„Man muss sich beeilen, um noch etwas zu sehen. Alles verschwindet.“ Paul Cézanne

Die Ausstellung Catching the Light nimmt die Darstellung und den direkten Einsatz des Lichtes in der heutigen Kunst unter die Lupe. Der Fokus liegt dabei auf der Verbindung von Licht und Bewegung, sowohl bei der Darstellung oder Abbildung von Lichtwirkungen als auch bei der unmittelbaren Inszenierung des Lichtes im Raum.

Vor 150 Jahren konzentrierten sich die Impressionisten und Paul Cézanne auf die visuelle Wahrnehmung der Umwelt und entwickelten Darstellungsmittel, die einer sich ständig verändernden und beschleunigenden Welt entsprechen sollten. Die Künstler*innen der Ausstellung Catching the Light sind ‚heutige Impressionisten‘. Sie machen Prozesse der Wahrnehmung auch in ihrer Zeitlichkeit sichtbar. Es sind Licht-Bilder und -Räume, bei denen unterschiedlichste Arten von Projektionen den physischen Raum überlagern. Das Spektrum der gezeigten Werke reicht von Malerei über Fotografie und Videofilm bis zu Rauminstallationen.

Das malerisch-fotografische Wahrnehmungsproblem wird nicht zuletzt in der Tradition Sigmar Polkes verstanden, der immer wieder mit der Grenze der visuellen Erkennbarkeit spielte. Polkes Bild Pasadena (1968) zeigt das vergrößerte Zeitungsfoto einer Weltraumsonde mit zugehöriger Bildunterschrift, in der es heißt „Die hellen Punkte sind Sonnenreflexe“. So steht die Frage nach dem (auch medial bedingten) Verhältnis von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit zur Debatte. Dieses Verhältnis, das auch den sozialen und politischen Raum betrifft, hat heute völlig andere Konturen als zu Zeiten der Impressionisten.

Catching the Light ist zugleich ein Plädoyer dafür, das kunsthistorische Erbe der Malerei im fortgeschrittenen Medienzeitalter nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn der indexikalische Charakter der Fotografie kunsttheoretische Bild- und Raumbegriffe zu einseitig bestimmt, wie in der Folge von Rosalind Krauss’ Notes on the Index (1977) häufig geschehen, wird die phänomenale Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit von Kunstwerken tendenziell auf ihren Informationsgehalt im Sinne ‚visueller Kommunikation‘ eingeengt.


ERÖFFNUNG KAI 10: Donnerstag, 12. April 2018, 19:00 Uhr
Es sprechen:
Monika Schnetkamp, Vorsitzende Arthena Foundation
Ludwig Seyfarth, Kurator