Fotografien von Mila Teshaieva. Einblicke in friesische Lebenswelte

InselWesen. Fotografien von Mila Teshaieva
Bis heute fühlen sich Fotografinnen und Fotografen von der einzigartigen Landschaft der Insel Föhr und deren Bewohnern angezogen. Eine dieser Künstlerinnen ist Mila Teshaieva, die als artist in residence über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren auf der Insel lebte und deren Bewohner fotografisch porträtierte. Für ihre Aufnahmen verwendete sie die alte Technik der „Lichtmalerei“, für die man komplette Dunkelheit und als einzige Lichtquelle eine Taschenlampe benötigt. Mittels dieser aufwändigen und langwierigen Methode schuf die Künstlerin faszinierende Porträts, die an Gemälde niederländischer Barockmaler denken lassen.

Das „Inselwesen“, das die Fotografin dabei entdeckte, lässt die Betrachter in eine scheinbar unwirkliche, mystische Atmosphäre eintauchen. Die porträtierten Menschen sind in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld, beinahe ethnografisch dokumentiert. Um diese Lebenswelten der Inselbewohner detaillierter herauszustellen, wurden einige von ihnen von Mitarbeiterinnen des MEK befragt, interviewt und gefilmt.

Mila Teshaieva, geboren 1974 in der Ukraine, lebt in Berlin. Sie ist Mitglied der Berliner Fotografenagentur OSTKREUZ. In Ihren Arbeiten spürt Mila Teshaieva dem Wandel von Identität und Erinnerung der Menschen in besonderen Regionen nach. Seit 2004 arbeitet sie an Langzeitprojekten auf den Gebieten der ehemaligen UdSSR, wie beispielweise im Kaukasus und der Region um das Kaspische Meer. Aus dieser Arbeit ist unter anderem ihre erste Monographie „Promising Waters“ (Kehrer, 2013) hervorgegangen als auch das Buch „Faces and Stories of Entrepreneurs“ (SDC, 2015) und „InselWesen“ (Kehrer, 2016). Mila Teshaieva hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den 1. Preis in der Rubrik NPPA Best of Photojournalism 2010, den Critical Mass Book Award 2013 sowie den PDN Photo Annual 2013. Ihre Fotografien sind in diversen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten und wurden zuletzt als Einzelausstellungen im Haggerty Museum of Art (Milwaukee/ Wisconsin, 2015), auf der Photoquai Biennial (Paris, 2015), im Alma Löv Museum (Sweden, 2016) sowie im Museum Kunst der Westküste (Föhr, 2014 und 2016) ausgestellt.

InselAlltag. Einblicke in friesische Lebenswelten
Die Bewohner der 83 km2 großen Insel Föhr leben seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts vom Tourismus, der bis heute eine wichtige Rolle spielt. Doch auch die Landwirtschaft stellt einen zentralen Erwerbszweig dar. Besonders der Norden der Insel bietet mit seinen Marschen einen fruchtbaren Boden für Ackerland und Weideflächen. Die Fleisch- und Milchproduktion, etwa Käsereien, sind Haupterwerbsquellen. Auch die Pferdehaltung erfreut sich zunehmender Bedeutung. Seit einigen Jahren wird auf der Insel sogar Wein angebaut. Die Geschichte von Föhr ist vom Fischfang geprägt. Besonders der Walfang bedeutete harte und entbehrungsreiche Arbeit, aber oft auch Wohlstand. Krabbenfischer, Fischgarten- Betreiber und Vogelkojen-Pächter waren verbreitete Berufe, die jedoch immer seltener werden. Die drei Vogelkojen auf Föhr, die es derzeit noch gibt, gehören zu den letzten in Nordfriesland.

Ein Markenzeichen der Insel stellt die Föhrer Frauentracht dar. In der Traditionspflege spielt sie eine herausragende Rolle. Tanz- und Trachtengruppen bewahren das Erbe. Das Tragen von Trachten gehört zur Kultur der Insulaner. Von besonderer Bedeutung in ästhetischer, materieller und ideeller Hinsicht ist der Silberschmuck, der zur Sonntags- und Festtracht gehört. Er wird, wie die Tracht selbst, von Generation zu Generation weitervererbt. Für viele Frauen stellt der ererbte Schmuck bis heute eine große Kostbarkeit dar. Alltagsobjekte und historische Fotografien aus der Sammlung des MEK sowie Leihgaben aus dem Museum Kunst der Westküste, dem Friesen-Museum und von zahlreichen Föhrerinnen und Föhrern dokumentieren ausschnitthaft den Insel-Alltag. 


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 10:00 - 17:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum.html

Mila Teshaieva: Frisian Grace, 2014, © Mila Teshaieva
25.08.2017 - 02.04.2018

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Museum Europäischer Kulturen

Arnimallee 25
14195 Berlin