Der Kunstverein Nürnberg freut sich, im Rahmen des Marianne-Defet- Malerei-Stipendiums eine umfangreiche Einzelausstellung von Malte Zenses (*1987 Solingen; lebt in Berlin) präsentieren zu können.

In seinen Arbeiten verbindet Malte Zenses Techniken der Abstraktion mit Stilmitteln aus dem Bereich der Grafik und der subkulturellen Zeichensprache. In den Entstehungsprozess fließen dabei häufig persönliche Erlebnisse mit ein, die er zunächst in ein Archiv von Zeichnungen überführt, um sie später als abstrakte Codes in seine Werke zu übertragen. So kann die künstlerische Praxis von Malte Zenses auch als ein Aneignen, Übersetzen und Recyceln von erlebter Realität beschrieben werden.

Unter dem Titel in tyrannis präsentiert Malte Zenses im Kunstverein eine Reihe neuer Werke, die während seines Aufenthalts in Nürnberg im Rahmen des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums entstanden sind. Als lose Referenz dient dabei der gleichnamige Song von Reinhard Mey aus den 1970er Jahren sowie dessen Techno-Remake von Wolfgang Voigt, Mitbegründer des Kölner Plattenlabels Kompakt. Das Lied thematisiert die modernen Ausformungen der antiken Gewaltherrschaft und verbindet diese mit realen Beobachtungen des aktuellen Zeitgeschehens. Daran anknüpfend schafft Malte Zenses im Kunstverein ein flexibles System persönlicher, formaler und visueller Reflexionen, die den Betrachter letztlich mit seiner eigenen Wahrnehmung konfrontieren.

Ein zentrales Werk in der Ausstellung ist das Triptychon die Schwimmer, she seems fine (2017). Auf durchscheinend aufgetragenen, ineinander fließenden Flächen ist eine Figur in verschiedenen Schwimmbewegungen zu erkennen, während am unteren Rand der Leinwand in großen Lettern „s he see ms fi ne“ zu lesen ist. Die Arbeit greift das Bild des Meeres als Freizeit- und Sehnsuchtsort auf und ruft gleichzeitig Erfahrungen zwischen Bedrohung und Entspannung, Begrenzung und Weite, Nähe und Distanz in Erinnerung. Im Zusammenspiel der verschiedenen Intensitäten und Größenverhältnisse von Figur, Linie, Fläche, Buchstaben und Format, wird die dynamische und prozesshafte Arbeitsweise von Malte Zenses deutlich. Dabei entstehen durch das abstrakte Verformen und Wiederholen minimalistischer Arrangements – analog zur repetitiven Songstruktur im Techno – bestimmte Muster, die sich auch in weiteren Werken fortsetzen. So sind beispielsweise die abstrakten Linienformationen, die nur scheinbar beiläufig mit schwarzem Lack auf die Leinwand aufgetragen werden, ein wiederkehrendes Motiv. Sie wirken wie angedeutete Routen oder Spuren, über die Zenses jedes Bild mit einem konkreten Ort verknüpft, den er besucht hat und der oft Ausgangspunkt der jeweiligen Arbeit ist. Als Bestandteil eines persönlichen Zeichensystems erscheinen sie wie eine Signatur des Künstlers und verweisen gleichzeitig auf das Reisen und alltägliche Unterwegssein.

Zwischen konzeptueller und gestischer Herangehensweise ist die Beschäftigung mit dem Raum ein weiterer wichtiger Ausgangspunkt von Malte Zenses’ künstlerischer Praxis. Dies zeigt sich auch in den reduzierten Skulpturen true blue und verloren (alles) (beide 2017), die als fiktive Kommunikationspartner in einen Dialog mit den Bildern treten und die im Raum ausgelegten Verbindungslinien weiter verdichten. In ihrer Größe und Materialität erinnern sie an Matratzen, die wiederum auf den Menschen verweisen. Der eher flüchtigen Motivik der Bilder werden somit zwei stilisierte Gebrauchsobjekte entgegengesetzt, die den Blick auf die eigene Realität lenken und gleichzeitig Zenses’ Beschäftigung mit verschiedenen Inszenierungsstrategien aufrufen. Ähnlich wie die anderen Arbeiten im Raum zeugen auch die monochromen Skulpturen von der Auseinandersetzung mit dem Moment der Leere und des Fragmentarischen.

Was ist eine Wasserstunde? Please see you soon.

Malte Zenses (*1987 Solingen; lebt in Berlin) hat an der Hochschule für Gestaltung Offenbach bei Prof. Wolfgang Luy und Prof. Susanne M. Winterling sowie zuletzt an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Andreas Schulze studiert. Seit September 2017 arbeitet er im Rahmen des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums in Nürnberg. Seine Werke waren zuletzt in Einzelpräsentationen wie ABER, Salon Kennedy, Frankfurt a. M. (2017) und Lips (woman reading), Studio Picknick, Berlin (2016) sowie in Gruppenausstellung wie Pay for Rituals, fiebach, minninger, Köln (2017) oder representative representative, Rod Barton, London (2017) zu sehen.

Im Rahmen des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums wird im Januar 2018 eine Publikation zu Malte Zenses neuen Arbeiten mit Gedichten von Ricardo Domeneck und einem Vorwort von Judith Grobe erscheinen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 14:00 - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 13:00 - 18:00 Uhr 

Weitere Informationen direkt unter: kunstvereinnuernberg.de

01.12.2017 - 11.02.2018

Malte Zenses: in tyrannis

Kunstverein Nürnberg Albrecht Dürer Gesellschaft

Kressengartenstraße 2
90402 Nürnberg