Im IBB-Videoraum werden über den Zeitraum eines Jahres zwölf Künstler*innen präsentiert, die durch ihren innovativen Umgang mit den Medien Film und Video aufgefallen sind.
Die Reihe wird im Juni und Juli mit den Arbeiten Occidente (2014) und Há Terra (2016) von Ana Vaz fortgesetzt (27.06.–30.07.2018). Die Künstlerin und Filmemacherin arbeitet hauptsächlich mit den Medien Film, Installation und Performance. Die körperliche, subjektive Erfahrung von Wirklichkeit ist der Ausgangspunkt ihrer Arbeiten, die sich im Grenzbereich zwischen Ethnografie und Spekulation bewegen.

In Occidente (2014) widmet sich Ana Vaz kolonialen Spuren und Verbindungen zwischen Brasilien und Portugal. Die Arbeit besteht aus 16-mm-Film, HD-Video und verschiedenen Formen angeeigneten Materials wie etwa Aufnahmen von Extremsportler*innen.
Auch in diesem Video geht es nicht darum, Antworten zu geben, sondern vielmehr durch das Schaffen von neuen Verbindungen zwischen Objekten und Orten Denkanstöße zu liefern.Vaz schafft eine „cinematografische Multiperspektive“ – ein Terminus, der sich auf den brasilianischen Anthropologen Eduardo Viveiros de Castro bezieht.

In Há Terra (2016) beschäftigt sich Vaz mit Brasiliens Region Sertão und deren Geschichte des politischen Widerstands. Erinnerungen an die Kolonialzeit werden durch den wiederkehrendenRuf „Land! Land!“ aufbeschworen, eingebettet in Erzählfragmente zum heutigen Landraub.
Der poetische Film zeigt die flirrende Landschaft und deren Bewohner*innen und changiert zwischen Räuber*in und Beute, Jagen und gejagt werden.

Häufig verbindet Ana Vaz selbstgedrehtes Material so mit Found Footage, dass Brüche und Irritationsmomente entstehen. Thematisch interessieren Vaz besonders die Erzählungen, die verschiedenen Landschaften und Territorien eingeschrieben sind, wie auch die Machtstrukturen, die sich in ihnen finden. In ihren Arbeiten gibt es weder lineare Erzählweisen noch eindeutig definierte Protagonist*innen. Vielmehr lassen sie Raum für Zweifel und öffnen so neue Denkräume.

Ana Vaz wurde 1986 in Brasilia, Brasilien geboren. Sie studierte am Royal Melbourne Institute of Technology & Le Fresnoy und war Mitglied von SPEAP (School of Political Arts, SciencesPo Paris), einem Projekt von Bruno Latour.

Ihre Arbeiten wurden in der jüngeren Vergangenheit u.a. in der Tate Modern, TABAKALERA, New York Film Festival, Toronto International Film Festival und Cinéma du Réel (Grand Prix)gezeigt. Flaherty Seminar (USA) und Doc’s Kingdom (Portugal) haben ihrem Werk einenbesonderen Fokus gewidmet. Vaz erhielt zudem den Kazuko Trust Award der Film Society des Lincoln Center (New York).

Ana Vaz, Há Terra!, 2016, © Ana Vaz, Spectre Productions
27.06. - 31.07.2018

12x12. Der IBB–Videoraum: Ana Vaz

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