In einer Kabinettausstellung in der Gemäldegalerie zeigt das Kupferstichkabinett aus seiner Sammlung eine Auswahl eindrücklicher Bildzeugnisse aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Neben druckgraphischen Porträts der politischen und militärischen Hauptakteure jener Zeit liegt der Fokus der Sonderpräsentation auf graphischen Bildern über einzelne Begebenheiten und die Auswirkungen des Krieges auf die Bevölkerung.

Hundert Jahre nach der Reformation Martin Luthers bildete der berühmte Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618 den symbolischen Anfang für eine Reihe lang andauernder kriegerischer Auseinandersetzungen in Mitteleuropa, die erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück ein Ende fanden. Zusammengefasst gingen diese Konflikte als Dreißigjähriger Krieg in die Geschichte ein. In den zunächst überwiegend religiös legitimierten Konflikten griffen weltlich-territoriale und geistlich- konfessionelle Interessen ineinander. In der Summe führten die kriegerischen Auseinandersetzungen zu fundamentalen Erschütterungen im Heiligen Römischen Reich, zu großflächigen Verwüstungen und zu großem Leid für die betroffenen Menschen. Zunehmend folgte man der Maxime:„Der Krieg ernährt sich selbst.“ Das führte nicht nur zu hohen Kontributionslasten besiegter Regionen sondern auch zur Verrohung der Söldner und ihrer Kontrahenten.

Eindrückliche graphische Bildzeugnisse spiegeln die Ereignisse und die gesellschaftliche Grundstimmung der Epoche. Die Antlitze der politischen und militärischen Hauptakteure wurden in seinerzeit äußerst beliebten druckgraphischen Porträts festgehalten. Zu ihnen gehören etwa Bildnisse von Kaiser Ferdinand II. und der katholischen Heerführer Wallenstein und Tilly. Sie stehen Konterfeis des früh gefallenen Hoffnungsträgers der protestantischen Fraktion gegenüber, König Gustav Adolph von Schweden. Daneben finden sich aber auch karikierende Schilderungen und Bildgeschichten über einzelne Begebenheiten und Konstellationen im politischen Leben der Zeit. Beispiele hierfür liefern einige Bildsatiren um densog. „Winterkönig“, den calvinistischen Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, der sich nur von 1619 auf 1620 als König von Böhmen halten konnte.

Einige graphische Bilder schildern die Auswirkungen des Krieges auf die Bevölkerung. Sie zeigen unter anderem Kriegshandlungen einzelner Marodeure oder Söldnergruppen. Die berühmtesten und eindrücklichsten sind Jacques Callots 1633 in Paris erschienene Radierfolge „Misères et les malheures de la guerre“ und Johann Ulrich Francks Serie zum Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, die über einen längeren Zeitraum ab den 1640er-Jahren bis 1656 entstand. In diesen graphischen Bildersequenzen stehen die Schicksale einzelner Personen und kleinerer Gruppen sowie die unmittelbaren Folgen des Krieges und seiner sozialen Katastrophen für den und die Einzelnen im Vordergrund.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 10:00 - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: www.smb.museum

Hans Ulrich Franck Ein Überfall, 1643 Radierung © Staatliche museen zu Berlin, kupferstichkabinett / Dietmar katz
10.07. - 11.11.2018

Bilder aus dem Dreißigjährigen Krieg. Druckgraphik aus dem Kupferstichkabinett

Gemäldegalerie

Matthäikirchplatz
10785 Berlin