Otto. Die Ausstellung kommt nach Hamburg. Ab dem 14. September 2018 zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) das bildnerische Werk von Otto Waalkes endlich in der Stadt, in der er das Malen gelernt hat. Er ist als Komiker, Musiker, Zeichner, Schauspieler und Regisseur legendär und genießt Kultstatus. Otto, der am 22. Juli 70 Jahre alt wurde, ist ein Klassiker und Wegbereiter der deutschsprachigen Comedy. Weniger bekannt ist Otto, der Maler. Dabei hat er 1970 ein Studium der Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK) begonnen bei Hyper- und Surrealisten wie Hans Tiemann und Konrad Hausner. Hier lernt er sein Handwerk von der Pike auf: die altmeisterliche Schichtenmalerei, die Malerei mit Öl und Acryl, das Aquarellieren und vor allem das Zeichnen, das später auch durch seine enge Verbundenheit mit den Künstlern der Frankfurter Schule geprägt wird. Ottos zeichnerisches Repertoire ist groß: Am berühmtesten ist sein Ottifant, den er schon als Schüler erschuf. Doch sein Erfolg als Komiker lässt ihm wenig Zeit zum Malen. Seit einigen Jahren besinnt sich Otto nun wieder auf die bildende Kunst. Es entstehen erstaunlich viele Gemälde – Hommagen an Künstler wie Leonardo da Vinci, Edward Hopper, Roy Lichtenstein, David Hockney, Pablo Picasso, Edvard Munch oder Max Liebermann, die Otto zu Pastiches und Parodien inspirieren. Auf seinem Parforceritt durch die Kunstgeschichte begegnet er seinen Vorbildern mit Respekt und bedient sich virtuos unterschiedlichster malerischer Techniken – je nachdem, welchen bekannten Meister er sich gerade vornimmt. Aber es wären keine Gemälde von Otto, wenn nicht auch hier der Humor zu seinem Recht käme: Der Komiker Otto schleicht sich in jedes Bild und hinterlässt Spuren von Witz und Aberwitz, bisweilen auch von Hintersinn und Melancholie.

Ottos große Hamburger Einzelausstellung zeigt über 200 Exponate, darunter originale Gemälde, viele seiner frühen Zeichnungen und Bildgeschichten, Cartoons, Spickzettel für seine Bühnenauftritte, Ausschnitte aus den legendären Otto-Shows von 1974 bis 1982 und Bühnenelemente wie ein Nachbau des Pilsumer Leuchtturms oder ein riesiger Ottifant aus Plüsch. Die Ausstellung zeigt Otto, den Maler, den Zeichner, Ottos Bühnenleben, seine Ottifanten und Ottos Rollen.

Der Maler
Rembrandt war Ottos großes Vorbild in der Malerei: „Da siehst du jedes einzelne Haar am Pelzmantel. Das versuchte ich auch: mit feinstem Pinsel die Spitzen, dann Deckweiß, Tempera, trocknen lassen, dann Ölfarben. Ich gestehe: So kurz und ernsthaft ich auch versucht habe, in der Malerei Fuß zu fassen – es ist mir nicht gelungen. Ich habe mich dann aufs Ottifanten-Zeichnen verlegt.“ Zu malen hat er sich erst viel später wieder getraut – zum Glück, wie seine hier ausgestellten, in den letzten Jahren entstandenen Werke, schlüssig beweisen.

Was Kenner über Ottos aktuelle Malerei sagen? „Hurra, endlich ist es so weit: Der geborene Komiker Otto Waalkes wird seine bisher in unzugänglichen Oberstübchen und Unterschubladen schlummernden Bilder und Zeichnungen nicht länger im Verborgenen lassen. Auf der Suche nach Ideen kreuzt und quert der Ostfriese durch die Kunst-geschichte und den Archipel seiner eigenen Erfindungen und fördert wahre Schätze zutage: Ottifanten in allen Lebenslagen tummeln sich in ungewohnt farbenfroher Umgebung, und auch der Künstler selbst passt in diesen Rahmen, selbst dort, wo er herauszufallen droht. Hier ist ein Könner am Werk, das erkennen nicht nur die Kenner.“

Ist dem etwas hinzuzufügen? Kaum. Außer vielleicht, dass seine technische Könnerschaft ihm großen Freiraum verschafft. Es gelingt ihm, die Werke alter und neuer Meister vieler Epochen durch Hinzufügung ottospezifischer Elemente zu vollenden, indem er die unterschiedlichsten künstlerischen Handschriften – von Caspar David Friedrich über Max Liebermann bis hin zu Andy Warhol und Banksy – anscheinend mühelos adaptiert. 

