Die Ausstellung LICHTEMPFINDLICH 2 zeigt eine repräsentative Auswahl zeitgenössischer Fotografie aus der Sammlung Schaufler und schließt damit an den ersten Teil der Schau mit gleichnamigen Titel aus dem Jahr 2011 an.
Der Ausstellungstitel nimmt einerseits Bezug auf die Grundlage der Fotografie andererseits auf die Problematik ihrer Alterungsbeständigkeit. LICHTEMFINDLICH 2 wird, wie bereits der erste Teil, im ehemaligen Hochregallager des Museums präsentiert, welches mit über 15 Metern Raumhöhe und einem umlaufenden Aufgang spannende Sichtachsen bietet. Neben den Nah- und Fernsichten lassen sich Querverbindungen ziehen, Bezugspunkte aufdecken, aber auch Besonderheiten einzelner Werke verdeutlichen. Die Fotografie in der Sammlung Schaufler umfasst etwa zehn Prozent des Gesamtbestandes. Insgesamt beherbergt die Kollektion 56 Künstler, davon sind in der aktuellen Präsentation 32 ausgestellt – unter ihnen die bekanntesten deutschen Fotografen, wie Thomas Demand, Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff, Thomas Struth undWolfgang Tillmans, aber auch internationale Größen wie Nobuyoshi Araki, Sherrie Levine und Bettina Rheims. Der zeitliche Schwerpunkt der gezeigten Werke liegt zwischen 1980 bis 2015. Das Spektrum der fotografischen Positionen ist vielfältig – Akt, Porträt, Landschaft, Architektur oder Industrie – spiegeln sich in den Fotoarbeiten wider, sind aber oftmals Zitate oder Stadien eines konzeptuellen Prozesses. Bestimmte Bildfindungen und die formale Gestaltung der oft künstlichen Bildwelten stehen im Fokus, weniger der Entstehungsprozess, dieser spielt, ob manipuliert oder authentisch, keine Rolle. Neben dem vorrangig monu- mentalen Einzelbild finden sich auch zahlreiche Serien in der Präsentation. Einige Hauptwerke aus der Sammlung Schaufler sind erneut ausgestellt, wie die 5-teilige Fotoserie New York, November 8, 2001 von Starregisseur Wim Wenders, die nach den Terroranschlägen des 11. September entstand. Andere Arbeiten sind erstmalig zu entdecken – wie das Werk Interieurs Parisiens, After Atget, 1997 der Künstlerin Sherrie Levine.

Das Interesse an Architektur und Raum manifestierten sich u. a. bei den Fotografien von Götz Diergarten, der seine Motive in banalen Alltagsarchitekturen, wie Stand- oder Wartehäuschen findet, bei Roland Fischer, der Architektur als fotografisches Motiv zum Ornament abstrahiert sowie bei Günther Förg und Karl Hugo Schmölz, die ihren Blick auf architektonische Strukturen und Formen richteten. Thomas Demands Fotos zeigen menschenleere Räume, die der Künstler nach Vorlagen in lebensgroßen Papiermodellen nachbaut, um sie dann abzufotografieren. Candida Höfer und Hans-Christian Schink widmen sich der Wiedergabe von Innenräumen. Verlassene Parkplatzflächen werden bei Carsten Meier zum Bildthema, die durch ihre Entleerung seltsam artifiziell wirken. Bei Klaus Heiders Aufnahmen des Opaion im römischen Pantheon spielt das Licht eine wesentliche Rolle.

Die Porträtfotografien in der Schau sind oft Inszenierungen oder Montagen, die eine kühle Distanz wahren. So porträtiert Gianluca Vassallo in Rooms: a family history, 2013/2017 seine Familie verkleidet als Superhelden. Stark ausgeleuchtet von sichtbaren Spuren des Lebens gezeichnet, wirken die Personen eher wie Antihelden. Existenziell und direkt sind auch die Schwarz-Weiß-Arbeiten von Nobuyoshi Araki.

Landschaftsaufnahmen sind u. a. mit Meeresimpressionen von Elger Esser sowie mit Thomas Struths Grosse Tanne am Eschberg –No. 13 Winterthur, 1992 vertreten.
Nicht alle Künstler lassen sich als Fotografen im engeren Sinne bezeichnen. Einige Kunstschaffende verwenden fotografische Techniken, agieren aber auch mit anderen Medien. Hiroyuki Masuyamas erweitert das Medium durch die Einbindung von Leuchtkörpern.

Ungegenständliche und mehrdeutige Arbeiten, bei denen Idee und formale Gestaltung wesentlich sind, fügen sich zudem in die Auswahl ein, so beispielsweise Wolfgang Tillmans Subtraktive Farbmischungen, 2007 undThomas Ruffs Substrate, 2002.

LICHTEMPFINDLICH 2 veranschaulicht – über eine facettenreiche Bandbreite an Motiven und die Vielfältigkeit der technischen Möglichkeiten – das faszinierende Potenzial, welches dem Medium Fotografie inne wohnt.

Der zur Ausstellung entstandene Katalog erfasst erstmalig den fotografischen Bestand der Sammlung Schaufler. Anlass und Grundlage für die Publikation sind die beiden Ausstellungen LICHTEMPFINDLICH 1+2. Einführende Texte beleuchten das Medium aus verschiedenen Blickwinkeln. Ein Index zur Fotografie ergänzt die Werk- betrachtung und Biografien der Künstler. Das Gesamtverzeichnis erscheint im Kehrer Verlag (39,90 Euro im Buchhandel, 34,90 Euro im Museumsshop).

Künstler in der Ausstellung:
AES+F, Nobuyoshi Araki, Bill Beckley, Giovanni Castell,  Vincenzo Castella, Thomas Demand, Götz Diergarten, Elger Esser, Roland Fischer, Günther Förg, Andreas Gursky, Klaus Heider, Candida Höfer, Veronika Kellndorfer, In Sook Kim, Marie-Jo Lafontaine, Sherrie Levine, Peter Lindbergh, Robert Mapplethorpe, Hiroyuki Masuyama, Carsten Meier, Hans Op De Beeck, Ralf Peters, Bettina Rheims, Thomas Ruff , Hans-Christian Schink, Karl Hugo Schmölz, Thomas Struth,  Wolfgang Tillmans, Gianluca Vassallo, Wim Wenders, Michael Wesely