Das Weltkulturen Museum präsentiert zeitgenössische politisch- poetische Interventionen und Werke der Künstler Ayrson Heráclito (Teilnehmer der 57. Biennale von Venedig 2017 und der Ausstellung „(Comunal Land) Marina Abramovi? + MAI“ 2015 in São Paulo) und Rigo 23 (Teilnehmer der Folkestone Triennal in England und der Ausstellung „Mundos Alternos: Art and Science Fiction in the Americas“ im UC Riverside, Kalifornien, USA, 2017).

Die Ausstellung bildet einen Höhepunkt in der langjährigen Beschäftigung des Museums mit afrobrasilianischen und indigenen Aspekten in Kunst und Kultur Brasiliens und setzt neue Impulse hinsichtlich der aktuellen Wahrnehmung transatlantischer Kunstprozesse zwischen Afrika, Europa und Amerika. Hierzu gehört besonders die Begegnung der Künstler mit Sammlungsobjekten aus Südamerika und Afrika. Ihre Objektauswahl spiegelt eigene Sichtweisen und Schwerpunkte wider und ist in der Ausstellung zu sehen. In raumgreifenden Installationen, Videoarbeiten, Fotografien, Skulpturen und Performances thematisieren beide Künstler die einst von Europa ausgehende Kraft historischer Ereignisse aus Zeiten von Sklaverei und Kolonialherrschaft. Diese Ereignisse haben nach wie vor Auswirkungen auf das Leben der Nachfahren afroamerikanischer Sklaven in der Diaspora sowie indigener Guaraní in den Ballungsräumen Südamerikas. Das transatlantische, transtemporale „Dazwischensein“ zwingt sie zu einem Leben im Transit.

Rigo 23 realisiert mit partizipativen Methoden Kunstprojekte mit Guaraní in Brasilien, die ihre Kreativität und Spiritualität widerspiegeln und von politischer Kraft zeugen. Es wird deutlich, dass sogenannte Marginalisierte immer auch eine aktive Rolle inne hatten und haben.

Ayrson Heráclito verbindet seine Kunst mit der Ästhetik urbaner afrobrasilianischer Kultur und Religion als eine Ausdrucksform von Widerstand, Selbstbehauptung und Bewahrung der Kultur der Sklaven. Beide Künstler machen deutlich, dass Kultur und Kunst das Überleben im Transit ermöglichen. Mit jeweils eigenen Schwerpunkten thematisieren Ayrson Heráclito und Rigo 23 die Frage nach der Marginalisierung anderer in Zeit und Raum. Ihre Arbeiten widmen sie historischen Orten, die Zeugnis ablegen von hegemonialen Erinnerungen und mangelnder Augenhöhe. 

Ayrson Heráclito:
Der brasilianische Künstler, Wissenschaftler und Kurator Ayrson Heráclito (geb. 1968 in Macaúbas, Bahia, Brasilien) ist Professor für Visuelle Kunst an der Universidade do Recôncavo da Bahia in Cachoeira, Brasilien. 2016 promovierte er an der Pontifícia Universidade Católica de São Paulo (PUC) in Kommunikation und Semiotik.

Seine Arbeiten umfassen Installationen, Performances, Fotografien und Videoarbeiten. Schwerpunkte seiner Kunst sind die afro- brasilianische Kultur, ihre Verbindung mit Afrika, Sklaverei und die Diaspora in Amerika. Seine künstlerische Arbeit ist als postkoloniale Kritik an Sklaverei und Rassismus zu verstehen. Ayrsons Werke basieren auf eigenen Forschungen, u.a. zu natürlichen Materialien und Substanzen, wie Dendê-Öl, Zucker, Fleisch, Sperma, Blut und Fisch, die er als ‚kulturellen Körper‘ der Afro-Brasilianer bezeichnet. Im Zentrum seiner performativen Kunst steht oft der menschliche Körper.

An der 57. Biennale von Venedig 2017 nahm er auf Einladung der leitenden Kuratorin Christine Macel mit einer Video- und Fotoinstallation teil. Ab September 2017 werden seine Werke in der Ausstellung „Axé Bahia: The Power of Art in an Afro-Brazilian Metropolis“ des Fowler Museum in Los Angeles vertreten sein.

