„Cuba libre“ und Karibik, Kunst und Klischees – von den ewigen Revolutionshelden bis zu farbenfrohen Straßenbildern: Von kaum einem Land auf der Welt existieren im kollektiven Bildgedächtnis so intensive Bilder, die von Lebensfreude, Freiheit aber auch von gesellschaftlichen Herausforderungen und Krisen geprägt sind.   

Die aktuelle Ausstellung im Ludwig Forum für Internationale Kunst - die Dank der großzügigen Förderungen durch die Peter und Irene Ludwig Stiftung und die Kulturstiftung des Bundes ermöglicht wird - untersucht die faszinierenden Bildwelten, die die zeitgenössischen Künstler in ihren Arbeiten präsentieren und hinterfragt dabei ihre Korrelation zu ihren realen Lebens- und Arbeitsbedingungen im Kuba der letzten Dekaden. Die Komplexität und Kontinuität der Auseinandersetzung mit der kubanischen Kunstproduktion innerhalb der Sammlung von Peter und Irene Ludwig ermöglicht dabei einen einmaligen tiefergehenden und vor allem auch zeitlich vergleichenden Blick über mehr als 30 Jahre hinweg: Denn die Sammlung Ludwig beinhaltet eines der größten und auch ersten Konvolute zeitgenössischer kubanischer Kunst in Europa. Dieser faszinierende Sammlungsteil bietet einen Einblick in die bildende Kunst des Karibikstaates, vorwiegend entstanden in den 1980er- und 1990er-Jahren, also einer Zeit der Krise und des Versuchs ihrer Überwindung. Im Rahmen der Ausstellung Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989 – die bis dato größte Präsentation mit zeitgenössischer kubanischer Kunst in Deutschland – kommt es zu einer Begegnung, die die Aachener Sammlungsbestände heutigen Werken aus Kuba gegenüberstellt. Dieser vielschichtige Dialog eröffnet eine Diskussion hinsichtlich der ästhetischen, inhaltlichen und formalen Entwicklung der kubanischen Kunst. Die Ausstellung mit einem Spektrum aus rund 150 Kunstwerken von über 70 KünstlerInnen wirft dabei Fragen nach dem Verhältnis von Kultur und Politik, Kunst und Markt, Globalisierung und Macht auf.

Das Ausstellungsprojekt ist vielfältig und diskursiv aufgestellt: Eine begleitende wissenschaftliche Publikation sowie ein umfangreiches Begleitprogramm mit Filmen, Vorträgen, Performances und einem zweitägigen Festival runden das Projekt ab.

„Historische“ Werke stellen sich einer Revision
Die Basis des kubanischen Teils der Sammlung von Peter und Irene Ludwig bilden Werke, die 1990 in der Kunsthalle Düsseldorf in der Ausstellung Kuba o.k. – Aktuelle Kunst aus Kuba zu sehen waren. Ein Großteil der dort präsentierten Arbeiten (u.a. von Maria Magdalena Campos Pons, José Bedia, Marta María Pérez Bravo und Lázaro Saavedra) wurden damals von dem Aachener Sammlerpaar angekauft und befinden sich nach wie vor im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen. Im Rahmen der Ausstellung Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989 werden die sammlungseigenen Werke der „historischen“ Schau Kuba o.k. erstmals wieder weitgehend zusammengestellt und einer Revision unterzogen: Wie hat sich die Rezeption der Bilder, Skulpturen und Installationen in den gut 25 Jahren seit ihrem Ankauf verändert, welche Themen haben immer noch Relevanz, wie haben sich die künstlerischen Strategien, Medien und formale Praxen entwickelt? Inwieweit und in welcher Form hat die kubanische Kunst Anteil an den Entwicklungen westlicher Kunst im 20. Jahrhundert genommen und wo hat sie eigene Wege beschritten? Wie lässt sich unsere westlich geprägte Vorstellung von ästhetischen und formalen Kriterien auf diese anwenden? Und wie unterscheidet sich die Kunst der nicht mehr auf Kuba lebenden KünstlerInnen von der Kunst derer, die noch auf der Insel leben und arbeiten?

