Der in Stockholm lebende belgische Künstler Carsten Höller hat für die Bundeskunsthalle eine spezielle, ortsbezogene Slide für die Eingangsfassade entwickelt, die das Dach und den Vorplatz verbinden wird. Die Skulptur und die Architektur von Gustav Peichl gehen damit eine respektvolle Symbiose ein, die den Besucher beides anders verstehen lässt, als die separate Betrachtung von künstlerischer Ästhetik und funktionaler Nutzung. Die Arbeit wird mit der Ausstellung The Playground Project – Outdoor eröffnet, bleibt aber für mehrere Jahre installiert und saisonal nutzbar.

Die selbsttragende Konstruktion besteht aus einer geschlossenen, spiralförmigen Röhre aus Edelstahl und transparentem Polykarbonat. Die Höhe des Startpunktes auf dem Dach liegt bei 13,60 Meter, die Länge der Bahn beträgt insgesamt 35 Meter.

„Die Rutsche von Carsten Höller ist ein Kommentar auf das Museum: auf seine Regeln, auf seine Architektur, auf die Institution, aber auch auf die Kunst. Sie steht für eine neue, partizipative Art der Kunstwahrnehmung.“, so Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle.

Carsten Höller versteht ein Museum auch als Raum für Experimente, Innovationen und zum Erproben neuer Ideen und Konzepte. So erweitert er das Medium Skulptur zum Handlungsraum und macht die körperliche und emotionale Erfahrung und Wahrnehmung des Betrachters / Besuchers auf spielerische Weise zum zentralen Bestandteil seiner Kunst. Trotz der Interaktion versteht er seine Arbeit aber nicht nur als effizienten, umweltfreundlichen und zeitsparenden ‚Transportweg‘, sondern auch als Skulptur, die, von außen betrachtet, kunsthistorische Verankerungen hat – Assoziationen an barocke Säulen oder die Endless Column (1938) von Constantin Brâncu?i sind kein Zufall.

Höller versetzt den Besucher in eine individuelle „aktive Ungewissheit“ und sagt dazu: „Das eigentliche Material, mit dem ich arbeite, sind die Erfahrungen, die der Mensch macht.“ Das Rutschen – ein turbulentes und eher unerwartetes Erlebnis im sonst ruhigen musealen Raum – führt immer zu einer Veränderung, die sich auch in der Mimik oder der Haltung des Besuchers, unten angekommen, spiegelt: Niemand bleibt unbeteiligt. Dies hat viel mit der Überwindung möglicher Ängste oder der einfachen Freude und dem Ausleben des Spieltriebs zu tun – die Grenzen sind individuell und bewegen sich laut Roger Caillois, dem französischen Philosophen und Soziologen, im Bereich „einer Art wollüstigen Panik bei ansonsten klarem Verstand“. Die reflektierte, freie Entscheidung des Betrachters, die Skulptur entweder als übergroßes Objekt wahrzunehmen oder auch als partizipatives, kommunikatives soziales Element, gehört zum persönlichen Handlungsspielraum. Sie führt zur Erkundung / Erforschung des eigenen Inneren, der eigenen Wahrnehmung und fördert spielerisch ein verändertes Sehen, Denken und Handeln.