Auf Einladung durch Marina Abramovic erfolgte im März 2015 die große Performance „A Transmutação da Carne“ in São Paulo. Im selben Jahr verbrachte er eine dreimonatige Residenz im Senegal. Dafür erhielt er den Residenzspreis vom Sesc_Videobrasil (Raw Material Company Senegal). Er beteiligte sich an Ausstellungen in Brasilien, Wien und Lissabon, wo er für den Preis Prêmio Novo Banco Photo 2015 des Museu Coleção Berardo in Lissabon nominiert war. Außerdem erhielt er eine Ehrung auf der 10. Biennale der afrikanischen Fotografie in Bamako (Mali) und besuchte 2015 erstmals das Weltkulturen Museum in Frankfurt. 2014 war er Hauptkurator der 3. Biennale von Bahia.

Er nahm an Gemeinschaftsausstellungen wie „Afro-Brazilian Contemporary Art“, „Europalia.Brasil“ (Brüssel, 2012); der Luanda Trienniale (Angola, 2010) und „MIP 2 - Movimentação Internacional de Performances“ (Belo Horizonte, Brasilien 2009) teil.
Einige seiner Werke befinden sich in Museumssammlungen, u.a. im Weltkulturen Museum in Frankfurt, im Museu de Arte do Rio – MAR (Rio de Janeiro), Museu de Arte Moderna da Bahia (Salvador da Bahia) und Videobrasil (São Paulo). 

Rigo 23:
Rigo 23 (geboren 1966 in Madeira, Portugal) lebt und arbeitet in Los Angeles. Er studierte Kunst am San Francisco Art Institute und an der Stanford University (Kalifornien). Rigo 23 lehrte Kunst am San Francisco Art Institute und war Mitglied der ersten Generation der Kunstbewegung „San Francisco Mission School“ der frühen 1990er- Jahre.

Sein umfangreiches Werk umfasst Wandbilder, Malerei und große Installationen. Rigo 23 versteht sich als politischer Künstler und entwickelt seine Projekte in enger Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Gruppen, u.a. den Black Panther, Vertretern des American Indian Movement, der Zapatista-Bewegung in Mexiko oder Guaraní-Gruppen in Brasilien. Dabei entstehen phantastisch anmutende Installationen, wie die Guarani-Version eines nuklearen Unterseeboots „Teko Mbarate — Kampf um Leben“ und die Zapatista- Installation „Autonomes InterGalaktisches Raumprogramm“. Diese beziehen Lebensrealitäten, Vorstellungswelten und politische Forderungen indigener Völker ein, reflektieren interkulturelle Beziehungen in der globalisierten Welt und transformieren Materialien und Objekte, aber auch Haltungen und Praktiken in Kunst. Rigos Kritik an der ausbeutenden und häufig gewaltsamen Haltung der ‚ersten Welt‘ gegenüber anderen, insbesondere kleinen Gemeinschaften, folgt häufig einem poetischen Weg, wie ihn die Gemeinschaften selbst schon seit langem beschreiten.

Im September 2017 nimmt Rigo 23 an der Folkestone Triennal in Folkestone (England) und der Gruppenausstellung „Mundos Alternos: Art and Science Fiction in the Americas“ im UC Riverside (Kalifornien, USA, 2017) teil.

Einzelausstellungen waren u.a. „Itacoatiara – Cicatriz de Tordesilhas“ in der Galeria Millennium (Lissabon, Portugal, 2017), „Leonard Peltier – Waiting“ im Katzen Arts Center (Washington D.C., USA, 2016), „From the Heart of Santa Madera“ im Fowler Museum, UCLA (Los Angeles, USA, 2014), „Autonomous InterGalactic Space Program“ in der REDCAT Gallery (Los Angeles, USA, 2012), „Fátima na Ribeira Seca“ (Ribeira Seca, Madeira, Portugal, 2010). Seine Werke waren Teil von Gemeinschaftsausstellungen wie, „Museu Colecção Berardo 1960-2010“ im Museu Berardo (Lissabon, Portugal, 2011), „Human/Nature: Artists respond to a Changing Planet“ im Museum Contemporary Art San Diego (San Diego, USA, 2008).

Einige seiner Werke befinden sich u.a. in den Sammlungen des Museu Coleção Berardo und der Galeria Tapeçarias de Portalegre (Lissabon, Portugal), Museum Serralves (Porto, Portugal), Berkeley Art Museum (Berkeley, USA), Los Angeles County Museum of Art (Los Angeles, USA), Museum of Modern Art (San Francisco, USA). 


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch: 11:00 - 20:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: weltkulturenmuseum.de

Ausstellungsansicht „Entre Terra e Mar. Zwischen Erde und Meer. Transatlantische Kunst”, Weltkulturen Museum 2017, Foto: Wolfgang Günzel
12.10.2017 - 26.08.2018

Entre Terra e Mar — Zwischen Erde und Meer. Transatlantische Kunst

Weltkulturen Museum

Schaumainkai 29 - 37
60594 Frankfurt am Main