Eine Ausstellung von Stipendiat(inn)en der Künstlerförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin

Fünf Künstler/-innen machen sich auf die Reise, schaffen im Spiel aus Nähe und Distanz ambivalente Erfahrungsräume, in denen Vertrautes fremd und Fremdes vertraut wird. Die eigene Verortung bleibt eine sich verflüchtigende, der Aufbruch ist schon avisiert.

Stef Heidhues, Veronika Kellndorfer, Cyrill Lachauer, Alexej Meschtschanow und Hans-Christian Schink finden in unterschiedlicher formaler Auflösung, in Fotografie, Text, Skulptur und Installation zu Raumerfahrungen, in denen kurzfristig auftaucht, was Wahrheit meinen könnte. Trotz internationaler Biografien, gelebter Globalisierung und digitaler Vernetzung scheint die physische Reisebewegung in fast archaischer Weise dem Impetus der kreativen Annäherung zu entsprechen. Die griechisch-antike Idee, dass Staunen und Forschen eins sind, behauptet sich dabei offenbar als Voraussetzung einer vorurteilsfreien Begegnung mit dem Fremden.

In der Ausstellung hinterlassen die beteiligten Künstler/-innen Spuren ihrer Begegnungen und legen sie als Fährten aus. Die Besucher folgen ihnen und erleben statt stringenter Geschichten vielmehr Verschichtungen disparater Erfahrungen, die sich trotz erkennbarer räumlicher und historischer Verweise einer dokumentarischen Kartografie entziehen. Die Spurensuche nähert sich dort dem Eigentlichen, wo sich Zwischen- und Leerräume auftun, wo sich Bilder in Transparenz auflösen, wo man durch Wiederbegegnung auf sich selbst zurückgeworfen wird und wo ethnologische Verweise relativiert werden. Die Ambivalenz wird zum Kriterium der künstlerischen Arbeit und zur Voraussetzung von Erkenntnisgewinn.

Alle Künstler/-innen sind Träger des Stipendiums aus dem Trustee Programm EHF 2010 (Künstlerförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung).


Informationen zur Konrad-Adenauer-Stiftung
Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat die Förderung von Kunst und Kultur als Satzungsaufgabe verankert und ihr damit einen besonderen Stellenwert verliehen. Mit der Förderung junger Kreativer durch das Trustee Programm EHF 2010 – insbesondere aus dem Bereich der bildenden Kunst – entspricht sie der Überzeugung, dass Künstler und Künstlerinnen gesellschaftspolitisch relevante Themen reflektieren, die sich zunächst nur subkutan bemerkbar machen und erst verzögert für uns alle spürbar werden. Diese Seismographenfunktion macht Künstler und Künstlerinnen zu wichtigen Gesprächspartnern der Politik. Sie provozieren, inspirieren, werfen phantasievolle Blicke auf unsere Welt und entwickeln dabei neue Denkmuster und Lösungsstrategien. Befreit von der Zweckbestimmung, der Suche nach dem Kompromiss und in absoluter Freiheit vermag die Kunst zum wichtigen Impulsgeber für innovative Prozesse zu werden.

Mehr denn je ist die Annäherung an das vermeintlich Fremde zur drängenden Frage unserer Zeit geworden. Die hier ausgesuchten Kreativen konnten durch die Künstlerförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung diese Annäherung vollziehen und in ihrem Werk transformieren.
(Text: Hans-Jörg Clement, Kurator der Ausstellung )