Die Ausstellung Stilllegung ist Ergebnis einer biografischen und künstlerischen Umgestaltung und Verwandlung. Ben Greber hat als Bildhauer gegenständliche Werke geschaffen und abstrahiert nun schrittweise seinen eigenen Fundus. Die Arbeiten werden dabei teilweise in Ausgangsmaterial zerlegt und in verschiedenartigen Archivierungssystemen gespeichert. Einzelne Parameter einer Arbeit werden vom Gegenstand abgelöst und skulptural verarbeitet. Es entstehen Werkgruppen abstrakter Arbeiten, welche sich auf das selbe Ursprungsobjekt beziehen, aber jeweils einen anderen Aspekt seiner inhaltlichen oder formalen Komponenten bearbeiten. Auch wenn Greber bei diesem Abstraktionsprozess Spuren der ursprünglichen Formen, Funktionen und Inhalte erkennbar lässt, und auch wenn der stets gleichbleibende Titel auf die ehemaligen gegenständlichen Arbeiten hinweist, sind die transformierten Arbeiten neue, eigenständige Skulpturen.

Ben Greber konzipiert für die Ausstellung im neuen Kunstverein Wuppertal eine neue Installation mit autobiografischem Bezug zur Stadt Wuppertal, die die Thematik und den Prozess der ‚Entgegenständlichung’ auf sehr konkrete Weise aufgreift: Sein Großvater hatte sich im zerbombten Wuppertal der Nachkriegszeit über Jahre eine Modelleisenbahnlage gebaut, in akribischer Laubsägearbeit und zum Hochklappen in dem winzigen Küchenraum einer winzgen Zwei-Zimmer Wohnung in der Buchenstraße. Von diesem „Wunsch nach einer intakten Welt“ existieren Fotografien, die Grundlage für Grebers Nachbau der Anlage sind. Gebäude und Trassenmaterial werden für die Ausstellung unvollständig, reliefartig aus einem porösen, matten Kunststoff abgegossen, wodurch die Landschaft weiter abstrahiert wird. Beim Guss zerbrochene Teile werden als Material gestapelt.

Er beschreibt mit seiner Arbeit auch ein schon im Jugendalter verspürtes "Unbehagen, in einer Umgebung zu leben, in der alles fertig und abgeschlossen ist" und liefert einen Gegenentwurf zu intakten, vollendeten Wunschwelten: Welten, die darauf warten, immer neu gestaltet zu werden.

Die Ausstellung wird begleitet von einem Veranstaltungsprogramm und ist zudem Grundlage einer neuen Publikation des Künstlers, in der die Entwicklung und Veränderung seiner künstlerischen Biografie im Hinblick auf die Entwicklung der Bildhauerei thematisiert wird.

Die Ausstellung bzw. Publikation wird gefördert vom Kulturbüro der Stadt Wuppertal und von der Kunststiftung NRW. 


Öffnungszeiten während der Ausstellungen:
Donnerstag und Freitag: 17:00 - 20:00 Uhr
Samstag: 15:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: neuer-kunstverein-wuppertal.de

Modell - Detail, 2017, Ben Greber
16.03. - 05.05.2018

Ben Greber: Stilllegung

Neuer Kunstverein Wuppertal e.V.

Hofaue 51
42103 Wuppertal