Eine Bildhauerschule in der Schule für Bildhauer
Sonderausstellung in der Glyptothek München in Zusammenarbeit mit der Städtischen Berufsfach- und Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk München 

Die Glyptothek wurde im Auftrag von König Ludwig I. als ein Aufbewahrungs- und Ausstellungsort für Skulpturen und Bildwerke alter und neuer Zeit errichtet. Diesem öffentlichen Bildungsauftrag ihres Stifters ist sie seit ihrer Eröffnung 1830 verpflichtet geblieben. Das Museum, das im Giebel die Göttin Athena – Schutzherrin der Bildhauer – zeigt, und dessen Außenfassaden die Porträtstatuen berühmter Bildhauer zieren, ist Zeit seines Bestehens ein Ort der Inspiration, des Studiums und des Austausches gerade für junge, plastisch arbeitende Künstler und Künstlerinnen. In der Sonderausstellung „Unter dem Dach der Athena. Eine Bildhauerschule in der Schule für Bildhauer“ werden plastische und grafische Porträtdarstellungen von Schülerinnen und Schülern der Städtischen Berufsfach- und Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk München gezeigt.

Die Skulpturen im Giebel der Glyptothek führen den formulierten Bildungsanspruch des Hauses aus: Im Zentrum hält Athena Ergane als Kulturbringerin und Förderin des Handwerks ihre schützende Hand über den Tonbildner, den Toreuten, den „Ornamentisten“ und den Fassmaler zu ihrer Rechten sowie über den Erzgießer, den Steinbildhauer, den Holzbildhauer und den Töpfer zur linken Seite der Göttin. Das Bildprogramm des Giebels macht anschaulich, dass es dem bayerischen Kronprinzen und späteren König Ludwig I. um mehr als nur um ein Ausstellungsgebäude für die von ihm zusammengetragene Skulpturensammlung ging. Sein Museum sollte nicht allein der Kunst der Vergangenheit dienen, sondern auch die heimischen Künste beleben und fördern. Ludwigs Intention war es, dass Künstler und Handwerker den als vorbildhaft erachteten antiken Werken nacheiferten.

Die in der Glyptothek präsentierten, weltweit berühmten griechischen und römischen Marmorskulpturen verkörpern die Anfänge der klassischen europäischen Bildhauerkunst. Diese hat ihre Anziehungskraft im Laufe der Jahrhunderte nie verloren. Die ästhetische und kunsthandwerkliche Qualität sowie die sinnliche Tiefe der antiken Bildwerke ist stets ein Kompass für Kunstliebhaber und Künstler geblieben. So auch für die Schülerinnen und Schüler der Städtischen Berufsfach- und Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk, für die das Museum am Königsplatz eine hohe Schule darstellt.

Gezeigt werden nun „unter dem Dach der Athena“ 24 skulpturale Porträtdarstellungen in den Materialien Gips, Ton, Beton, Holz und Stein sowie 19 grafische Studienarbeiten. Die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler bestand darin, sich gegenseitig zu porträtieren. Die Werke entstanden als Abschlussarbeiten in den Jahren 2015 bis 2018 und bilden dadurch einen starken Kontrast zu den Antiken in der Glyptothek.

Die Ausstellung ist ein Beleg für die gute nachbarschaftliche Verbundenheit der Kunsthandwerklichen Schulen an der Luisenstraße und der Glyptothek im Kunstareal. Sie ist die zweite große Kooperation seit dem Jahr 2006. Damals hatten Schülerinnen und Schüler der Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk ein sieben Meter hohes Trojanisches Pferd aus Holz angefertigt, das im Rahmen der einstigen Sonderausstellung „Mythos Troja“ mehrere Wochen lang vor den Antikensammlungen auf dem Königsplatz gezeigt wurde.