Junges Blut klingt wie eine Frischzellenkur. Und in der Tat bietet das Kooperationsprojekt mit der Kunstschule Wandsbek überraschende Einblicke in das Denken und Wirken junger Menschen. Inspiriert von der großen Sonderausstellung „Proof of Life / Lebenzeichen“ hat eine Gruppe von 13 Studierenden eigene künstlerische Arbeiten und Konzepte entwickelt. Brisante Fragen, die die eigene Identität, aber auch existenzielle Erfahrungsbereiche wie Tod und Leben berühren, werden auf vielschichtige Weise thematisiert. Ziel war es, den Studierenden für Kommunikationsdesign die Möglichkeit zu geben, künstlerisch frei zu arbeiten. Zugleich konnten sie die nötigen gestalterischen und organisatorischen Abläufe einer Ausstellungsproduktion kennenlernen. So sind spannende bisweilen sehr persönliche Arbeiten entstanden. Die erfolgreiche Kooperation mit der Kunstschule Wandsbek findet mittlerweile zum dritten Mal statt. 

Transparent aufleuchtende Schmetterlinge vor schwarzem Grund – Anika Huhle präsentiert faszinierende Fotoarbeiten, die erst auf den zweiten Blick ihre Vielschichtigkeit offenbaren. Sie ist eine von insgesamt dreizehn Studierenden, die eigene Werke vorstellen. Aus Röntgenbildern hat Huhle mehrere Bildmotive zusammengefügt, die an feingliedrige Nachtfalter erinnern. Das bedrohliche Potential medizinischer Diagnostik verwandelt sie in ein flatterhaftes Gegenüber, das weit mehr ist, als der nüchterne Einblick ins Körperinnere. Und in der Tat steht der Schmetterling sinnbildlich für die menschliche Seele.

In ihren einfühlsamen, bisweilen sehr intimen Fotos zeigt Johanne Thielmeyer das Erleben einer schweren Krankheit im engsten Kreis. Die Alltagsszenen, darunter Porträts und Nahaufnahmen, verbindet sie mit Bildern eines Gartens. Zweige und Büsche kommen in den Blick. Es sind immer wieder stille Momente, in denen Ängste und Hoffnungen gleichermaßen aufscheinen. Sie zeigen eine Lebensphase, die Begegnung und Austausch, aber auch die innere Einkehr auf eine besondere Weise möglich macht.

Die Fotoserie von Alex Gottfried umfasst hunderte von Bildern, die im Bremer Stadtraum entstanden sind. Über einen längeren Zeitraum hat er eine Gruppe von Graffiti-Sprühern bei ihren Aktionen begleitet. Die nächtliche Kehrseite der Hansestadt wird atmosphärisch eingefangen. Dass es Alex Gottfried nicht um eine bloße Milieustudie geht, wird in vielen ruhigen, formal reduzierten Aufnahmen deutlich: eine einzelne Neonleuchte auf einem verlassenen Parkplatz, dunkle Schattenwesen, schnell hinterlassene Schriftzeichen auf einer Hauswand.

Alena Jurkin präsentiert dazu passend Nachtaufnahmen, gibt Einblick in abgestellte Autos. Die Fensterscheiben, gestochen scharf fotografiert, sind jedoch von Feuchtigkeit beschlagen. Nur wenig ist zu erkennen. Wer war hier und warum? Die Körperwärme der Insassen ist noch spürbar. Doch letztlich bleibt alles nur Andeutung und Vermutung.