Kaum eine andere Drucktechnik hat die graphische Kunst so intensiv und nachhaltig beeinflusst wie die Erfindung des Farbholzschnittes durch den italienischen Künstler Ugo da Carpi zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Nach dem einfachen schwarz-weiß Holzschnittdruck bot die sogenannte Chiaroscuro-Technik völlig neue, expressive Ausdrucksformen. Endlich war es den Künstlern möglich, unter Verwendung von unterschiedlich geschnittenen Holzstöcken eine Hell-Dunkel-Modulation mit sensibler Farbgestaltung zu erzeugen. Das differenzierte Spiel mit Licht und Schatten, der Kontrast von präziser Linie und farbiger Fläche sowie die Verbindung von sinnlichen und geistigen Impulsen begründeten den besonderen Reiz des Farbholzschnittes.

Die neue Technik verbreitete sich in der Renaissance rasend schnell und erreichte seinen ästhetischen Höhepunkt vor allem im Kreis der römischen Raffael-Schule, in Bologna und Venedig. Die Graphische Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums besitzt eine große Anzahl von Farbholzschnitten und zeigt diese erstmals als ein Ensemble. Die Sonderausstellung Eine graphische Revolution - Der italienische Farbholzschnitt des 16. Jahrhunderts vereint mehr als 30 Blätter von bekannten Holzschneidern wie Ugo da Carpi, Antonio da Trento und Andrea Andriani.

Der Farbholzschnitt zeichnet sich dadurch aus, dass der Druck von mehreren Holzstöcken erfolgt. Getrennt voneinander werden auf einem Holzstock die Umrisslinien festgehalten, auf anderen Stöcken hingegen die flächig markierten Tonwerte. Ergänzt werden die Strich- und Tonplatten noch durch jene Platten, auf denen die im Abzug weiß erscheinenden Flächen ebenfalls flächig aufgetragen werden. Durch das Nach- und Aufeinanderdrucken entsteht ein farblich hochkomplexes Gesamtgefüge mit eigenen Weißhöhungen, das sich vor allem für die graphische Reproduktion von lavierten Federzeichnungen eignete.