Die Exposition ist ein internationales Kooperationsprojekt des Panorama Museums mit der Moderna galerija, dem Nationalmuseum der bildenden Künste Kroatiens in Zagreb, und präsentiert das bis jetzt in Deutschland weitgehend unbekannte Werk des kroatischen Künstlers Vasilije Jordan, der seit 1978 an der Kunstakademie in Zagreb als Professor Malerei lehrte und sich durch Ausstellungen vor allem in Belgien, Frankreich und Italien international schon früh einen Namen machte. In einer Überblicksschau werden nun im Panorama Museum 63 Gemälde und 30 Arbeiten in Mischtechnik auf Papier aus mehr als fünf Schaffensjahrzehnten vorgestellt.  

Vasilije Jordan, 1934 in Zagreb geboren, gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler seines Heimatlandes und dies obwohl oder vielleicht gerade weil er über Jahrzehnte trotz aller offizieller Kontroversen um die künstlerische Ausrichtung innerhalb Kroatiens unbeirrt seinen eigenen Weg ging. Fußend auf den Prinzipien der klassischen mitteleuropäischen Tradition und einzig geleitet von „erlebten Erfahrungen“ (Vasilije Jordan) schöpft er Bildwelten, die aus der Zeit gefallen sind. Auch räumliche Koordinaten sind vakant und verbieten somit jeden Anhaltspunkt zum Realen. Jordans Landschaften sind melancholische Innenansichten voller Nostalgie, die vor dem Horizont einer endlos gedehnten Zeit Ansichten von Traumerlebnissen offenbaren, die voller Poesie sind. In sich geschlossene Szenarien, in gedämpften, dunklen Tönen ausgeführt, lassen flüchtig skizzierte helle Gestalten aufblitzen. Wie hingehaucht mit lasierender Leichtigkeit schweben diese vor dem Hintergrund und suggerieren Projektionen des Geistes, der Phantasie zu sein. 

Ohne Wiederholungen zu generieren, bedient sich Jordan seit den 1960er Jahren immer gleicher Motive und Sujets: Einsamkeit, Abschied, Genealogie, Kindheit, Mutterschaft, Wohnstätte, Musikanten – das menschliche Sein, die Vergänglichkeit der Zeit, rurale und sakrale Themen. Doch nichts davon entspringt der Erinnerung des Malers, ist Wiedergegebenes von Gesehenem oder Erlebtem, alles ist surreal oder irreal, wie Jordan selbst betonte. Die Quelle seines Schaffens beruht auf der Einsicht in das eigene Innere seiner Kindheit. So bekennt er frühzeitig: „Das Leben ist für mich ein Rätsel. Ich versuche, dieses Rätsel mittels meiner Malerei zu lösen.“ Und weiter: „Indem ich male, löse ich dieses Rätsel nur für mich … Indem ich male, erneuere ich mich, erleichtere ich mich, versuche ich, mich von meiner Nostalgie für die fernen Geschichten der verlorenen Kindheit zu heilen.“ 

Seine metaphysische Bildwelt, die malerischen Erzählungen gleicht, und ausgeführt ist in einer tonalen Hell-Dunkel-Malerei mit altmeisterlicher Pinseltechnik, lässt den Betrachter in eine Zeit entfliehen, die entschleunigend, ja teilweise sogar meditativ wirkt. Es ist eine Reise auch in unser Innerstes, die durch Träume, Visionen und Wünsche gesteuert wird und die uns die geistige Freiheit des Augenblicks gewährt. (Silke Krage)