Das photographische Portrait historischer und aktueller Referenz steht im Mittelpunkt der drei Einzelausstellungen, die ab dem 7. September 2018 in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur zu sehen sein werden. Während August Sander (1876–1964) und Hugo Erfurth (1874–1948) der gleichen Generation angehören, sich in ihrer photographischen Bildsprache und Ausdrucksweise aber stark voneinander absetzen, zählt der Italiener Francesco Neri (*1982) zu jenen Zeitgenossen, die mit analoger Technik dem seriell-vergleichenden Ansatz nachgehen. 

Die präsentierte Ausstellung mit Portraitaufnahmen von Hugo Erfurth umfasst Bestände des LVR-LandesMuseum Bonn und der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur. Mit diesem Projekt findet die 2018 gestartete Zusammenarbeit beider Institutionen ihre Fortsetzung. Zudem wird die Präsentation um Leihgaben aus der Deutschen Fotothek Dresden ergänzt. Neben seiner anfänglichen Vorliebe für Genrephotographien und Landschaftshintergründe, spezialisierte sich Erfurth zunehmend auf Portraits, die er zu Beginn seiner photographischen Tätigkeit vor allem im Kreis seiner Familie fand. Mit Erwerb des Palais des Grafen Lüttichau in der Dresdner Innenstadt 1906, entwickelte sich Erfurths Atelier zu einem repräsentativen Zentrum des Städtischen Kulturlebens. Zunehmend widmete sich der Photograph nun den Bildnissen von Bürgerschaft und Adel, von Militär und Künstlern, die den Photographen allesamt für seine fein komponierten Individualbildnisse schätzten. Namentlich sind beispielsweise Künstler wie Otto Dix, Käthe Kollwitz oder Richard Riemerschmid zu nennen. Auch Persönlichkeiten, die in August Sanders Werk anzutreffen sind, finden sich in Hugo Erfurths Oeuvre. Zudem hat auch Erfurth in einer als „Köpfe meiner Zeit“ bezeichneten Sammlung mit einer gewissen Planmäßigkeit Bildnisse zusammengetragen, wenn auch in Stringenz und Konzeption nicht mit dem Sanderschen Hauptwerk vergleichbar. Erfurths bildnerische Umsetzung ist stark mit einer kunstphotographischen Auffassung verbunden, was sich etwa in den von ihm bevorzugten Edeldrucktechniken wie Gummidruck oder Öldruck zeigt, die von einer ausgewiesen malerischen Oberflächenwirkung sind. Dem Öldruck blieb Erfurth – modeunabhängig – ein Leben lang treu.