Der Zeichner
Gezeichnet hat Otto immer. Schon in der Schule machen ihn seine Karikaturen zum Klassenclown. So eigenständig Ottos Zeichnungen, seine Skizzen und Cartoons auch sind, die vor allem in den 1970er und 1980er Jahren entstanden, die Nähe zur Neuen Frankfurter Schule hat Otto nie verleugnet. Warum auch? Hier ist er in bester Gesellschaft. Der Strich und der Humor von Künstlern wie F. K. Waechter, F. W. Bernstein und Robert Gernhardt sind für ihn vorbildlich. Selbst zur Verfeinerung seines Markenzeichens, des omnipräsenten Ottifanten, lieferte F. K. Waechter mit seinen Elefanten-Zeichnungen Anregung und Bestärkung.

1970 zieht Otto von seiner Heimatstadt Emden nach Hamburg, um sich hier an der Hochschule für bildende Künste für Freie Kunst einzuschreiben. Einen Studienplatz gibt es nicht, also studiert Otto Kunstpädagogik. Seine Lehrer sind u. a. Bazon Brock und Rudolf Hausner.

Zur Finanzierung seines Studiums knüpft er musikalisch an alte Zeiten an. Die Kellerkneipe Danny’s Pan in Hamburg-Hammerbrook wird seine Hausbühne – Coverversionen von Tiny Tim bis Louis Armstrong reichert er mit komischen Einlagen an und macht daraus sein Programm - bis er im Haus der Jugend Flachsland in Barmbek den Pharmazie-studenten Hans Otto Mertens kennenlernt. Er wird sein Manager und sorgt für die entsprechende die Präsentation seines komischen Talents in größerem Rahmen. An seinem 24. Geburtstag hat Otto seinen ersten großen Auftritt vor 1.200 Menschen, wenig später ist er im Audimax der Hamburger Universität live zu erleben, kurz danach erscheint die erste LP. Und auch deren Cover wird genau wie so viele, die folgen werden, von ihm selbst gestaltet. Der Musiker, der Komiker und der Zeichner wirken hier zusammen – ohne diese drei Talente wäre Ottos Erfolgsweg kaum so gradlinig verlaufen. Bis heute.

Live!
 „Danke … Vielen Dank!“ – Das sind Ottos erste Worte im deutschen Fernsehen. Am 27. August 1973 flimmert die erste „Otto-Show“ in die deutschen Wohnzimmer. Ursprünglich hatte der WDR eine Show mit drei heute sehr berühmten Herren geplant – neben Otto sollen Marius Müller-Westernhagen und Udo Lindenberg auftreten, Sänger und Schauspieler der eine, damals vor allem Schlagzeuger der andere. Und alle drei sind Bewohner einer gemeinsamen WG in Hamburg. Otto gelingt als erstem der Durchbruch, so wird die Sendung zur Ein-Mann-Show. Und ein großer Erfolg. Ottos eigene Lieder, seine Parodien und Gags – eine dreiviertel Stunde außerfriesischer Nonsens hat ihr Publikum über viele Jahre und Sendungen. In der dritten Show schon spielt Otto viele verschiedene Rollen auf der Bühne, mit und ohne Kostüm. Robert Gernhardt, Peter Knorr und Bernd Eilert werden Ottos Koautoren.

Auch Otto und sein Publikum sind bald ein eingeschworenes Team. Das eine braucht den anderen und der eine braucht das andere: „Lauthals geäußerte Reaktion eines Publikums – in diesem Fall Lachen – ist ein Gift und kann wie Opium sein. Auf mich wirkte jedenfalls so. Ich wurde süchtig.“ Sagt, nein: nicht Otto, sondern Theo Lingen.

2015 feiert Otto sein 50-jähriges Bühnenjubiläum mit einer großen Gala im ZDF. Klassiker wie seine zahlreichen, immer wieder erneuerten „Hänsel und Gretel“-Persiflagen sind auch 25 Jahre nach ihrer Erfindung noch immer fester Bestandteil seiner Programme. Die jüngste Tour „Otto live! Holdrio again“ geht 2017 über zahlreiche Bühnen. Aber sie wird bestimmt nicht Ottos letzte sein, denn er sagt: "Das mache ich weiter bis zum Umfallen – vermutlich wird das auch noch ein Lacher.“

