Der Wunsch nach Freiheit und der Abschaffung der Diktatur – Immer wieder löst die Vision, die politischen Verhältnisse grundlegend ändern zu können, Revolutionen aus. Im Gedenkjahr 2018 rücken neben der Badischen und der Novemberrevolution viele historische Aufstände erneut in den Blickpunkt. Aber auch die Bewegungen in den Ländern Osteuropas, bekannt als "Farbenrevolutionen", und der "Arabische Frühling" machen bewusst, wie aktuell das Thema Revolution ist.

Das Jubiläum nimmt das Badische Landesmuseum zum Anlass, sich in einer Ausstellung einmal grundsätzlich mit dem Thema Revolution zu befassen. Mit der Ausstellung "Revolution! Für Anfänger*innen" kehrt die Revolution zurück ins Karlsruher Schloss: An den Ort, an dem im November 1918 das Ende der Monarchie und der Übergang zur Republik eingeleitet wurde.

Bereits der Titel der Ausstellung verrät: Mit der Präsentation wird auch das Museum in vielen Bereichen Neuland betreten. Denn es geht diesmal nicht um ein bestimmtes historisches Ereignis oder eine bestimmte Epoche. Vielmehr wird ein historisches Phänomen zeit- und länderübergreifend näher betrachtet: Was ist eigentlich eine Revolution? Wodurch wird sie angestoßen? Von wem wird sie getragen? Wie geht sie aus? Und welche Bedeutung haben Revolutionen für unsere Gegenwart?

Zahlreiche Beispiele aus den Revolutionen der Neuzeit sollen Antworten liefern und ein Verstehen von Ursache und Wirkung, von Abläufen und Zusammenhängen, ermöglichen. Eine innovative Ausstellungsgestaltung, die das Mu-seum gemeinsam mit dem Schweizer Gestaltungsbüro Groenlandbasel entwickelt hat, greift das Motiv einer aus den Fugen geratenen Ordnung, der Barrikade, des Aufbruchs und der Suche nach einer neuen Ordnung auf. Die Ausstellung gleicht einem begehbaren Bühnenbild. Die revolutionäre Umbruchssituation wird für die Besucherinnen und Besucher physisch erfahrbar. Vertraute Objekte wie der großherzoglich badische Thron rücken in einen völlig neuen Zusammenhang. Gleichzeitig werden etliche unbekannte Stücke aus den Depots des Badischen Landesmuseums präsentiert, darunter eine sogenannte Augenwenderuhr aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die an den Helden der badischen Revolution Friedrich Hecker erinnert. Ausgewählte Leihgaben, wie eine Schnelldruckpresse aus dem Technoseum Mannheim, ergänzen die Objektauswahl. Sie steht für die schnelle Informationsverbreitung, ein entscheidendes Moment von Revolutionen: die Kommunikation über "Massenmedien". Einen zentralen Platz nehmen Filmdokumente aus Vergangenheit und Gegenwart ein. Interviews mit Zeitzeugen und autobiographische Zeugnisse sind an Hörstationen abrufbar. Sie lassen individuelle Erfahrungen von Revolutionen nacherleben.

Schließlich werden die Besucherinnen und Besucher selbst in die Ausstellung eingebunden: Sie können in einem interaktiven Spiel ihr eigenes revolutionäres Potential ausloten. An mehreren Stationen in der Ausstellung müssen sie sich entscheiden: Wie würden sie in einer bestimmten Situation handeln? Wo liegt ihre persönliche Schmerzgrenze, um gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen? Wie weit würden sie gehen? Zum Ende hin erfolgt eine Auswertung, die sowohl für den Einzelnen als auch für Gruppen möglich ist. Die Ausstellung verspricht somit spannende persönliche Erkenntnisse, die mit jedem Spieldurchgang erweitert werden können. Nach ihrem Aufenthalt im Schloss Karlsruhe wissen die Besucher*innen, wie eine Revolution funktioniert – und sind sicher keine Anfänger*innen mehr!