In der Ausstellung 68. Pop und Protest versammelt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) die entscheidenden Bilder, Filme, Texte und den Sound dieser Epoche zu einem komplexen Stimmungsbild. Rund 200 Werke der bildenden und angewandten Kunst, historische Dokumente, Plakate, Fotografien, Mode und Designobjekte­ erzählen was die Menschen 1968 bewegt hat – in Hamburg, Deutschland und der Welt: Das Bewusstsein für die eigenen Rechte und für die Möglichkeit, sie öffentlich in Form von Protest und Aufbegehren zu vertreten. Das Jahr 1968 wird erschüttert von dramatischen Ereignissen, die zu nationalen Protesten führen und revolutionären Ideen Rückenwind verleihen. Gleichzeitig beginnt eine weltweite kulturelle Revolution, die mit viel Fantasie gegen konservative autoritäre Strukturen aufbegehrt, sexuelle Freiheit und die Gleichberechtigung aller Menschen fordert. Das Spektrum gewaltfreier Waffen dieser Zeit umfasst avantgardistische Ausdrucksformen in sämtlichen künstlerischen Disziplinen: progressive Musik, unkonventionelle Mode und entfesseltes Design, kontroverses Theater und gesellschaftskritisches Autorenkino. Dazu kommt eine nie dagewesene Lust am kritischen Diskurs und am öffentlichen Streitgespräch. Kernstück ist die 1969 entstandene Spiegel-Kantine von Verner Panton, ein prominentes Objekt der Zeitgeschichte, das im MKG fest installiert ist. Über vierzig Jahre lang wird hier das Weltgeschehen diskutiert: Vietnamkrieg, Stammheimprozess, Wiedervereinigung, Wirtschaftskrise … Dem Ernst der Themen begegnet der dänische Architekt mit der farbig-optimistischen Spiegel-Kantine, ein Paradebeispiel der lässigen Wohnhöhlen des Pop-Art-Designs – und ein Affront gegen die „Gute Form“ des funktionalen Bauhausstils.