Im Zentrum der Arbeit von Carina Brandes steht ihre eigene Person, aber nicht im Sinne des Selbstporträts, sondern vielmehr als surreal anmutende Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Körper als Material der künstlerischen Produktion. In Settings mit unterschiedlichsten Objekten kehrt sie die Alltäglichkeit in eine Geschichte geheimnisvoller Begebenheiten und Begehrlichkeiten um. Die Körper von Frauen stehen in der gegenwärtigen Körperpolitik für Horror und Sex, sie werden als malträtierte Opfer oder als Werbeobjekte gezeigt, die uns überall umgeben. Carina Brandes setzt diesem Bild bewusst eine uneindeutige Erscheinung in einer männerlosen Welt entgegen, die so gut abjekt sein kann wie sie auch von sinnlichen und humorvollen Momenten bestimmt wird.

Carina Brandes arbeitet meist allein, ausschließlich mit analoger Fotografie. Als ehemalige Kunstturnerin betrachtet sie seit ihrer frühen Jugend ihren Körper als ein Medium, mit dem sie bildnerisch tätig sein kann. Dieser spielerische wie dynamische Ansatz in ihrer Arbeit macht deren besondere Qualität aus. Fragen nach dem Zusammenspiel von Körper, Empfindung, Subjekt und Objekt bilden eine feste Größe in der von feministischen Fragestellungen geprägten Kunst – wie wir sie etwa auch von Ana Mendieta über Maria Lassnig, Betty Tompkins bis hin zu Cindy Sherman kennen.

Carina Brandes wird nun für Heilbronn ihre Arbeit erheblich erweitern. War bisher die S/W-Fotografie auf Baryth-Papier ihr bevorzugtes Medium, plant sie nun einen Sprung in den Raum. Sie wird ihren Körper und die surrealen Situationen, in denen sie sich fotografiert, bildnerisch auf große Marmorplatten, Holzbalken und Stoffen fixieren.

In der Zeit ihres Aufenthaltes in der Villa Romana in Florenz stieß sie auf die anatomischen Wachsmodelle von La Specola. Eine Verbindung dieser Wachsmodelle mit ihrem eigenen Körper wird sie durch Projektionen auf Marmorplatten herstellen. Sodann plant sie ihren Körper in Einzelteilen auf Holzwürfeln abzubilden, die von den Betrachtern neu zusammengesetzt werden sollen. Große Stoffbahnen bieten ihr die Möglichkeit, das eingeschränkte Format des Papiers zu verlassen und den Körper in eine andere Form des Flusses zu bringen. So verbindet Carina Brandes nun ihren Körper mit diesen doch unterschiedlichen Materialien, um ihre Fragen nach Objekthaftigkeit, Subjekt, Körper und Empfinden nochmals neu in ihrem surrealen Ansatz zu diskutieren.

22.09. - 25.11.2018

Carina Brandes: Mother's Tongue

Kunstverein Heilbronn

Allee 28
74072 Heilbronn