Nicht zuletzt seit dem Fall um Wolfgang Beltracchi sind die Hüterinnen und Hüter der Kunstsammlungen in Deutschland erneut alarmiert: Nahezu jede Sammlung enthält Werke, die aus verschiedenen Gründen gefälscht, kopiert, neu gegossen oder neu abgezogen wurden. Die medienwirksamen Fälle sind dabei jedoch die kunsthistorisch am wenigsten interessanten – dies zeigen auch die Beispiele aus dem Sprengel Museum Hannover.

Verschiedene Werke, von prominenten Urhebern wie Giorgio de Chirico, Alberto Giacometti, Oskar Kokoschka, Max Beckmann und Wols, die nach bisheriger Einschätzung als Repliken, Fälschungen und Kopien zu bezeichnen sind, werden im dritten, kabinettartigen Saal des Erweiterungsbaus präsentiert. Zusammen mit diesen Werken werden auch einige Originale der Künstler als Vergleichsbeispiele gezeigt. Zu jedem "Fall" wird in einer begleitenden Broschüre der aktuelle Forschungsstand dargelegt, der über Jahrzehnte durch den Austausch mit WissenschaftlerInnen, das Erstellen von Werk- verzeichnissen und Provenienzrecherchen entstanden ist. Auch Diskussionen um vermeintliche Fälschungsfälle, deren Ende noch offen ist, werden vorgestellt.

Darüber hinaus betonen drei Werke des von Dirk Dietrich Hennig (geb. 1967) erfundenen Schwitters- Fälschers C.G. Rudolf (1912-2012) und die damit verbundene Diskussion des Originalbegriffs, die verstärkt seit den 1960er-Jahren und erneut mit der Appropriation Art der 1980er-Jahre geführt wurde, die konzeptuelle Reflexion der Präsentation.

Das Sprengel Museum Hannover strebt mit dieser Sammlungspräsentation eine weitere Öffnung und Transparenz der Arbeit der Institution an – nicht nur die klassische Präsentation und das Sammeln und Bewahren, sondern auch die Offenlegung der wissenschaftlichen Strategie des Museums gehören zu dessen Aktivitäten.

Nach der Eröffnung des Sammlungsraums mit dem Titel "SKULPTUREN Sehen Zeichnen Entdecken" im Erweiterungsbau, in dem BesucherInnen eingeladen sind, mit Papier und Bleistift Skulpturen des 20. Jahrhunderts zeichnerisch zu entdecken und aktiv mit der Sammlung zu interagieren, regen die FAKE NEWS an, andere Blicke auf die Originale zu werfen.

Es erscheint ein Begleitheft (dt./engl.) mit Texten von Annette Baumann, Patricia Hartmann und Carina Plath. Vorträge und Gespräche werden die Präsentation und ihre Diskussion bereichern.