Sportliche Großveranstaltungen wie Fußballweltmeisterschaften oder Olympische Spiele, die in regelmäßigen Abständen – so auch diesen Sommer – die Menschen auf der ganzen Welt fesseln, geben uns immer wieder Anlass, die kulturgeschichtlichen Wurzeln des Sports in den Blick zu nehmen. Dessen Wiege steht zweifellos im antiken Griechenland, wo zum einen die sportliche Betätigung als zentrales Element menschlicher Bildung angesehen wurde, zum anderen aber alle Bereiche des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens vom Wettkampfgedanken geprägt waren. So eiferten nicht nur Sprinter, Boxer oder Ringer um den athlos, den Siegespreis, sondern auch Tragödien- und Komödiendichter, die sich in musischen Wettbewerben miteinander maßen. Insofern waren also auch sie Athleten im eigentlichen Wortsinn.

Diese Wettkampfmentalität der Griechen scheint schon im 8. Jahrhundert v. Chr. bei Homer, dem ersten und größten griechischen Dichter, leuchtend auf, wenn er seinen Helden Achill danach streben lässt, "immer der Beste zu sein und vor den anderen hervorzuragen." Es ist wohl kein Zufall, dass nur wenige Jahrzehnte, bevor Homer dies schrieb, im Hain von Olympia der erste olympische Sieger im Stadionlauf mit dem Ölzweig ausgezeichnet wurde: Koroibos, ein Koch aus Elis – im Jahr 776 v. Chr. der schnellste Mann der Welt.

Homer verdanken wir auch die früheste Schilderung eines sportlichen Wettkampfes: Im 23. Buch seiner Ilias treten bei den Leichenspielen für den gefallenen Patroklos die stärksten Helden Griechenlands gegeneinander im Wagenrennen, Boxen, Laufen, Diskuswurf, Bogenschießen und Speerwerfen an. An anderer Stelle betont der Dichter außerdem, es sei "größer kein Ruhm" für den Menschen als der, der "mit Händen und Füßen" beim Sport errungen werde. 

Es kann angesichts solcher Äußerungen kaum verwundern, dass die bildende Kunst der Griechen äußerst reich an Sportdarstellungen ist. Vor allem im kleinen Format finden sie sich in Fülle. Auch die Staatlichen Antikensammlungen besitzen eine breite Palette an berühmten Vasenbildern und Bronzestatuetten zu diesem Thema. In der Ausstellung "Größer kein Ruhm – Kleine Bilder vom Sport" wird der Münchner Bestand durch Leihgaben antiker Gemmen und Münzen aus Museums- und Privatbesitz ergänzt.

Besonderes Augenmerk legt die Ausstellung auf die Rezeption antiker Sportbilder in der heutigen Zeit. Wohl kein Medium bietet hier so üppiges Anschauungsmaterial wie die Philatelie: Auf Briefmarken erscheinen nicht nur zahlreiche griechische Sportlerdarstellungen im Bild. Hier werden die antiken Motive vielmehr oft auch direkt den modernen sportlichen Disziplinen gegenübergestellt und so eine enge Verbindungslinie zwischen den Wettkämpfen des Altertums und der Neuzeit geschaffen. Dass es dabei zu Fehlschlüssen und Kuriositäten kommt, kann nicht verwundern – etwa, wenn antike Ballspieler für den modernen Fußball Pate stehen oder wenn die Statue des Laokoon in einen Speerwerfer umgedeutet wird.