Das Emil Schumacher Museum freut sich, die neue Ausstellung EMIL SCHUMACHER – RÄDER:WERK anzukündigen. Die Ausstellung beleuchtet das Rad als eines der figurativen Hauptelemente im Spannungsfeld von Früh- und Spätwerke Emil Schumachers.

Mit der Ausstellung Räder:Werk präsentiert das Emil Schumacher Museum erneut eine Ausstellung, in deren Zentrum ein Motiv aus dem Spätwerk Emil Schumachers beleuchtet wird. Ungewöhnlich ist, dass ein solches Einzelmotiv im Fokus einer eigenen Ausstellung steht, jedoch lässt sich bei der Überschau des Gesamtwerkes feststellen, dass das Motiv darin einen besonderen Stellenwert hat. Daraus ergibt sich automatisch die Frage, was ein solches Symbol bedeuten soll. Der Künstler hat dem Motiv symbolhaften Charakter verliehen. Eine eindeutige Erklärung für die Bedeutung dieses Zeichens hat er jedoch nicht hinterlassen. Auch enthalten seine Bilder keine Handlung, über die sich eine unmittelbare Bedeutung erzählerisch nachvollziehen ließe. Schumacher lässt den Betrachtern seiner Bilder die Freiheit, eine eigene Interpretation zu finden. Er lenkt jedoch den Blick auf einen Gegenstand, der ihn selbst zeitlebens interessiert hat. Dies zeigt gerade auch der Vergleich von Früh- und Spätwerk. Das Rad findet sich darin monumental als Einzelmotiv und häufiger noch eingebettet in Landschaften, die auch im Zusammenhang mit der Tradition der Bukolik in der Malerei stehen. Im Spätwerk trat das Motiv 1988 nach fast vier Jahrzehnten der reinen Abstraktion gewissermaßen aus dem Fundus des künstlerischen Erfahrungsschatzes wieder in den Vordergrund und ist sogar noch in den letzten Werken des Malers zu finden Dies ist jedoch weit mehr als nur ein Kreisschluss innerhalb des Gesamtwerks. Dem symbolhaften Motiv als prägnanter Bildgestalt kommt ein ganz eigener Stellenwert zu.

Emil Schumacher zog es immer wieder in die Natur, die ihm Muße und Erholung bot – hier fand er die Inspiration, die er für seine Arbeit brauchte. So stehen in Früh- und Spätwerk des Malers immer wieder Landschaften und damit verbundene Motive im Mittelpunkt, die der naturverbundene Künstler aus inneren Bildern schöpfte. Auch innerhalb der gestisch- abstrakten Werkabschnitte lassen sich Annäherungen an Landschaftliches ausmachen, die jedoch weniger als Abbild der realen Welt, sondern vielmehr als ein Echo aus dem Inneren des Künstlers zu verstehen sind. Die Figurationen des Spätwerks entsprechen der zeichnerischen Handschrift der frühen, dem Expressionismus nahestehenden Arbeiten. Sie sind in ihrer hohen Konzentriertheit allerdings erkennbar durch die jahrzehntelange abstrakte Malerei geprägt und wären ohne diese Entwicklung im Gesamtwerk Schumachers nicht vorstellbar. Es sind nur wenige Hauptmotive, die der Maler immer wieder setzt. Diese Motive – Häuser, Leitern, Figuren und Tiere sowie nicht zuletzt Räder – sind dabei nicht als persönliche Ausprägung einer Symbolsprache zu verstehen. Die reduzierten Figurationen Schumachers, denen kein erzählerisches Moment zugrunde liegt, rufen vielmehr überzeitlich gültige menschliche Ur-Erfahrungen wach.

Das Rad kann dennoch verstanden werden als Sinnbild für Arbeit und Technik. Mit dem technischen Bildgegenstand lenkt Emil Schumacher den Blick auf das Verhältnis des Menschen – also auch sein eigenes – zur Natur. Denn durch Erfindungskraft und Werk unterscheidet der Mensch sich von allen anderen Geschöpfen. Schumacher, der 1912 geboren wurde und zwei Weltkriege sowie vor allem deren Folgen erlebte, war sich der Entfremdung des Menschen von der Schöpfung sehr bewusst. Auch die irreparable Zerstörung der Natur durch den Menschen sah er als zwangsläufiges Ergebnis davon und erhoffte sich, durch das bewusste Erleben der Natur werde der Mensch zu seinem Selbstverständnis als Teil seiner Umwelt zurückfinden. So war die idealisierte Schäferidylle der Bukolik seit zwei Jahrtausenden immer wieder auch die Flucht aus dem Elend der Welt mit Hilfe der schönen Künste. Das Rad im Werk Emil Schumachers erinnert an eine andere Wahrheit: Die Natur ist dem Menschen vor allem dort wohltuend, wo er sie durch seinen Eingriff bereits gebändigt hat.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Kettler, Dortmund, herausgegeben von Ulrich Schumacher und Rouven Lotz, mit einem Vorwort von Ulrich Schumacher und einem Beitrag von Rouven Lotz. 92 Seiten mit 89 Abbildungen, Leineneinband mit aufwändiger Prägung, ISBN: 978-3-86206-701-5, € 19,90 - im Museum (€ 24,90 im Buchhandel).


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 12:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: esmh.de