Das Jubiläumsjahr ihres 25-jährigen Bestehens eröffnet die DZ BANK Kunstsammlung mit der Ausstellung "INSIDE OUT – FOTOGRAFIE UND PSYCHOLOGIE", die vom 7. Februar bis
12. Mai 2018 im ART FOYER zu sehen ist. In der interdisziplinären Ausstellung werden Fotografie und Psychologie in einem systematischen Zusammenhang betrachtet: In welcher Weise haben die Ergebnisse psychologischer Forschung die künstlerischen Bildwelten beeinflusst und welche Rolle spielt die Fotografie für die Arbeit von Psychologen?

Die Gastkuratoren Steffen Siegel (Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen) und David Keller (Diplom-Psychologe am Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Universität zu Lübeck) haben eine Präsentation mit 58 Exponaten aus Kunst und Wissenschaft zusammengestellt, an dem sich vielschichtige, äußere und innere Bilder des Menschen ablesen lassen.

Vertreten sind Fotoarbeiten aus der Sammlung von Michael Ackerman, Roger Ballen, Alexandra Baumgartner, Sibylle Bergemann, Sophie Calle, Gregory Crewdson, Altan Eskin, Valie Export, Hans- Peter Feldmann, John Hilliard, Aino Kannisto, Robert Longo, Arnulf Rainer, Walter Schels, Laurie Simmons, Taryn Simon, Annegret Soltau und Peter Weibel.

Die Ausstellung mit dem programmatischen Titel "Inside Out" betrachtet das Verhältnis von Psychologie und Fotografie, in dem Sichtbares und Unsichtbares, Äußeres und Inneres unmittelbar aufeinander bezogen werden.

Kein anderer Teilbereich der Psychologie hat das Nachdenken über die Psyche mehr geprägt als die Psychoanalyse. Robert Longo (*1953 in Brooklyn, USA) nähert sich in seiner mehrteiligen Arbeit "The Freud Cycle" auf ebenso intime wie geisterhafte Weise den einstigen Wohn- und Arbeitsräumen Sigmund Freuds.

Freud war von der Psychodynamik des Unheimlichen fasziniert. Im Begriff des Unheimlichen eingeschlossen sind die Worte "Heim" und "heimlich", mit denen sich widersprüchliche Assoziationen verbinden. Das Heim ist das Schutz bietende Haus und zugleich der Ort des Geheimnisvollen und des Verborgenen. Gregory Crewdson (*1962 in Brooklyn, USA) hat betont, dass seine Bilder von Sigmund Freuds Aufsatz "Das Unheimliche" (1919) beeinflusst sind. Die von ihm mysteriös inszenierten Szenen sind von einer filmischen Ästhetik inspiriert, in denen das Leuchten zugleich effektvoll und unheimlich ist. Der Betrachter fragt sich, ob in seinen Bildern oder auch jenen von Aino Kannisto (*1973 in Espoo, Finnland) und Taryn Simon (*1975 in New York) das Heim tatsächlich noch ein Ort des Schutzes ist. Oder lauert die Gefahr vielmehr im Inneren dieser Häuser? Auch in den Arbeiten von Sibylle Bergemann (*1941 in Berlin; † 2010 bei Gransee) und dem in Berlin lebenden Michael Ackerman (*1967 in Tel Aviv) scheint sich das Vertraute in Unvertrautes zu verwandeln.

Gerade in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielen die verschiedenen Ausdrucksformen des Menschen – seine Mimik, Gestik, Stimme und Handschrift – für die psychologische Diagnostik eine prominente Rolle. Erwartungen an die Lesbarkeit des Gesichts scheint Arnulf Rainer (*1929 in Baden bei Wien) mit seinen Fotoautomaten-Selbstporträts entgegenzukommen, um sie jedoch sogleich zu durchkreuzen.

Auch die Porträts von Alexandra Baumgartner (*1973 in Salzburg) sind psychoanalytisch inspiriert. Ihre Fotocollagen sind drastische Interventionen in die Oberfläche des fotografischen Bildes, bei denen ein latenter Eindruck von Zwang und Gewalt entsteht.

Dobermann, Gans und Schaf präsentieren sich in direktem Blickkontakt auf den großformatigen Tierporträts von Walter Schels (*1936 in Landshut). Sie sind ganz in der klassischen Konvention der Porträts gehalten und schärfen den Begriff von Identität und Individualität.

Kleidung ist ein wichtiges Instrument zur Inszenierung des Ich. Hans-Peter Feldmann (*1941 in Düsseldorf) beschreibt die Individualität einer Frau, indem er auf 70 Aufnahmen ihre Kleidung und Schuhe zeigt.

Altan Eskin (*1979 in Hanau) durchsuchte die Fotoalben seiner Familie nach Abbildungen von den Händen seines verstorbenen Vaters. Ausschnitt für Ausschnitt fächern die insgesamt 42 Bilder ein ganzes Leben auf.

Die Psychologie fasst Bindungen und Beziehungen als zentrale Grundbedürfnisse der menschlichen Existenz auf. Dem Wunsch nach stabilen und sicheren Beziehungen steht zugleich die Sorge vor Kränkung, Zurückweisung und Verletzung entgegen. In der Arbeit der österreichischen Performancekünstlerin und Filmemacherin Valie Export (*1940 in Linz, Österreich) trifft der Wunsch nach Nähe auf die Unverfügbarkeit des Anderen: Ein Bild von einem Arm trifft auf ein Bild von einem Bild von einem Arm.

Die Bilder von Annegret Soltau (*1946 in Lüneburg) evozieren Gefühle von Melancholie und Schwermut und sind voller psychologischer Implikationen. Die Künstlerin verschwindet über die Bildabfolge hinweg in einem immer dichter werdenden Kokon, bis sie schließlich ganz von einer dunklen Schicht umschlossen wird.

Die kargen, stets schwarz-weißen Tableaus des in Südafrika lebenden US-Amerikaners Roger Ballen (*1950 in New York) erzählen von einer Welt jenseits bloßer Vernunft. Bewohnt werden die befremdlich anmutenden Räume von merkwürdigen Gestalten, die mit Enten, Katzen oder Mäusen irritierende Allianzen eingegangen sind. Getragen von Apathie, Schmerz und Gewalt widmen sich die Bilder der Schattenseite der Psyche, ihren Abgründen und Ausnahmezuständen.

John Hilliard (*1945 in Lancaster, England) betont sowohl die speziellen Aspekte des Mediums Fotografie als auch die relative Wahrnehmung des Betrachters. Die Identität der Figur ist für den Betrachter nicht zu fassen. Zwischen hinten und vorne, innen und außen öffnet sich ein Spiel von Bezügen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Samstag: 11:00 - 19:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 - 20:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: dzbank-kunstsammlung.de 

John Hilliard, Distorted Vision (A), 1991 @ John Hilliard
07.02. - 12.05.2018

INSIDE OUT – Fotografie und Psychologie

ART FOYER der DZ BANK

Platz der Republik
60265 Frankfurt am Main