Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin begibt sich anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens mit einer groß angelegten Jubiläumsausstellung auf eine Entdeckungsreise in ihre vielfältigen Sammlungsbereiche Architektur, Buchkunst, Fotografie, Grafikdesign und Modebild.

2018 feiert die Kunstbibliothek ihr 150-jähriges Bestehen. Ursprünglich Teil des Kunstgewerbemuseums, das 1868 Räume in Berlins Mitte bezog, verfügt sie heute neben einer großen Sammlung an Fachliteratur auch über bedeutende Bestände grafischer Bildzeugnisse aus den Bereichen Architektur, Buchkunst, Fotografie, Grafikdesign und Modebild. Die Jubiläumsausstellung dreht sich ganz um das Thema „Reise“ – ein zentrales Motiv in Literatur und Kunst, das auch die Bestände der Kunstbibliothek in unterschiedlichsten Formen durchzieht. 250 ausgewählte Exponate stellen ein faszinierendes Reise-Panorama vor – von mittelalterlichen Pilgerreisen nach Jerusalem, über humanistische grand tours, voyages pittoresques des 17./18. Jahrhunderts und Expeditionsreisen im Kolonialzeitalter, bis hin zum plakativ beworbenen Massentourismus des 20. Jahrhunderts.

Auch medial zeigt sich ein breites Spektrum: Zeichnungen, Veduten und Reiseskizzenbücher aus der Architektursammlung treffen auf rare Buchdrucke aus der Bibliothek und multimediale Varianten von Reisealben. Die Fotografie bewegt sich zwischen Souvenir und Dokumentation, während die Sammlung Modebild neben Drucken, Entwürfen und Fotos zu Reisemoden auch mit Trachtenbüchern und Karikaturen aufwartet. Im Grafikdesign ist das Thema „Reisen“ in Plakaten, Broschüren, Speisekarten,Kofferaufklebern, Reklamemarken und anderen Alltagsdrucksachen vertreten. Die Sammlung Buchkunst ergänzt die Präsentation mit Illustrationen, skulpturalen Objekten und einem filmischen Reise-Tagebuch des Konzeptkünstlers Marcel Broodthaers von 1973.

Stets ist es dabei das Bild, das im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Denn Reise-Bilder aus angewandten Kontexten stellen nicht nur Orte und Erlebnisse dar oder demonstrieren die Kunstfertigkeit ihres Produzenten –vielmehr sprechen sie Bände über die Epoche, in der sie entstanden sind. Sie geben einerseits Auskunft über praktische Realitäten des Reisens wie Transport, Unterkunft, Moden und Möglichkeiten. Zugleich eröffnen sie Einblicke in größere kulturelle und soziopolitische Gefüge: Wie und fürwen wird Wissen über „das Fremde“ definiert und erlangt, wie wird esverbreitet? Welches gesellschaftliche Selbstverständnis prägt welche Reiseform? Wo und wann wird Reisen politisch, ist es Luxus oder Banalität? Wie verhalten sich Reisebilder und -berichte zu Weltvorstellungen und globalem Denken? Und warum versteht sich jede Epoche seit dem 17.Jahrhundert als das neue „Zeitalter des Reisens“?

Die Ausstellung präsentiert sich als ein „ABC des Reisens“: Entlang des Alphabets werden Exponatengruppen zentralen Begriffen zum Reisen –von A wie Album bis Z wie Ziel – zugeordnet. Unter B wie Bericht etwa findet sich ein Reisebericht von Jaques de Bourges‘ China-Reise 1671. Theodor de Brys „America“ (1596) und Franz Hogenbergs „Civitates orbis terrarum“ (1618) gehen als frühe Landkarten unter C wie Cartografia einen Dialog mit Plakaten der 1920er-Jahre ein. Dem topografischen Ansatz stellt N wie Nationen ein Ordnungssystem nach regionalen Typen entgegen, in dem barocke Spielkarten, Trachtenbücher des 17. Jahrhunderts und Bilderbögen nationale Erscheinungsbilder visualisieren. Wie sich Reisen mit verkehrstechnischem Fortschritt und Mobilität verknüpft, zeigen grafische und fotografische Werke rund um D wie Dampfschiff, E wie Eisenbahn und F wie Flugreise. In T wie Tourismus fangen Reiseplakate von 1880 bis heute Sehnsuchtsmotive ein, während erfundene Reisen eines Münchhausen oder bei Jules Verne im Blickpunkt von I wie Imagination stehen.

Während der Ausstellung können Besucherinnen und Besucher im oberen Foyer der Kunstbibliothek auf eine Anzahl von Künstlerbüchern zugreifen, die sich mit realen oder fiktiven Reisen befassen. Zudem wird der Künstler Flavio de Marco ausgehend von seinem Künstlerbuch „Stella“, einem fiktiven Reiseführer zum idealen Urlaubsziel, Fenster und Vitrinen bespielen. Im unteren Foyer stellt eine Präsentation zur Geschichte der Kunstbibliothek ihre Sammlungen und Häuser, Akteure und Aktivitäten der letzten 150 Jahre vor. In der Dauerausstellung des am Kulturforum benachbarten Kunstgewerbemuseums wird die Reise mit einem Parcours zu besonderen Objekten wie einem tragbaren Altar, einem Reisehut oder einer Souvenir-Vase fortgesetzt.

„ABC des Reisens“ wird von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Lesungen und Künstlergesprächen begleitet. Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter „Magalog“ – eine Katalogpublikation im Zeitschriftenformat, inspiriert von Reisemagazinen im gleichen Format.

150 Jahre Kunstbibliothek

Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin feiert 2018 ihr 150- jähriges Bestehen. Ihre Anfänge liegen im „Deutschen Gewerbemuseum“,das ursprünglich Bibliothek, Unterrichtsanstalt und Sammlung unter einemDach vereinte. 1881 bezog die „Bibliothek des Kunstgewerbemuseums“gemeinsam mit ihrem Mutterhaus den neu errichteten Martin-Gropius- Bau. 1905 erhielt sie ihr erstes eigenes Gebäude in der Prinz-Albrecht-Straße und wurde im Jahr 1924 unter dem Namen „Staatliche Kunstbibliothek“ organisatorisch vom Kunstgewerbemuseum unabhängig. Nach denKriegsjahren konnte die Kunstbibliothek 1954 ein neues Domizil in der Jebensstraße beziehen; seit 1994 ist sie am Kulturforum beheimatet.

Heute gehört die Kunstbibliothek mit rund einer Millionen Bänden zu den größten Museumsbibliotheken weltweit. Sie stellt an ihren Standorten am Kulturforum (Kunstwissenschaftliche Bibliothek) und auf der Museumsinsel Berlin (Archäologische Bibliothek) die Informationsversorgung für die sammlungsbezogene Grundlagenforschung an den Staatlichen Museen zu Berlin sicher. Gleichzeitig ist sie ein internationales Forschungsinstitut, in dem die Objekte zur angewandten Kunst in den Sammlungen Architektur, Buchkunst, Fotografie, Grafikdesign und Modebild für Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland nutzbar sind. Seit 2004 gehört das neu eröffnete Museum für Fotografie zur Kunstbibliothek, das sich an seinem Standort in der Jebensstraße in Berlin-Charlottenburg zu einem Zentrum für innovative Fotoausstellungen entwickelt hat.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 10:00 - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: www.smb.museum