Im Mittelpunkt der Präsentation „Sehnsucht Orient. Malerei um 1900“ steht das Gemälde „Bazar in Assuan I“ von Max Slevogt (1868-1932), das anlässlich des 150. Geburtstags des Künstlers mit einem neuen Schmuckrahmen versehen wurde. 

Slevogt fertigte das Gemälde, das zu den Meisterwerken in seinem Schaffen gehört, auf seiner Reise durch Ägypten im Jahr 1914 (16. Februar bis 26. März 1914). Eine kleine Gruppe von Freunden begleitete den Künstler auf seine gut vorbereitete Malexpedition. Slevogt ließ sich seine Malutensilien, Arbeitsrahmen, vorgrundierte Leinwände und Ölfarben, nach Ägypten schiffen und war auf der Reise äußerst produktiv. Insgesamt schuf der damals auf der Höhe seines Erfolges stehende Künstler vor Ort einundzwanzig Ölgemälde. Zwanzig dieser Bilder verkaufte Slevogt nach seiner Rückkehr aus dem Orient, einheitlich gerahmt, an die Dresdener Gemäldegalerie. „Bazar in Assuan I“ ist das einzige Gemälde aus der Ägyptenserie, welches der Künstler für einen deutlich höheren Einzelpreis auf dem freien Kunstmarkt veräußerte. Das Bild wechselte mehrfach den Besitzer, bis es 1956 vom damaligen Direktor Dr. Erich Wiese für die Neugestaltung der Gemäldegalerie des Hessischen Landesmuseums Darmstadt angekauft wurde. 

Das Darmstädter Bild hat seinen Originalrahmen, dessen Erscheinungsbild unbekannt ist, verloren. Daher wurde der neue Rahmen nun nach dem Vorbild der historischen Rahmung der Dresdener Gemälde angefertigt. Bemerkenswert ist, dass der Künstler für seine Ägyptenbilder keinen verspielten Barock-Rahmen wählte, wie es für die Impressionisten damals üblich war. Vielmehr gab er eine vergleichsweise strenge Rahmung mit mehreren Zierleisten in Auftrag. Die Reflexionen dieser Schmuckprofile bringen die lichtdurchflutenden Ägypten-Impressionen Slevogts auf hervorragende Art und Weise zur Geltung.

Erstmals seit der Schließung des Museums 2007 ist das dank der großzügigen Spende der von der Malerei Max Slevogts faszinierten Darmstädterin Gisela Buchler nun neu gerahmte Bild wieder in der Gemäldegalerie zu sehen. Zwei Leihgaben aus der Ägyptenserie des Künstlers veranschaulichen die Rahmen-Thematik und setzen „Bazar in Assuan I“ in den Kontext seiner Entstehung.

Wie viele seiner Zeitgenossen erlag auch Slevogt der Faszination einer damals weit verbreiteten Orientmode. In der Begeisterung für den Orient, die im 18. Jahrhundert begann, im Laufe des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erlebte und zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer noch virulent war, schlugen sich die in Europa kursierenden Vorstellungen einer arabisch und muslimisch geprägten Welt nieder. Die gemeinsame Präsentation mit jeweils einem Werk aus der orientalischen Bilderwelt von Hans Makart, Eugen Bracht und Lovis Corinth, die ihre Gemälde zuhause im Atelier komponierten, ermöglicht es „Bazar in Assuan I“ in einem größeren Zusammenhang neu zu entdecken und nebenbei beliebte Sujets der Orientmalerei aufzuzeigen. So macht die kleine Präsentation, die in die kunsthistorische Chronologie der Dauerausstellung in der Gemäldegalerie des Hessischen Landesmuseums Darmstadt interveniert, auch einen Querschnitt durch 40 Jahre Stilentwicklung erfahrbar.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt hat mit der Wiedereröffnung 2014 ein neues Ausstellungsformat und eine neue Publikationsreihe begonnen. Unter dem Titel „Blickfang“ sind in loser Folge Präsentationen zu sehen, die ihren Ausgangspunkt in den Sammlungen haben. Für den aktuellen „Blickfang 3“ wird der Schwerpunkt auf eine Auswahl von Werken aus dem umfangreichen und qualitätvollen Bestand der Gemäldegalerie gesetzt.