Eine Zimtschnecke liegt auseinandergepflückt auf Backpapier, dazwischen Teigkrümel, Sesam- und Mohnsamen. Im Teiginneren zwischen Zimt- und Zucker-Schicht ragen Zähne hervor – Zähne eines menschlichen Gebisses. Dann ein durchtrainierter Männerkörper – der sehnig rotblaue Arm des Mannes greift die Füße einer Frau, deren Beine eine hautfarbene Netzstrumpfhose umhüllen. Oder eine Nahaufnahme eines Rückens, ein halb bedecktes Gesäß eines jungen Mädchens. Sie trägt einen bunt gepunkteten Schlafanzug, dessen Hose leicht nach unten gezogen ist. Ihr ausgewaschener Stringtanga wird rechts von einer Damenhand gehalten, links setzen zwei Hände einer älteren Person mit einer Schere zum Zerschneiden des Tangas an...

Jedweder Versuch, diese Bilder des in Los Angeles lebenden norwegischen Fotokünstlers Torbjørn Rødland zu entschlüsseln, stellt den Betrachter vor neue Fragezeichen. Sein Werk vereint häufig disparate Bilderwelten, in denen immer wieder rätselhafte und zum Teil verstörende Details auftreten. Gleichwohl fesseln Rødlands Fotogra en unseren Blick und bestechen durch ihre Intelligenz, ihr besonderes Licht, ihr an kommerzielle Fotografie oder Popkultur erinnerndes, steril modernes Setting, aber auch durch ihre intuitiven, erotischen Anspielungen. Genau in dieser Mischung liegt ihre Kraft – Rødlands Bilder greifen tief in unsere Psyche, beschreiben Ängste, Triebe, Fetische, Fantasien und Sehnsüchte, und erschaffen eine ganz eigene Atmosphäre an der Grenze zwischen Vertrautem und Archetypischem.

Mit seinen künstlerischen Eingriffen und szenischen Arrangements zeigt Rødland, dass Bilder im Allgemeinen und die Fotografie im Speziellen immer auch mediale Repräsentationen von Erinnerungen, Assoziationen, Träumen und Wirklichkeiten sind. Diese Sicht auf die Welt erinnert an das surrealistische Prinzip der Avantgarde, in dem Traum und Imagination als Teil des menschlichen (Er-)Lebens und der Erweiterung unserer Realität aufgefasst werden. Rødland übersetzt dieses Prinzip in eine zeitgenössische Form der Fotografie und spielt dabei kontinuierlich mit wohlbekannten kulturellen Symbolen und Darstellungsformen. Auf spielerische und poetische Weise konfrontiert er dabei den Betrachter stets mit den gegensätzlichen Bedeutungen in seinen Bildern, die er bewusst offenlässt und deren Zusammenhang wir beim Betrachten immer wieder selbst zur Einheit bringen müssen.

C/O Berlin präsentiert die erste Einzelausstellung des Künstlers in Deutschland. Die von Ann- Christin Bertrand kuratierte Ausstellung Torbjørn Rødland . Back in Touch bildet einen Querschnitt durch sein fotografisches und lmisches Werk der letzten zwei Dekaden. 

Torbjørn Rødland wurde 1970 in Stavanger, Norwegen geboren. Seine Fotografien wurden jüngst in der Serpentine Gallery in London präsentiert. Im Rahmen des Programms Outside The Box am Whitney Museum of American Art in New York wurde er 2016 mit einer öffentlichen Kunstinstallation gewürdigt. Seine Werke waren darüber hinaus in diversen Einzelausstellungen zu sehen, unter anderem im Henie Onstad Kunstsenter Oslo (2015), in der Kunsthall Stavanger (2014), im Hiroshima City Museum of Contemporary Art (2010) und im MoMA PS1 in New York (2006). In Gruppenausstellungen war er unter anderem bei der Manifesta 11 in Zürich (2016), im Pariser Centre Pompidou (2000) und bei der 48. Biennale von Venedig (1999) vertreten. Er lebt und arbeitet in Los Angeles und Oslo. 


Öffnungszeiten:
Täglich: 11:00 – 20:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: http://www.co-berlin.org

Torbjørn Rødland, Cinnamon Roll, 2015, © Torbjørn Rødland und Galerie Eva Presenhuber, Zürich
09.12.2017 - 11.03.2018

Torbjørn Rødland: Back in Touch

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Hardenbergstraße 22-24
10623 Berlin