Das Museum für Photographie Braunschweig zeigt in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung vom 14. Juli bis zum 16. September 2018 die Arbeitsergebnisse der Dokumentarfotografie Förderpreise 11. Mit der Ausstellung kommen methodisch vielfältige Arbeiten einer jungen Generation von Fotograf*innen, die sich mit der politischen und sozialen Verfasstheit unserer Welt auseinandersetzten, nach Braunschweig. 

Die Multimediainstallationen, Filmprojekte und Portraitserien von Susanne Hefti, Alina Schmuch und ihrer Projektpartnerin Franca Scholz, Andrzej Steinbach und Malte Wandel beschäftigen sich mit drängenden Fragen unserer Zeit. Im Fokus stehen Geschichte und Gegenwart der Migrationsbewegungen und politische Bruchlinien des 20. Jahrhunderts, die wir mit Blick auf Europas Städte und mit der Frage, was eine Person ist, lesen können. 

Die Mitglieder der Jury waren Florian Ebner (Leiter der Fotografischen Sammlung im Museum Folkwang, Essen, bis Juni 2017), Espen Eichhöfer (Künstler und ehemaliger Preisträger, Berlin), Inka Graeve Ingelmann (Kuratorin, Pinakothek der Moderne, München), Kristina Hasenpflug (Ressortleiterin Kultur und Bildung, Ludwigsburg, bis Juni 2016), Armin Linke (Künstler und Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe)

Der Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrot Stiftung ist der bedeutendste Nachwuchspreis für Dokumentarfotografie in Deutschland. Er richtet sich an Fotografinnen und Fotografen, die sich mit Themen der realen Lebenswelt beschäftigen und mit zeitgenössischen Mitteln die Definition des Abbildungscharakters der Fotografie reflektieren. Seit mehr als zehn Jahren ist das Museum für Photographie Ausstellungspartner für die Präsentation der Förderpreise –eine Kontinuität, innerhalb der sich die Entwicklung und das Verständnis dessen, was Dokumentarfotografie heute bedeutet, ablesen lässt.

Ausstellende Künstler*innen:

Susanne Hefti 
In ihrer Multimedia-Installation Kosovo – A Truly Non-Affirmative Researchbeschäftigt sich Susanne Hefti(*1984, lebt in Zürich) mit den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen des Kosovo-Konflikts. In ihrer Arbeit widmet sie sich den Konsequenzen, die die überstürzte Einführung des Kapitalismus und die Liberalisierung der Märkte nach dem Zerfall Jugoslawiens für die Gesellschaft des Kosovo bedeuten. Ihre Aufnahmen von nur scheinbar gewöhnlichen Tankstellen am Straßenrand sind Symptom und Schauplatz dieser Verwerfungen. 

Alina Schmuch 
Für ihr Filmprojekt We canbesuchten Alina Schmuch(*1987, lebt in Berlin) und ihre Projektpartnerin Franca Scholz (1988*, lebt in Düsseldorf) mehrere Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge in Deutschland. Der Dokumentarfilm zeigt die Leere vor der Ankunft von Geflüchteten, temporäre Unterkünfte, Umnutzungen von historischen Gebäuden, aber auch die Gespräche unterschiedlicher Gruppen, die sich zu dem Thema positionieren. So liefert die Arbeit ein nüchternes und schlichtes Zeitdokument zu einer der größten Herausforderungen für die Bundesrepublik in der jüngsten Zeit.

Andrzej Steinbach 
Den Titel Gesellschaft beginnt mit dreientlieh Andrzej Steinbach(*1983, lebt in Berlin und Leipzig) einem gleichnamigen Essay Ulrich Bröcklings. Darin plädiert der Soziologe dafür, Gesellschaft als Triade, also Beziehung von mindestens drei Beteiligten zu verstehen. In seinen Portraits abstrahiert Steinbach Posen, Kleider, Gestik und Mimik von drei Personen und setzt sie immer wieder neu zusammen. Die Arbeit hinterfragt so Repräsentationsformen, Identitätskonstruktionen, Beziehungen, Hierarchien und Prinzipien sozialer Kodizes. 

Malte Wandel 
Mit der Geschichte afrikanischer DDR-Vertragsarbeiter und deren Schicksal nach der Wende 1989 beschäftigt sich Malte Wandel(*1982, lebt in München) seit über zehn Jahren. Für Sarah, Miguel und Jamal begleitete er in den vergangenen zwei Jahren drei Nachkommen mosambikanischer Vertragsarbeiter. Auf eine sehr persönliche Art dokumentiert die Arbeit Spuren ihrer Existenz. Sie gewährt einen Blick auf ein unerschöpfliches und sich ständig erweiterndes Konvolut an Porträts, Familienbildern, Briefen, Dokumenten und diversen Objekten.

 Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. 


Eröffnung und Sommerfest am Freitag, 13. Juli 2018, 19:00 Uhr. Zur Begrüßung sprechen Barbara Hofmann-Johnson, Leitung Museum für Photographie Braunschweig sowie Dr. René Hartmann, Wüstenrot Stiftung. Führung mit den Preisträger*innen am Samstag, 14. Juli 2018, 15:00 Uhr.


Samstag, 14.07.2018, 15:00 Uhr: Künstlergespräch in der Ausstellung mit Stefanie Unternährer (Kuratorin der Wüstenrot Stiftung für die Dokumentarfotografie Förderpreise 11) und den Beteiligten.