Vom 15. März bis 8. Juli 2018 ist im Museum für Aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle Durbach bei Offenburg in der Reihe „Profile in der Kunst am Oberrhein“ eine umfassende Schau von Arbeiten Jürgen Brodwolfs zu sehen. Der bei Zürich geborene Künstler zählt zu den bedeutendsten Vertretern der südwestdeutschen Kunstszene und hat zahlreiche Preise und Ausstellungen im In- und Ausland vorzuweisen. Im Zentrum seines einprägsamen Lebenswerks steht die Tubenfigur, geformt aus ausgedrückten Farbtuben, die mit unterschiedlichsten Materialien kombiniert wird. Die menschliche Gestalt, ihr Verhältnis zur Umwelt prägt die Arbeiten, die eine melancholische, rätselhafte Wirkung entfalten und zum Sinnbild menschlicher Existenz werden.

Als ausgebildeter Lithograph und Zeichner arbeitete der 1932 in Dübendorf bei Zürich geborene Jürgen Brodwolf zunächst als Graphiker, Glasmaler und Restaurator von Fresken. 1959 entdeckte er die Tubenfigur, entstanden aus einer ausgedrückten Farbtube, die vor seinen Augen auf einmal menschliche Gestalt anzunehmen schien. Seither zeichnet und formt er nach diesem Vorbild seine Figuren, die er in verschiedene Situationen hineinbringt und zueinander in Beziehung setzt. In seinem Werk, oft Reliefbilder und Installationen, kommen die unterschiedlichsten Materialien zum Einsatz: Gaze, Pappe, Bronze, aber auch Gerätschaften wie Zahnarztutensilien, Tür- und Fensterrahmen, Stühle und vieles mehr. Die ursprünglich aus Walzblei entstandene Figur passt sich an, entwickelt ein mysteriöses Eigenleben, wird zum Idol oder zum Sinnbild des ausgelieferten Menschen. Sie wird in Schaukästen eingesperrt, im Boot ausgesetzt, archiviert oder im antik anmutenden Grab beigesetzt.

Heute lebt Brodwolf in einem Krankenhausgebäude des 16. Jahrhunderts im südbadischen Kandern, das nach eigener Aussage ebenso wie seine Kunst für die zentralen Themen menschlicher Existenz steht: Geburt und Tod, Krankheit und die Folgen menschlicher Gewalt.