The Procedure 

Vom 15. September 2017 bis zum 18. März 2018 zeigt das Haus der Kunst die vierte Ausgabe seiner Kapsel-Ausstellungen. Diese Reihe eröffnet Einblicke in gegenwärtige künstlerische Produktionen und Methoden. Sie bietet jungen, international aufstrebenden Künstlern mit einer markanten konzeptuellen Vision die Gelegenheit, eine neue Arbeit zu entwickeln und vorzustellen. In diesem Herbst wurden der aus Kolumbien stammende, in London lebende Künstler Oscar Murillo (*1986) und die derzeit in Amsterdam lebende, russische Künstlerin Polina Kanis (*1985) eingeladen.

Polina Kanis: 
Für ihre Ausstellung im Haus der Kunst hat Polina Kanis erstmals eine Dreikanalinstallation geschaffen. Damit erweitert sie ihre bisherige filmische Praxis.

Die Protagonisten von Polina Kanis' bisherigen Filmwerken bewohnen geschlossene räumliche Systeme. Sie führen automatisierte und ritualisierte Handlungen aus, die von einer unsichtbaren Instanz gelenkt zu sein scheinen. Mit dieser Art Mikrokosmos drückt Polina Kanis ihr Interesse daran aus, wie architektonische Gegebenheiten Machtstrukturen begünstigten, Menschen beeinflussen und sogar pervertieren.

Bereits in ihrem 2016 realisierten Projekt „The Shift“ diente ein Museumsgebäude als Ausgangspunkt für Reflexionen über Gemeinschaft und Isoliertheit. Auch in ihrer eigens für das Haus der Kunst neu geschaffenen Installation „The Procedure“ ist das Gebäude ein Museum, doch diesmal liegt es in Trümmern – es fiel einer nicht genauer benannten Katastrophe zum Opfer. Zwar werden Maßnahmen angestrengt um herauszufinden, was geschehen ist, doch bleiben diese vage und stumm. Alle Befragten antworten mit demselben Satz: „Ich habe nichts gesehen.“

Der Film führt den Betrachter in eine geteilte Welt. Das ehemalige Museum und der umgebende Wald sind zum Sperrgebiet geworden, die Zone und ihre Bewohner von der Außenwelt abgeschnitten. Die Personen dürfen die andere Seite erst nach einem Verhör an der Grenze betreten, und vielleicht auch nur dann, wenn sie Artefakte aus dem Museum - die sie ausgegraben, gesammelt und herausgeschmuggelt haben –, zum Tausch anbieten.

Polina Kanis präsentiert die Filmsequenzen in zwei Projektionen und auf einem Monitor. Die Erzählstränge wandern in den 25 Minuten Spielzeit des Films von Leinwand zu Leinwand. Dabei gibt es sechs Hauptmotive: eine Straße im Wald mit einer Gruppe von frühherbstlich gekleideten Personen; Arbeiterinnen und Arbeiter, die nach der Katastrophe im Inneren des Museums Gegenstände ausgraben und in Plastiktüten verwahren; einen Wald, durch den ein junger Mann wandert; einen Korridor, der als Wartezimmer dient; einen spartanisch eingerichteten Raum mit mehreren Personen; Personen, die in diesem Raum verhört werden.

In Ermangelung von Augenzeugenberichten wird zunächst das Gebäude selbst zum stummen Zeugen der Ereignisse. Während man die Logik dieses Geschehens zu enträtseln beginnt, versteht man, dass die Ereignisse, die diesen Zustand herbeigeführt haben, jedoch zweitrangig sind verglichen mit den Strukturen und Systemen, die in ihrer Folge entstanden sind. Ausgehend vom Gebäude erzählt Polina Kanis mit der für sie typischen Lakonie und Eindringlichkeit eine Geschichte über Ausgrenzung und mehrdeutige Zustände. 


Öffnungszeiten: 
Montag - Sonntag: 10:00 - 20:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 22:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: hausderkunst.de