Lichthof 8+9

Die ZKM-Ausstellung Open Codes untersucht die Macht und Wirkmechanismen von Codes für unser Leben in digitalen Welten. Rund 120 Kunstwerke und wissenschaftliche Arbeiten zeigen die Digitalisierung als neue Kulturtechnik in einem außergewöhnlichen Ausstellungsformat. 

Vor Jahrtausenden haben die Menschen begonnen, den Dingen Worte und Bilder zuzuordnen. Heute werden Dingen, Worten, Bildern und Tönen Daten zugeordnet und diese Daten können wiederum in Bilder, Töne und Texte rückverwandelt werden. Bilder und Worte konnten nicht direkt in Gegenstände überführt werden. Aber mit dem 3D-Druck können die Daten in Dinge verwandelt werden. Der alphabetische Code war irreversibel. Der digitale Code, aufgebaut auf dem binärem Ziffernsystem 0 und 1 (Leibniz, 1697), ist reversibel, umfassender und deswegen mächtiger als der alphabetische Code.

Mit "Code eingeben" entsperren Sie Ihr Handy, mit Codes öffnen Sie Haustüren – Codes, vom Morsecode bis zum genetischen Code, bilden den Schlüssel zur gegenwärtigen globalisierten Welt. Die Ausstellung Open Codes. Leben in digitalen Welten stellt daher den Begriff des "Codes" in ihren Mittelpunkt. Die allumfassende Digitalisierung, die Voraussetzung der Globalisierung ist, hat disruptive Technologien und unvorhersehbare Kulturtechniken hervorgebracht, die unsere Lebensformen revolutionieren.

Der Triumph der Digitalisierung der Welt begann mit Isaac Newtons Mathematische Principien der Naturlehre (1687). Er folgte dabei Galileo Galilei, der 1623 behauptete: "Das Buch der Natur ist in der Sprache der Mathematik geschrieben". Heute stellt sich die Physik die Frage über "The Unreasonable Effectiveness of Mathematics in the Natural Sciences" (Nobelpreisträger Eugene Paul Wigner, 1960). Parallel zur Mathematisierung der Physik fand eine Technisierung statt. Formeln wurden zum Ausgangspunkt für technische Innovationen, von der Entdeckung der elektromagnetischen Wellen über Transistoren bis zu Mikrochips. Die Entwicklung der Elektronik führte dazu, dass elektrisch betriebene Rechenmaschinen mit dem Binärcode operieren können. Somit wurde es möglich, dass ein Netzwerk von immaterieller Datenübertragung und –speicherung die Erde als "Infosphäre" einhüllt, vergleichbar der Atmosphäre. Die Menschen interagieren mit einerUmwelt von Codes und Computern, von Algorithmen und Automaten.

Mit Open Codes. Leben in digitalen Welten versammelt das ZKM rund 120 künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten, welche die fantastischen Möglichkeiten einer individuellen Welterfahrung und – gestaltung durch die Kenntnis und Benutzung von Codes präsentieren. Sie zeigen auch die weitreichenden soziopolitischen Folgen, die Codes nach sich ziehen. Die Werke sind acht Themenbereichen zugeordnet, die dabei helfen, die digitalen Lebenswelten, welche uns umgeben, besser zu verstehen:

"Artificial Intelligence & Maschinelles Lernen", "Arbeit und Produktion", "Algorithmische Ökonomie", "Algorithmic Governance", "Genetischer Code", "Virtual Reality", "Neuroscience" und "Human-Robot Interaction".

Kooperationspartner der Ausstellung sind Karlsruher Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB), das FZI Forschungszentrum Informatik, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie die Akademie Schloss Solitude in Stuttgart.

In der Ausstellung werden Kunstwerke, wissenschaftliche Arbeiten, historische Schriften (beginnend mit der Ars Magna von Raimundus Lullus bis hin zu mathematischen Pionierarbeiten von George Boole und Claude Shannon), Artefakte (Zählwerke, Speicherbausteine, Schaltnetze bis hin zu Mikroprozessoren) und Props präsentiert, die sowohl auf analogen wie auch auf digitalen Codes basieren. Sie visualisieren und erklären die komplexen Dynamiken von Codes. Open Codes. Leben in digitalen Welten untersucht, wie Codes in unser Leben Einzug halten und welche Wissensstrukturen Codes hervorbringen. Die gezeigten Kunstwerke und wissenschaftlichen Arbeiten untersuchen die physikalischen und mathematischen Prinzipien, auf denen Codes basieren sowie ihre materielle Implementierung in Mikrochips, Relais und Schaltkreise.