Repräsentative Auswahl heutiger KünstlerInnen
Die Zusammenführung der Kunstwerke aus Kuba o.k. wird um zwei Kontexte erweitert: Zum einen werden die Werke der historischen Ausstellung durch weitere kubanische Arbeiten der Sammlung Ludwig ergänzt, die in späteren Jahren erworben wurden. Diese Gegenüberstellung bietet nicht nur einen „Zwischenstand“ hinsichtlich der künstlerischen Entwicklung Kubas, sondern beleuchtet darüber hinaus auch die Metaebene der Ankaufsstrategien des Sammlerpaars Ludwig. Ein weiterer, deutlich größerer Kontext besteht in der Ergänzung von heutigen kubanischen Werken (u.a. von KünstlerInnen wie Yoan Capote, Ariamna Contino, Susana Pilar Delahante, Felipe Dulzaides, Adrián Fernández Milanés). Die Gegenüberstellung und Auswahl der neu hinzukommenden Werke wird durch den Ko-Kurator der Ausstellung, den kubanischen Künstler und Kunsthistoriker Antonio Eligio (Tonel) mitgestaltet, der einer der profiliertesten Kenner der kubanischen Kunst ist und die Entwicklung der dortigen Kunstszene über viele Jahre intensiv erlebt hat. Er hat bereits die Düsseldorfer Ausstellung als Ko-Kurator mitverantwortet.

Die Zusammenführung dieser drei Ausstellungsteile zu Kunst x Kuba. bietet folglich einen vertiefenden Einblick in die Entwicklung der bildenden Kunst auf Kuba und ihrer Rezeptionsgeschichte innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte – einer Zeit, die einerseits geprägt war von einschneidenden wirtschaftlichen Veränderungen und den damit verbundenen sozialen Herausforderungen, und die andererseits die permanente Überwindung dieser Krise eingeübt hat.

Dialog auf Augenhöhe
Das „x“, das in der Mathematik gebräuchliche Symbol für eine unabhängige Variable, steht im Titel der Ausstellung Kunst x Kuba als Zeichen für die wechselseitige, dialogische Ausrichtung der Schau, denn es wird nicht „nur“ Kunst aus Kuba ausgestellt, sondern durch die telnehmenden KünstlerInnen auch ein weiterer künstlerischer bzw. kulturpolitischer Dialog mit und in Kuba initiiert. Besonders vor dem Hintergrund der Initiativen von Peter und Irene Ludwig – den vielfachen Ankäufen und vor allem der langjährigen Unterstützung der kubanischen Kunstszene durch die Ludwig Stiftung in Aachen und die Fundación Ludwig de Cuba – und dem mitgetragenen kulturellen Dialog zwischen Kuba und Deutschland gibt die Ausstellung Kunst x Kuba nicht nur einen Überblick auf rund dreißig Jahre kubanische Kunstgeschichte, sondern ist auch hervorragend dazu geeignet, gerade zum jetzigen Zeitpunkt einen weiteren, vertiefenden kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Kuba zu starten.

Soziologen, Historiker und Fidel Castro über Kunst
Um über die Dauer der Ausstellung hinaus eine breite Wirkung der behandelten Themen zu erzielen, ist eine Publikation in Vorbereitung (hg. v. Andreas Beitin und Tonel, erscheint im Wienand Verlag, Köln), in der Texte namhafter Autoren aus dem Kunst- und Kulturbereich sowie der Soziologie und Geschichte enthalten sein werden (u.a. Luis Camnitzer, Aviva Chomsky, Sujatha Fernandes, Par Kumaraswami, Jacqueline Loss, Rachel Price, Elsa Vega). Zudem werden historische Primärquellen (bspw. Kunst betreffende Reden von Fidel Castro oder Armando Hart), die als offizielle Leitlinien zu Kunst und Kultur gelten, kommentiert abgedruckt sowie auf ihre Umsetzung und Auswirkungen hin überprüft. Die möglichst weitreichende Distribution der Inhalte wird zum einen durch die Dreisprachigkeit der im Winter 2017 erscheinenden Publikation gewährleistet (dt., engl., span.), zum anderen durch die Verfügbarkeit als digitalen Download .


Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag - Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 20:00 Uhr
an Feiertagen: 10:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: ludwigforum.de

03 Adrián Fernández Milanés, Cosmonaut (In Search of Orientation), (2015), Inkjet-Druck auf Alu Dibond, 150 x 300 cm, © the artist, Courtesy Galerie Fabian & Claude Walter
08.09.2017 - 18.02.2018

Kunst x Kuba — Zeitgenössische Positionen seit 1989

Ludwig Forum für Internationale Kunst

Jülicher Str. 97-109
52070 Aachen