Zwei Künstler begeben sich in zwei unterschiedlichen Jahrhunderten auf eine Reise zu einem der noch heute beliebtesten Ferienziele: Italien. Adolf Höninghaus durchquert in den Jahren 1844 bis 1848 auf der Grand Tour Italien bis hin zu seiner südlichsten Grenze Sizilien. Sein künstlerisches Werk ist eine Neuentdeckung für die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Der Konzeptkünstler Victor Burgin sucht Anfang des 21. Jahrhunderts gezielt die untergegangene antike Stadt Pompeij nahe Neapel auf. Beide beziehen sich mit ihren Arbeiten auf bereits bestehende Bilder, Filme und Informationen. Ihr reproduzierender Blick lässt ein neues, jeweils eigenes Italienbild entstehen. Im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld sind vom 20. Oktober 2017 bis zum 8. April 2018 die Video­ installation VOYAGE TO ITALY von Victor Burgin und die Ausstellung DER UNERSÄTTLICHE BLICK mit rund 160 Zeichnungen, 110 Ölskizzen sowie einigen Gemälden von Adolf Höninghaus in ein Zwiegespräch verwickelt.

Der Maler ADOLF HÖNINGHAUS (1810 – 1882) ist ein klassischer Vertreter der Düsseldorfer Malerschule, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem durch ein neues Verständnis von Natur und Landschaft hervortritt. Das Studieren direkt in und vor der Natur löst das als stupide empfundene Kopieren nach Vorlagen ab. Jede P anze, jeder Baum wie auch landschaftliche und architektonische Ausschnitte hält Höninghaus mit einem nahezu wissenschaftlichen Interesse fest. Die Studien ießen erst im Atelier in ein komponiertes, ideales Landschaftsgemälde ein. Für Adolf Höninghaus, der 1829/30 bis 1834/35 bei Johann Wilhelm Schirmer studiert, ist die Erkundung der Natur scheinbar wichtiger als eine Reputation, wie sie durch Verkäufe von Gemälden erzielt werden kann. Reisen, Wandern und ein tatsächlich unersättlicher Blick prägen sein gesamtes Schaffen. Er ist mehr unterwegs und auf Reisen als im Atelier. Hunderte von Zeichnungen und Ölskizzen entstehen in der Umgebung von Düsseldorf (Neandertal, Harz, Eifel) und auf seiner Grand Tour durch Italien, die ihn über Rom und Neapel bis nach Sizilien führt. Die Blätter bezaubern durch ihren unvollendeten, fragmentarischen Charakter wie auch durch das malerische Kolorit – Strategien, mit denen aus heutiger Sicht die Skizzen zu Bildern werden.

Seit 1897 befindet sich der umfangreiche Nachlass von Adolf Höninghaus (rund 1500 Zeichnungen, 450 Öl­skizzen, 4 Gemälde) in der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld. Mit der Ausstellung DER UNERSÄTTLICHE BLICK werden nun der Künstler, sein Werk und Leben neu entdeckt und damit die Geschichte der Land­schaftsmalerei des 19. Jahrhunderts um ein faszinierendes Kapitel fortgeschrieben. Einige Leihgaben vom Städel Museum in Frankfurt, dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf, der Kunsthalle Mannheim sowie aus Krefelder Privatbesitz ergänzen die Präsentation. Zudem schaffen Gemälde von Johann Wilhelm Schirmer, Carl Ferdinand Sohn, Andreas Achenbach, Theodor Hildebrandt u.a. aus der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld einen Kontext, der den Kunsttransfer zwischen Düsseldorf und Krefeld um die Mitte des 19. Jahrhunderts aufscheinen lässt. 


Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr 
Sonderöffnungszeiten an Feiertagen 

Weitere Informationen direkt unter: kunstmuseenkrefeld.de