Für den in Rostock lebenden und aus Torgau stammenden Bildhauer Wolfgang Friedrich (geboren 1947) steht das klassische Menschenbild im Mittelpunkt seines Schaffens. Das eindrucksvolle Œuvre erhält dabei Impulse aus einem Spannungsbogen zwischen antiker Hochkultur und klassischer Moderne. »Ich sehe meine Arbeit als Gratwanderung hin zur eigenen Mitte« formuliert er heute sein Credo. Zwischen Figur und Zeichen, Gegenständlichkeit und Abstraktion scheint Friedrich bei seinen plastischen und skulpturalen Form- und Materialuntersuchungen zur Realisierung seiner Bildideen und Bildobjekte diesem angestrebten Ideal der »eigenen Mitte« nahe zu kommen: »Vom sinnlich Organischen hin zum tektonisch Brüchigen - Idyllen und Katastrophen - die Vergegenwärtigung des antiken Erbes auf dem Horizont heutiger Erfahrung.«

Seine Figuren sind in der Regel klein, oft nur wenige Zentimeter groß. Sie erhalten einen zusätzlichen Reiz durch einfühlsame Arrangements, in denen Friedrich mehrere, manchmal auch viele seiner Figuren auf einem Tableau so miteinander kombiniert, dass sie in einen Dialog treten und Geschichten erzählen. Mit ihnen entwirft er Zukunftsvisionen und weist auf deren Vergänglichkeit und Gefährdung hin. Stahl, Bronze, historische Ziegelsteine und Terrakotten sind seine bevorzugten Materialien, aus denen er Werke voller Poesie formt.

Wolfgang Friedrich ist im übertragenen Sinne ein unermüdlicher Arrangeur und Choreograph, Regisseur und Bühnenbildner, der für seine Plastiken immer wieder neue Existenzräume und Raumbeziehungen erfinden möchte. Seine Ateliers waren und sind kleine Welttheater, Bühnen, auf denen die Figuren in den Regalen, auf den Arbeitsböcken und Tischen in wechselnden Konstellationen agieren. Das sich wandelnde Tageslicht allein kann schon Anregung genug sein.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Barlach Stiftung Güstrow, gefördert vom Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses e. V.