Michel Majerus war ein luxemburgischer Maler, der in den 1990er-Jahren und dem beginnenden 21. Jahrhundert in Berlin gelebt und gearbeitet hat. Bekannt geworden ist Michel Majerus durch sein geschicktes «Samplen» eines reichen Repertoires von verschiedenen Malstilen und Bildwelten aus unterschiedlichen Kontexten, mit dem er die Mechanismen der Pop Art unterläuft und im Vergleich zur Malerei der 1980er-Jahre eine neue Leichtigkeit einführt. Die Ausstellung legt einen Fokus auf frühe Werke von Michel Majerus, die bisher nie gezeigt wurden und die erkennen lassen, wie früh er schon als junger Künstler das Selbstbewusstsein und die Unbekümmertheit besaß, die auch seine späteren Werke auszeichnen. Schon die frühen Werke sind in dem ungewöhnlich großen Format ausgeführt, das auch später typisch für Majerus war.

Michel Majerus wurde 1967 in Esch-sur-Alzette in Luxemburg geboren. Er studierte von 1986 bis 1992 Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, u.a. bei K.R.H. Sonderburg und Joseph Kosuth. Bereits diese zunächst erstaunliche Wahl seiner Professoren, ein Maler, der expressiv und gestisch arbeitet und ein Star der Konzeptkunst, zeigt die Freiheit, mit der Majerus eine extreme Bandbreite künstlerischer Ausdrucksmittel angeht. Nach dem Studium zog er nach Berlin, wo er – bis auf einen einjährigen Aufenthalt in Los Angeles im Jahr 2001 – lebte und arbeitete. Der internationale Durchbruch gelang Michel Majerus 1998 mit seinen Beiträgen zur Manifesta 2 in Luxemburg. 1999 lud Harald Szeemann Michel Majerus im Rahmen der Venedig-Biennale ein, die Außenfassade des italienischen Pavillons zu gestalten. Unter dem Titel «Sun in 10 different directions» schuf er eine Text-Bild-Collage. Mit der Arbeit «if we are dead, so it is», einer 455 m2 großen Halfpipe, die er im Jahr 2000 für eine Ausstellung im Kölner Kunstverein bemalte, gelang Majerus der Schritt in die Dreidimensionalität. Am 6. November 2002 starb Michel Majerus bei einem Flugzeugabsturz.

Majerus" Annäherung an die Malerei ist geprägt von außerkünstlerischen Bildern wie Comics, Werbung, Pornos oder Musikvideos und andererseits durch anerkannte Künstler wie Frank Stella, Gerhard Richter, Georg Baselitz u.a. Auf seinen Bildern finden sich Figuren aus Computerspielen, wie Super Mario, aber auch expressive Pinselstriche, die an die Malerei Willem de Koonings erinnern. Die populäre Ikonografie der 1990er-Jahre mit ihren Logos, Symbolen und Codes versteht Majerus ebenso als Zeichen wie er künstlerische Stilmittel als Zeichen sieht und frei einsetzt. Er bezieht sich ohne Scheu auf Stars der New Yorker Kunstszene der 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahre, wie Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Willem de Kooning oder Frank Stella. Für Majerus bieten bereits bestehende Bilder, unabhängig von ihrer Herkunft, die Möglichkeit, sie neu zu malen. Damit tut er die klassische Idee der Bilderfindung durch den Künstler als unnötig ab und ironisiert sie zugleich. Gleichzeitig reflektiert er seine Beziehung zu den Bildern anderer, indem er auf sie zurückgreift. Zwar sind künstlerische Techniken wie Adaption, Zitat, Anspielung, Verfremdung und Aneignung, die spezielle Auswahl der angeeigneten Bilder und die Bedingungen dieser Auswahl immer schon Bestandteil der Beziehung von Kunst zur «realen» Welt, aber in den späten 1980er-Jahren war mit dem Aufkommen digital erzeugter Bilder die Relevanz dieser Techniken ein aktives Mittel, um den digital erzeugten Bildern zu begegnen. Majerus war sehr früh begeistert von den Möglichkeiten von Photoshop, dem Skalieren von Bildern und anderen Techniken.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 11:00 – 18:00 Uhr
Mittwoch: 11:00 – 21:00 Uhr
Samstag: 10:00 – 18:00 Uhr
Sonn- und feiertags: 11:00 – 18:00 Uhr
Montag: geschlossen (feiertags geöffnet)

Weitere Informationen direkt unter: kunsthalle-bielefeld.de