziger Jahren. Waren es zunächst einzelne Figuren, die sich im kargen Innenraum seines Ateliers abzeichneten, zeigte er die Zeugen seines Werkprozesses schon bald vor dem Gegenlicht des Fensters. Seine Modelle – Freunde und Verwandte – stehen mit dem Rücken vor dem Raster des Fensterkreuzes, markieren die Schwelle zwischen dem Innen und Außen, den Blick auf den Betrachter gerichtet. Sie wirken monumental in der Vereinzelung und doch fragil wie eine Erscheinung. Darin sind sie mit den Skulpturen Alberto Giacomettis vergleichbar, der seinen Portraits die Aura der Unerreichbarkeit verlieh. Dieses Erscheinungshafte und zugleich Konkrete in der menschlichen Figur blieb ein zentrales Thema in Fußmanns Werk.

Auch wenn sich der Blick aus dem Atelierfenster auf Menschen in der offenen Landschaft richtet und diese schließlich im Freien gemalt werden, ist Fußmanns Vertrautheit mit den Dargestellten das durchgehende Thema. Die Portraitierten schauen nicht in die Landschaft, sondern auf den Maler, anders als die Rückenfiguren in der romantischen Malerei. Das strenge Gegenüber von Maler und Modell der frühen Bilder bleibt auch draußen bestehen. Das bevorzugte quadratische Format vermittelt zwischen Portrait und Landschaft. Die häufig nah an den vorderen Bildrand gerückten Figuren bauen eine oft rätselhafte Spannung zum Landschaftsraum auf. Ihrer statuarischen Haltung ist etwas Schillerndes, immerwährend Lebendiges zu eigen.

Neben Freunden oder Verwandten beschäftigen Fußmann auch literarische Figuren wie Märchengestalten oder Helden antiker Sagen. Für die durch Fiktion gesteigerte Verrätselung wählt Fußmann bestimmte Landschaften als zeitlose Folie. Seit den achtziger Jahren blendet der Maler auch sein Selbstbildnis in die Landschaft ein. Er erscheint auf großen Spiegeln im Freien. Damit gelangt ein Atelierrequisit in den Außenraum. Es entstehen Bilder in Bildern, der rückwärtige gespiegelte Landschaftsraum wird in der Zusammenschau eingefangen, der Blick auf den Horizont verstellt. Die Spiegel sind zumeist bildparallel eingesetzt. Die Erforschung des Selbst wiederholt das strenge Anschauen des Gegenübers in Auseinandersetzung mit den Menschen seiner Umgebung.

Die Potsdamer Schau ist die erste Ausstellung, die sich dem in seinem Werk zentralen Thema von Menschen in Landschaften widmet. Die Leihgaben für die Präsentation im Museum Barberini kommen aus verschiedenen Privatsammlungen. Große Einzelausstellungen Klaus Fußmanns fanden bislang u.a. in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, in der Kunsthalle Emden, in der Kunsthalle Bremen, im Museum am Ostwall in Dortmund und zuletzt im Osthaus-Museum Hagen statt. Fußmanns Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis der Villa Romana Florenz und dem Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen. Seit 1974 hat Fußmann eine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin inne.

Zur Ausstellung erscheint ein Künstlerbuch in der Edition Peerlings mit Beiträgen von Dr. Jürgen Fitschen und Heinz Spielmann sowie 42 Bildtexten von Klaus Fußmann (Ausgabe im Museumsshop € 20,00). Am 1. März 2018 findet um 15 Uhr in der Ausstellung ein Gespräch mit dem Künstler statt.