Erstmals in Deutschland zeigt das Günter Grass-Haus die Fotografien des Literaturnobelpreisträgers und Oscar-Gewinners George Bernard Shaw. Ab dem 16. April 2018 präsentiert das Literaturmuseum die neue Sonderausstellung In Szene gesetzt. George Bernard Shaw und die Fotografie (Laufzeit: 16.4. bis 9.10.2018). George Bernard Shaw (1856–1950) ist bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Darüber hinaus gilt er als eine der meistfotografierten Berühmtheiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Shaw ist jedoch nicht nur ein beliebtes Motiv für Fotografen, er fotografiert auch selbst. 1898, im Alter von 42 Jahren, greift er erstmals zur Kamera: Der Fotoapparat ist fortan sein ständiger Begleiter. Die Ausstellung und der begleitende Katalog präsentieren ausgewählte Bilder aus dem rund 20.000 Aufnahmen umfassenden Nachlass. 

"Ich freue mich, dass wir nach der Präsentation der Bilder Gottfried Kellers (2012) und Winston Churchills (2016/17) mit dieser Schau nun wieder eine Premiere in Deutschland feiern können. Mein Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Günter Grass-Hauses, der Lübecker Museen und des National Trust in Großbritannien, die an diesem internationalem Projekt mitgewirkt haben", so Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Günter Grass-Hauses. 

George Bernard Shaw (geb. 1856, gest. 1950) hat als Dramatiker, Politiker und Satiriker des 20. Jahrhunderts internationale Berühmtheit erlangt. Der gebürtige Ire erhält 1925 den Nobelpreis für Literatur. 1939 wird ihm der Oscar für das beste Drehbuch für die Verfilmung seiner Komödie "Pygmalion" verliehen. Das Stück wird später die Grundlage für das Musical und den Film "My Fair Lady" bilden. Sein Ruf als bärbeißiger Kritiker und Provokateur, gefragter Interviewpartner und Redner, sein markantes Erscheinungsbild ebenso wie sein Talent zur Selbstinszenierung tragen zu seiner Omnipräsenz in den Medien des 20. Jahrhunderts bei. Zeitlebens ist der Atheist, Pazifist und Sozialist ein gefragter Interviewpartner, Redner und Kommentator. Wenn künftige Generationen einst in den Ruinen Londons graben würden, so spottet der mit Shaw befreundete Schriftsteller H. G. Wells, würden sie "Fotografien, mehr Fotografien und noch mehr Fotografien von Shaw" zutage fördern.

 1898 wendet sich Shaw der Fotografie zu: Der Fotoapparat ist fortan sein fortwährender Begleiter, eine Art visuelles Notizbuch, mit dem er Menschen und Orte festhält. Als enthusiastischer Amateur experimentiert Shaw – insbesondere im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts – mit Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe, mit Komposition und mit Farbe. Dabei dient ihm die Fotografie auch als Mittel, um seine eigene künstlerische Position zu finden. In zahlreichen Bildern zitiert und kommentiert er literarische, dramatische und bildkünstlerische Ausdrucksformen. In seinen Posen zeigt sich Shaw als Schauspieler und als Regisseur zugleich. Seine Beschäftigung mit der Fotografie ist zugleich aufschlussreich für seine Lebenshaltung: Als "Kunst der Zukunft" spricht der Sozialist Shaw ihr die Fähigkeit zu, durch die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe und Un-voreingenommenheit in der Abbildung als gesellschaftsverändernde Kraft agieren zu können. Zugleich dient die Fotografie Shaw als Medium seiner Selbstinszenierung: "Sie ermöglicht Shaw, in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen, denen er als Autor, Journalist oder Redner in der Öffentlichkeit gerecht werden muss. Shaw nutzt die Fotografie, um sich mit dem Kürzel G.B.S. als eine erfolgreiche globale Marke zu etablieren", so der Kurator der Ausstellung, Philipp Bürger. 

Die Ausstellung In Szene gesetzt. George Bernard Shaw und die Fotografie zeigt ausgewählte Bilder aus dem über 20.000 Aufnahmen umfassenden Nachlass Shaws. Prä-sentiert werden seine facettenreichen Selbstdarstellungen, Landschaftsaufnahmen sowie Porträts von politischen Weggefährten, Schauspielern, Künstlern und Autoren. Die Bilder zeigen Shaw als Modell für bildende Künstler wie Auguste Rodin, der eine Büste von ihm schuf, und Shaw kommt als Kunstkritiker zu Wort. Die Fotos bieten Einblicke in sein Privatleben und zeigen die vielen Gesichter der öffentlichen Figur "G.B.S.", die Shaw als Meister der Selbstinszenierung selbst erschaffen hat. Auch deshalb animiert eine "Selfie-Station" die Ausstellungsbesucher, Selbstporträts in der berühmten "Denker"-Pose von Rodin zu machen, in der sich Shaw fotografieren ließ. So wie Shaw den "Denker", können die Besucher Shaw als Meister der Selbstinszenierung nachvollziehen. Das Foto von sich selbst können die Gäste mit nach Hause nehmen. 

Der begleitende Katalog zur Ausstellung In Szene gesetzt. George Bernard Shaw und die Fotografie kostet 5 Euro. Die Schau wurde von Philipp Bürger, tätig als freier Kurator, konzipiert. Sie wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck, der Sparkasse zu Lübeck, dem Freundeskreis des Günter Grass-Hauses und dem Radisson Blu Senator Hotel. 


Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: grass-haus.de

Shaw© National Trust
16.04. - 09.10.2018

In Szene gesetzt. George Bernard Shaw und die Fotografie

Günter Grass-Haus

Glockengießerstraße 21
23552 Lübeck