Die Weserburg präsentiert in einer spannungsreichen Abfolge zum fünften Mal neue Künstlerräume. Selbstbewusst stellen die Künstlerinnen und Künstler ihre Werke und Konzepte zur Debatte. Die Ausstellung gibt damit einen Einblick in die Vielfalt und Qualität künstlerischer Produktion heute, welche sich eindrucksvoll in den Sammlungen der Weserburg abbildet – ergänzt um ausgewählte Leihgaben. Gerade in den dabei zu Tage tretenden Unterschieden, Widersprüchen und Entgegnungen reagieren die Künstlerräume der Weserburg auf die Komplexität heutiger Welterfahrung. Mehrere der insgesamt 16 Räume sind von den Künstlerinnen und Künstlern speziell für diese Ausstellung eingerichtet worden. Darunter finden sich neben Malerei, Skulptur, Fotografie und einer Videoarbeit auch medienübergreifende Installationen, bis hin zu einem Raum der schottischen Künstlerin Susan Philipsz, der nur von Klängen gefüllt wird.

In einem vollständig abgedunkelten Raum ist Katja Auflegers neue Videoarbeit „Love Affair“ zu sehen. In ruhigen Einstellungen leuchten nach und nach verschiedene Lampen auf, die in konsequenter Abfolge zerschossen werden. Der Wechsel von spannungsvoller Ruhe und plötzlicher Zerstörung, von Licht und Dunkelheit machen die Arbeit zu einem anspielungsreichen Sinnbild.

Aus der Art Collection Telekom stammen gleich zwei Räume von Aneta Grzeszykowska und Igor Grubi?. Der in Zagreb lebende Grubi? zeigt die Fotoserie „366 Liberation Rituals“. Am Beispiel verschiedener Aktionen im öffentlichen Raum macht er nachvollziehbar, wie der Alltag durch überraschend geringe Eingriffe und Aktionen empfindlich gestört und hinterfragt werden kann. Heroische Statuen, die er mit roten Tüchern vermummt, verweisen beispielsweise auf die Möglichkeit von Revolte, machen deutlich, wie einfach sich gewohnte Sichtweisen verändern und in Zweifel ziehen lassen.

Es finden sich aber auch unterschiedliche malerische Konzepte in der Ausstellung. Arbeiten von Henrik Eiben, Ulrich Erben, Karin Kneffel, Sibylle Springer und Philip Taaffe, die kontrastreich aufeinander bezogen werden können. Eindrucksvoll stellen sie unter Beweis, dass Malerei trotz oder gerade auch wegen der allumfassenden Digitalisierung kaum an Faszination eingebüßt hat. Künstlerinnen und Künstler mehrerer Generationen sehen in ihr ein gegenwärtiges, hochaktuelles Ausdrucksmittel. Die vorgestellten Positionen, darunter zum Teil ganz neue, erstmals öffentlich zu sehende Arbeiten, greifen auf überzeugende Weise ästhetische, medienreflexive und nicht zuletzt gesellschaftliche Fragen und Debatten auf. 

Besonders eindrücklich ist die bereits in ihrem Umfang überbordende Installation des belgischen Künstlers Danny Devos. Er zeigt einen begehbaren Raum, bestehend aus 24 Maschinen, die in gleichförmiger Bewegung machetenartige Messer bewegen. Die verstörende Arbeit bezieht sich auf die Massaker der Manson Familie, einer Gruppe von Hippies, die in einer autoritär geführten Sektengemeinschaft lebten. Ihre im Drogenrausch begangenen exzessiven Bluttaten haben sich tief in das kulturelle Bewusstsein eingebrannt. Devos' brachiale Apparaturen schaffen ein irritierendes und lange nachwirkendes Bild, in dem das Verhältnis von sinnentleerter Gewalt und ihrer popkulturellen Aufbereitung nachvollziehbar wird.

Die Sammlungen Lafrenz, Dominic und Cordula Sohst Brennenstuhl, Christian Kaspar Schwarm, Karin und Uwe Hollweg, die Miettinen Collection, die Art Collection Telekom und weitere Leihgeber, haben zum Gelingen der neuen Künstlerräume beigetragen.

Künstlerinnen und Künstler:
Katja Aufleger, Abraham David Christian, Danny Devos, Henrik Eiben, Ulrich Erben, Igor Grubi?, Aneta Grzeszykowska, Wolfgang Hainke, Karin Kneffel, Marlena Kudlicka, Susan Philipsz, Sibylle Springer, Philip Taaffe, Wolfgang Tillmans, Haegue Yang, Rachel Whiteread.