Ottifanten
Der Versuch eines Selbstportraits, so will es die Legende, ist der Ottifant ursprünglich gewesen. Ob das stimmt oder nur ziemlich gut erfunden ist, sei dahingestellt. Sicher aber ist, dass die Dickhäuter überall sind. Otto ohne Ottifanten ist so wenig denkbar wie Ottifanten ohne Otto. Sie bevölkern seinen Kosmos von winzig klein bis riesengroß, von der Kindheit bis heute. In seinen Erinnerungen berichtet Otto davon, wie ihn sein Vater Karl Waalkes, der Maler war, als kleine Jungen zu einem Innenanstrich mitnimmt. Doch statt ihm zu helfen, ritzt Otto seinen Namen und ein rundliches Rüsseltier in ein frisch lackiertes Fensterbrett ein. Dass das Ottifantenzeichnen gewinnbringend ist, lernt Otto dadurch schon früh: Sein Vater bestraft ihn, indem er ihm Mitarbeitsverbot erteilt, und erspart ihm so weitere Hilfsaktionen.

Erst kommt der Ottifant als Strichfigur auf den Plattencovern an die Öffentlichkeit, bald wird er eine eigenständige Comicstripfigur mit Familienanhang, deren Geschichten in Zeitungen veröffentlicht wird. 1993 wird die 13-teilige Zeichentrickserie „Ottos Ottifanten“ ausgestrahlt, 2001 folgt der Zeichentrick-Kinofilm „Kommando Störtebeker mit den Ottifanten“. Mittlerweile hat der Ottifant sogar einen eigenen Eintrag bei einem bekannten online-Lexikon. Da heißt es: „Der Ottifant ist ein vom deutschen Komiker Otto Waalkes erdachter, im Comic-Stil gezeichneter Elefant. Die Bezeichnung Ottifant ist ein Kofferwort aus dem verniedlichten Vornamen des Komikers Otto ? Otti und der animalischen Anlehnung der Figuren, Elefanten. Die Ottifanten wurden zu einem Markenzeichen und einer Art Maskottchen von Otto Waalkes und tauchen immer wieder in seinen Bühnenshows sowie auf zahlreichen Merchandise-Produkten auf.“

Ottos Rollen
Schon in der dritten „Otto-Show“ spielt Otto 24 verschiedene Rollen. Viele seiner Figuren sind Klassiker geworden – die namenlosen Pastoren, Englisch-Lehrer, Fahrlehrer, Fahrschüler, Quiz-Master, Könige, Königstöchter, Großmütter, Kleinkinder, der rasende Reporter Harry Hirsch, Susi Sorglos in ihrer naiven Eitelkeit, Horst Hakker, Frau Schnieder-mann, Frau Suhrbier, Oberförster Pudlich, Herbert von Karamalz, Zwerg Bubi, Robin Hood und wie sie alle heißen.

Neben seinen Bühnenrollen spielt Otto auch immer wieder großartige Filmrollen. In dem von ihm mitgeschriebenen und mitproduzierten Film „Sieben Zwerge – Männer allein im Wald“ (übrigens dem achterfolgreichsten deutsche Kinofilm überhaupt seit Einführung der Zuschauerzahlenerfassung 1968), der 2004 in die Kinos kommt, und der 2006 veröffentlichten Fortsetzung „Sieben Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ spielt Otto vier Rollen: Bubi, Bubis Mutter, Bubis Vater und den 1. Fanfarenbläser. In der Komödie „Otto‘s Eleven“, die 2010 Premiere hat, ist Otto als Otto in der Hauptrolle zu sehen. Ottos Alter Ego, der Reporter Harry Hirsch, wird hier von Olli Dittrich gegeben. Aber auch Ottos Stimme spielt immer wieder eine große Rolle, nicht zuletzt in den bislang sechs deutschen Fassungen von „Ice Age“ – die beiden sind ohne einander nicht zu denken: „Beim Vorsprechen haben die gesagt: ‚We want the voice like this!‘ Ich bin nicht nur die Stimme von Sid – wir sind eins. Das ist meine Aufgabe.“

Rollen und Namen sind selbst zum Show-Gegenstand geworden – in einer Parodie vom „Großen Preis“ fragt Otto als Quizmaster seine Kandidatin Frau Suhrbier: „Wie heißt dieser Vogel?“ und flötet ihr einen Kuckuck vor. Sie sagt: „Walter?“ Und schiebt schnell hinterher: „Ach so, Sie meinen den Nachnamen? Nee, den weiß ich nicht.“

Die Ausstellung entsteht mit freundlicher Unterstützung von Annegret und Claus-G. Budelmann sowie Heribert Diehl.