„Mit dem Spiel beginnen wir die Welt zu entdecken, zu begreifen und uns in ihr zurechtzufinden. Das Spiel ist das Erproben sozialer Praxis und - wie auch die Kunst - Feld der freien schöpferischen Tätigkeit, ohne an Zwecke oder Nutzen gebunden zu sein.“, so Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle.

The Playground Project illustriert anhand von herausragenden Gestalter(inne)n die wichtigsten Momente in der Geschichte des Spielplatzes. Zwischen 1950 und 1980 war der Spielplatz ein kreatives Labor. In den Städten der Industrienationen entstanden innovative, Projekte: Landschaftsarchitekt(inn)en, Künstler/-innen, Aktivist(inn)en und Bürger/-innen wollten Kindern den besten Spielort zur Verfügung stellen und zugleich Gemeinschaft und Stadt neu denken: The Playground Project macht den Reichtum dieser Zeit erlebbar. Projekte werden in zahlreichen Bildern, Filmen, Plänen und Modellen gezeigt, aber auch durch Spielskulpturen erlebbar gemacht.

In der Geschichte des Spielplatzes spiegelt sich nicht nur die Geschichte eines jeden Einzelnen. An ihr lassen sich auch wichtige gesellschaftliche Veränderungen ablesen: Vorstellungen über Erziehung und Kindheit, Kreativität und Kontrolle, Architektur, öffentlichen Raum und Kunst. The Playground Projectist einerseits Rückschau, versteht sich aber auch als Inspirationsquelle für die zukünftige Gestaltung von Spielräumen.

Vier Schlüsselmomente prägten die Entwicklung des Spielplatzes: Um 1900 holen Sozialreformer das „herumlungernde“ Kind von den Straßen der großen Industriestädte. Sie bringen es auf betreute und nach Geschlecht getrennte Plätze „in Sicherheit“, um es vor den schlechten Einflüssen der Straße zu schützen. Diese eingezäunten Orte bestücken die Reformer mit spektakulären Turngeräten aus Stahlrohr und Holz.

Um 1930 kommt in den skandinavischen Ländern die Idee auf, dass Kinder besser mit natürlichen Materialien spielen sollten. Selbstständiges und kreatives Gestalten mit Sand und Wasser gewinnt neben leistungsorientiertem Turnen an Bedeutung.

In den 1960er-Jahren, dem Jahrzehnt der Selbstermächtigung und der Eigeninitiative, steht das eigenständige Machen in der Gemeinschaft ohne staatliche Bevormundung im Vordergrund.

Mit den 1980er-Jahren verlieren gesellschaftliche und politische Utopien an Anziehung. Der Spielplatz wandelt sich vom offenen Ort für Experimente zum kontrollierten Normraum, wobei das Kind immer stärker auch als Konsument wahrgenommen wird. Sich verschärfende Sicherheitsstandards halten zudem viele Gestalter davon ab, in diesem Bereich weiterhin tätig zu sein. Eine Ausnahme bilden die Naturspielplätze, wie sie gerade in Deutschland populär werden.

Nach Jahrzehnten der Stagnation ist heute wieder eine Aufbruchstimmung spürbar. Diese geht von jungen Architekt(inn)en, Aktivist(inn)en und Künstler(inne)n aus. Auf dem Dach und dem Vorplatz der Bundeskunsthalle sind einige aktuelle Projekte zu sehen.

Die Ausstellung The Playground Project gliedert sich in vier Bereiche, die je einem Spielplatztypus gewidmet sind: links die Spielskulptur, gefolgt vom Abenteuerspielplatz im hinteren Teil der Halle, daran anschließend rechts die Spiellandschaft und schließlich der Aktivismus.

13.07. - 28.10.2018

The Playground Project Indoor

Bundeskunsthalle Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn