Vom 30.6. bis zum 4.11.2018 zeigt das Museum für Aktuelle Kunst in Durbach bei Offenburg die Ausstellung "Das Lied der Dinge. Stillleben im Wandel der Kunst". Mit einem kurzen Blick zurück auf die Malerei der frühen Neuzeit, widmet sich die Ausstellung schwerpunktmäßig dem Fortleben des Stilllebens in der Kunst des 20. Jahrhunderts bis heute. Dabei wird der Vielfalt des Sujets und seiner Symbolik Rechnung getragen: vom althergebrachten Blumenstillleben über Früchtearrangements hin zu vanitas-Motiven mit Skeletten und Totenköpfen, Schlacht- und Jagdbeutemotiven und Interieurs, von Lovis Corinth und Ernst-Ludwig Kirchner bis Markus Lüpertz, von Georges Braque über Jean Fautrier bis Michael Triegel. Mit über 100 Arbeiten verschiedenster Stilrichtungen und Künstler zeigt die Ausstellung, dass das Stillleben – französisch "nature morte" –  bis heute alles andere als tot ist.

Bereits seit dem 16. Jahrhundert erfreuen sich Stillleben – französisch "natures mortes" – großer Beliebtheit, auch wenn sie zunächst im Schatten der Historienmalerei standen. Die Welt unbewegter, vom Künstler arrangierter Dinge bietet eine Fülle an Motiven, die mit unterschiedlichstem Symbolgehalt aufgeladen werden können, und sogar Künstler wie Jean Fautrier oder Georg Meistermann, die man sonst als Informelle kennt, haben sich daran versucht.

Beginnend mit einem kleinen Blick zurück auf die Stillleben der frühen Neuzeit, richtet sich das Augenmerk auf die Kunst des 20. Jahrhunderts bis heute. Die Neue Sachlichkeit und der Kubismus mit Georges Braque sind ebenso vertreten wie der Informelle Emil Cimiotti, CoBrA-Künstler wie Carl Henning Pedersen haben das Motiv Stillleben aufgegriffen, wie auch später Markus Lüpertz, Dieter Krieg, Johannes Grützke und Peter Dreher, nicht zu vergessen die (Neue) Leipziger Schule. Dabei ist die Vielzahl der Themen derjenigen der Stilformen durchaus ebenbürtig: Blumen, Früchte, Totenschädel, Gefäße, in vertrauten und überraschenden Zusammenstellungen. Noch heute weisen Stillleben oft symbolisch über sich hinaus: In den Dingen spiegeln sich der Mensch und seine Lebensrealität in allen Facetten der Freude wie auch der Armseligkeit. So zeichnet Picasso beispielsweise sein Atelier in Cannes, Michael Bach malt hingegen seinen Arbeitstisch, der in das bläuliche Licht des Computers getaucht ist – die Zeiten wandeln sich. Der tote Vogel findet sich als Motiv in den Barockstillleben wie auch in den Arbeiten der CoBrA-Künstler bis zur zeitgenössischen Kunst. Und natürlich sind nicht zu vergessen die Blumenarrangements in allen Varianten, die für die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Schönen stehen wie kaum ein anderes Motiv.

So bietet die Ausstellung mit der Gegenüberstellung unterschiedlicher Stilrichtungen einen spannenden Parcours durch die vielfältige Welt der Dinge und ihrer Symbolik, der sich als
überaus aktuell erweist.