Unablässig stürmen reißerische Schlagzeilen im Live-Ticker auf uns ein – auf unseren Smartphones, im Fernsehen oder in den Printmedien. Solche "Breaking News" schüren Ängste, bedienen Allmachtsphantasien, geben Hoffnung oder lassen verzweifeln. Neben sachlicher Information verbreiten sie, von  "Fake News" oft kaum zu unterscheiden, Unsicherheit, Unruhe und eine aufgeladene Stimmung. In postfaktischen Zeiten lässt das kurzfristige Schüren von Emotionen den "faktischen" Inhalt der Berichterstattung oft wie eine Marginalie erscheinen.  

Die Kunst dagegen setzt nicht auf Eil- und Sondermeldungen. Ihre bahnbrechenden Neuigkeiten sind nachhaltiger. Was sie uns über die heutige Welt zu sagen hat, in der  immer mehr Menschen "Breaking News" nur noch in den Social Media lesen, ist in den Werken der Sammlung von Kelterborn exemplarisch zu sehen. Und kann ein neuer, anderer, individueller Blick auf die Welt, wie ihn die Kunst vermittelt, nicht auch so überraschend wie "Breaking News" sein?

Die hier vertretenen Künstlerinnen und Künstler dringen in die Vielschichtigkeit und Abgründe der menschlichen Psyche ein, blicken in märchenhafte Landschaften und digitale Universen, schauen zurück in die Geschichte, beobachten und analysieren eine Gegenwart, die von der (Un)gleichzeitigkeit verschiedener Kulturen geprägt ist. Sie verschließen die Augen nicht vor den Problemfeldern unserer Zeit, vor Kriegen, Kriminalität, der Verwahrlosung der Städte oder der Fragilität des menschlichen Körpers. 

In einer Epoche, die von Globalisierung und Digitalisierung, großer Migration und gleichzeitig von neuen nationalistischen Tendenzen und Politiken der Abschottung geprägt ist, versteht sich die Ausstellung Breaking News auch als Plädoyer für eine offene Gesellschaft, wie sie Karl Popper schon vor Jahrzehnten propagierte. Dazu gehört auch die Freiheit der Kunst, sich auf politische und gesellschaftliche Fragen einzulassen, diese aber nicht illustrativ oder propagandistisch zu bebildern, sondern die Kraft ihrer ästhetischen Ausdrucksmittel ins Feld zu führen und damit auch ihre Autonomie zu behaupten. 

Künstlerliste: 
Korakrit Arunanondchai, Teboho Edkins, Claire Fontaine, Harun Farocki, Jochen Gerz, Francisca Goméz, Harald Hauswald, Gary Hill, Hu Weiyi, Luzia Hürzeler, Sven Johne, Thomas Kilpper, Barbara Klemm, Jaroslaw Koslowski, Clemens Krauss, Thomas Locher, Renzo Martens, Björn Melhus, Björn Melhus/Yves Netzhammer, Richard Mosse, Marcel Odenbach, Mario Pfeifer, Anke Röhrscheid, Jürgen Schadeberg, Taryn Simon, Hito Steyerl, Mikhael Subotzky, Die Tödliche Doris, Mariana Vassileva, Mia Florentine Weiss

Die Ausstellung wird gefördert von der Stiftung Niedersachsen, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine