Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt ab 2. Juni über 30 großformatige Einzelplastiken aus dem Werk der Keramikkünstlerin Carolein Smit (*1960). In den Werken der niederländischen Künstlerin finden sich mythische Wesen, Fabelfiguren, Märchengestalten, Skelette und Reliquien, aber auch religiöse Darstellungen, Vanitas-Darstellungen und Themen wie Liebe, Tod, Schmerz, Leiden, Lust, Gewalt und Düsternis. Ihre Arbeiten sind detailreich gestaltet, die Oberflächen üppig ausgestattet, zuweilen wirken sie regelrecht überladen.

Wie in einer Amour fou, einer scheinbar unvernünftigen, aber doch höchst leidenschaftlichen und süchtig machenden Liebe, verbindet Carolein Smit in ihren keramischen Skulpturen Gegensätze. Wo wird Unschuld zu Schuld, Leben zu Tod? Wo ist der Übergang, der Wendepunkt? Das sind Fragen, denen die heute in Belgien lebende Niederländerin nachspürt. Ihre geheimnisvollen Figurationen wirken ebenso kostbar und verführerisch wie gefährlich, zerbrechlich und schmerzhaft. Zugleich scheinen sie von einem hintersinnigen Humor erfüllt. Sie sind heutig, aber ihr Alter Ego wurzelt in der Welt der Wunderkammern, Devotionalienkabinette und in den mythisch-phantastischen Verästelungen der Kunstgeschichte.

Eine Besonderheit der Ausstellung stellt das eigens für Leipzig geschaffene Totentanzrelief, eine großflächige Wandinstallation, dar. Vor einem nachtblauen Hintergrund agieren filigrane weiße Keramikfiguren und bilden den zentralen Blickpunkt im Ausstellungsraum. Die Einzelplastiken sind - thematisch korrespondierend - freistehend im Raum angeordnet. Präsentiert werden vorrangig Arbeiten der 2010er Schaffensperiode.

„Carolein Smit. L’amour fou“ ist Teil einer Ausstellungs-Trilogie mit Werken der Künstlerin in London (GB), Leipzig (D) und Assen (NL). Das Victoria & Albert Museum London zeigt Arbeiten von Carolein Smit vom 20. März bis 30. September 2018, das Leipziger GRASSI Museum für Angewandte Kunst vom 2. Juni bis zum 30. September 2018, das Drents Museum Assen vom 3. November 2018 bis zum 3. März 2019. Begleitend zu allen drei Ausstellungen liegt der dreisprachige Bildband über die Künstlerin „Carolein Smit Works“ vor. (WBooks, 376 Seiten)

Leihgaben der Künstlerin und der Galerie Michael Haas Berlin bereichern den eigenen kleinen Sammlungsbestand, der auf eine Schenkung der Rotterdamer Sammlerin Rosemarie Willems zurückgeht. Der in der Ausstellung laufende, 2010 fertiggestellte Dokumentarfilm „Schoonheid en Dood“ („Schönheit und Tod“) von Dagmar Brendecke und Walter Brun gewährt einen Blick hinter die Kulissen und zeigt Szenen aus Carolein Smits Atelier und die Entstehung ihrer aufwändig gestalteten Figuren.

Speziell aus Anlass der GRASSI-Präsentation hat die in Leipzig lebende und arbeitende Autorin Kathrin Jira den Auftrag übernommen, sich in literarischen Texten einzelnen Werken der Ausstellung zu nähern. Ihre Kurzgeschichten liegen als Flugblätter (Deutsch/Englisch) in der Ausstellung für die Besucher bereit.

Museumspädagogisch werden die Exponate von einer Miniatur-Bühne „Die Geister, die ich rief“ flankiert. Sie lädt dazu ein, auf das große Totentanzrelief von Carolein Smit zu antworten und figurative Szenen zu kreieren.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag, Feiertage: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag sowie am 24.12. und 31.12.2017: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: grassimuseum.de